Plan zum Schwimmbad in den Isarauen (1883)

Schätze aus dem Stadtarchiv Freising

von Florian Notter, 02. Dezember 2018

Viele badebegeisterte Freisinger, darunter hunderte Schüler, hatten lange darauf gewartet: Pünktlich zur Badesaison 1864 konnte das erste öffentliche Schwimmbad der Stadt seinen Betrieb aufnehmen. Das auf dem Areal des heutigen Volksfestplatzes gelegene Bad sollte knapp vierzig Jahre Bestand haben, erst 1902 wurde es vom neuen Schwimmbad in Lerchenfeld abgelöst.

Dass im 19. Jahrhundert öffentliche Schwimmbäder zu einer wichtigen Bauaufgabe wurden, hatte zunächst nichts mit dem Freizeitbedürfnis der damaligen Menschen zu tun. Der Grund dafür lag vielmehr im 17. und 18. Jahrhundert: Das Zeitalter der Aufklärung hatte einen nachhaltigen Wandel unter anderem auch des Körperbildes bewirkt; Reinlichkeit und Hygiene wurden zu einem zentralen Bestandteil menschlichen Daseins erhoben, die Reinlichkeit des Körpers zum Pendant des vernunftgeleiteten Geistes. Regelmäßiges Baden wurde aber nicht nur aus hygienischen Gründen propagiert, man sah darin zunehmend die Möglichkeit, den Körper zu stärken – die Geburtsstunde des modernen Sportschwimmens. Als dann das Schwimmen – nicht zuletzt unter dem Eindruck von Friedrich Ludwig Jahns bahnbrechendem Werk „Die deutsche Turnkunst“ (1816) – Eingang in die militärische Ausbildung fand, sprossen vielerorts die ersten öffentlichen Schwimmbäder aus dem Boden. Tatsächlich dienten diese Bäder in erster Linie dem Schwimmunterricht der Soldaten, wurden aber zu bestimmten Zeiten auch der Zivilbevölkerung zugänglich gemacht. Eine besondere Förderung wurde jenen „Militärschwimmbädern“ im Königreich Bayern zuteil.

Vor diesem Hintergrund scheint es einigermaßen logisch, dass es im Freisinger Fall eben auch das Militär war, das 1855 erstmals den Bau eines Schwimmbades ins Spiel brachte. Schon diese erste Initiative sah eine Mischnutzung vor: Neben den Neustifter Kürassieren sollten Bürger und explizit auch die verschiedenen Freisinger Schulen Zugang zum Schwimmbad erhalten. Die Initiative überzeugte die entscheidenden Stellen, so besonders den Landrichter und die Regierung von Oberbayern. Nur beim Freisinger Stadtrat löste der Vorschlag kaum Begeisterung aus und das war allzu verständlich: Die Kosten für den Bau hätte alleine die Stadt tragen müssen. So nahm eine jahrelange Diskussion mit beinahe unzähligen Standortuntersuchungen und Badvarianten ihren Anfang – ohne, dass man zu einem greifbaren Ergebnis gekommen wäre.

Dass ein öffentliches Schwimmbad schließlich doch verwirklicht werden konnte, ist dem zunehmenden Druck staatlicher Behörden zu verdanken. 1861 gab es seitens der Regierung von Oberbayern einen unmissverständlichen Auftrag an den Stadtmagistrat, dem dieser nunmehr zögernd nachkam. Ein spürbar gestiegenes Engagement der Stadt lässt sich besonders nach dem 1. Juli 1862 feststellen, als Freising zur kreisfreien Stadt erhoben wurde und damit über deutlich mehr Kompetenzen verfügte. Letztlich ging dann alles relativ schnell: Baubeginn des Bades war 1863, im Jahr darauf war das 101 Meter lange Schwimmbecken fertiggestellt, Ende desselben Jahres die nebenliegende Turnhalle, die überwiegend der noch junge „Turnverein“ (heute „Turn und Sportverein Jahn Freising 1861 e.V.“) nutzte. Bis 1866 war auch der kleine Park, der das Schwimmbad umgab, vollendet. Neun Jahre nach der Initiative des Neustifter Militärs verfügte Freising nun über ein zeitgemäßes Schwimmbad, das sich großer Beliebtheit erfreute. Nur die Kosten waren vollkommen aus dem Ruder gelaufen: Waren zunächst 4.750 Gulden veranschlagt worden, so verzeichnet die Schlussrechnung satte 15.721 Gulden – eine Kostensteigerung um 230 Prozent. Zwanzig Jahre nach Baubeginn, 1883, fertigte Freisings Stadttechniker (ab 1885 Stadtbaumeister) Michael Abele einen Grundriss der „Schwimm- und Turnanstalt“ – ein aus heutiger Sicht glücklicher Umstand, denn der Plan ist das einzige erhaltene Dokument, das uns eine genauere Vorstellung vom Aussehen dieser für die Freisinger Stadtgeschichte bedeutenden Einrichtung geben kann.