Das Asamgebäude

Vergangenheit und Zukunft

01. November 2012

Aus den Akten…
Umbauten, Anbauten, Renovierungen: Die letzten 324 Jahre 

Das Gebäude im späten 17. Jahrhundert
Die Gründung einer Hochschule zur Ausbildung des Priesternachwuchses, wie sie das Tridentinische Konzil für alle Diözesen angeregt hatte, bzw. einer höheren Schule als Vorbereitung für diese Hochschule, war in Freising ein Desiderat, das eine lange Vorgeschichte hatte; Forderungen nach der Einrichtung eines solchen Seminars bzw. Ansätze zu seiner Gründung gehen noch bis in das späte 16. Jahrhundert zurück. Aus unterschiedlichen Gründen kam es jedoch über mehr als einhundert Jahre nicht zur Gründung einer solchen Lehranstalt. Konkrete Gestalt nahm das Projekt erst unter Fürstbischof Joseph Clemens von Bayern (reg. 1685- 1694) an. Wahrscheinlich schon im Winter 1687/88 (oder noch früher) präsentierte der aus dem Graubündner Val Mesocco (Misoxtal) stammende Baumeister und Bauunternehmer Antonio Riva ein Projekt für einen repräsentativen Bau in Form einer Dreiflügelanlage, die an einer der beiden Längsseiten einen Arkadengang mit Balustrade im ersten Obergeschoss sowie eine zentrale Gartenanlage mit vier Rasenparterres und zentralem Springbrunnen aufgewiesen hätte. Das Projekt kam – sicher wegen des hohen Preises – nicht zustande. Stattdessen begann man offenbar im Jahr 1688 mit dem Bau des heutigen Nordflügels. Voraussetzung für die Bauausführung war der Ankauf mehrerer bestehender Häuser. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass wohl alle Räume des Nordtraktes (zumindest in den Obergeschossen) ursprünglich keine verputzten Decken oder gar – wie von Riva projektiert – stuckierte Decken aufwiesen, sondern vertäfelte Holzdecken hatten. Bereits ab 1690/91 muss es bereits einen Seminarbetrieb gegeben haben, wobei nicht klar ist, ob dieser Betrieb ganz oder teilweise im neuen Gebäude oder möglicherweise noch bei den zunächst den Lehrbetrieb betreuenden Franziskanern stattfand. Ab 1695 bis November 1697 wurde offenbar – nun bereits unter Fürstbischof Johann Franz Eckher von Kapfing und Liechteneck (reg. 1696-1727) – am Seminar weitergebaut. Aus dem Jahr 1696 liegt auch bereits das erste Hausinventar vor, in dem zahlreiche Räume aufgezählt werden.
1697 scheint eine baugeschichtliche Zäsur gewesen zu sein, da hier nun von der „Vollendung“ des Seminarbaues die Rede ist, der nun – angelehnt an das Muster der Salzburger Universität – den konföderierten Benediktinerklöstern aus Altbayern und Schwaben zur Betreuung übergeben wurde.

Baugeschichte des Gebäudes bis zu seiner Fertigstellung 1767
Wohl schon 1706 wurde mit der Errichtung des Westflügels begonnen. Eine inschriftliche Datierung in der Deckenbemalung der Aula (heutiger Asamsaal) belegt die Fertigstellung spätestens 1709. Auch ist in diesem Deckengemälde die Nordansicht des Seminargebäudes dargestellt. Bereits kurze Zeit später wurde der Südflügel angefügt. Die Ergebnisse der dendrochronologischen Untersuchung weisen den Hölzern ein Fälldatum im Winter 1707/08 zu. Dass es sich um einen Anbau handelt zeigt das durchgehende Traufgesims des Westflügels, welches nun im Dach des Südtraktes zu sehen ist. Vermutlich konnte mit dem Südtrakt früher als ursprünglich geplant begonnen werden. Sein ungewöhnlicher Grundriss resultiert aus dem Wunsch eines im Hofbereich rechtwinklig anschließenden Flügels und den geografischen Gegebenheiten durch den Flussverlauf der Stadtmoosach.
Um 1714 hat man den Ostflügel gebaut und den Nordflügel verlängert. Damit wurde der Hof im Osten abgeschlossen. Der Osttrakt hat vier Stockwerke, wobei die drei unteren Etagen sich an den Höhen des Nord- und Südflügel orientieren und das vierte, niedrigere Geschoss für eine Symmetrie des Hofes die Traufhöhe des Westflügels mit dem Saal aufnimmt. Er war zunächst um die östliche Raumachse schmaler als heute. Die Dachkonstruktion dieser Bauphase hat sich integriert im heutigen Dach des Ostflügels erhalten.
Die Planungen von Fürstbischof Johann Franz Eckher gingen hinsichtlich des von ihm ins Leben gerufenen Lyzeums noch weiter. Er plante eine große Kongregationskirche im Osten, welche bereits auf allen Darstellungen ab 1723, die das Seminargebäude zeigen, wiedergeben ist. So kam es 1734 auch zum Kauf eines Hauses von Handelsmann Matthias Neumayr mit dem Ziel, an dieser Stelle die Kirche zu errichten. Von diesem Kauf wird in einem Brief vom 20.08.1737 berichtet.
Zur Mitte des 18. Jahrhunderts stieg die Zahl der Studenten immer weiter an. Von ca. 100 im ersten Jahr bis auf 900. Dieser Anstieg an Studenten erforderte neue Räumlichkeiten. Wohl auch aus diesem Grund gab man den Plan zum Bau einer Kongregationskirche auf und erweiterte von 1754 bis 1757 in zwei Bauphasen den Ostflügel. Er wurde um eine Raumachse nach Osten hin verbreitert. Die beiden Bauphasen lassen sich anhand des Stoßes der Konstruktionen des Dachwerkes ablesen. Bis auf die südöstliche Ecke wurde das Gelände nun vom Seminargebäude eingenommen. Ein umlaufender Zugang der einzelnen Flügel war jedoch nicht gegeben, d.h. wer vom Südflügel in den Ostflügel wollte, ging entweder über den Hof oder musste den West- und Nordtrakt durchqueren. Es kam daher zu den Überlegungen, das Grundstück im Bereich der Südostecke zu erwerben. 1764 war der Ankauf von zwei Häusern, dem „Schuhmacherschen Haus“ sowie dem „Dallerischen Haus“ geplant. Der Verkauf lief nicht ohne Streit ab, konnte jedoch bis 1765 abgewickelt werden. Die Bebauung des heutigen Areals des Asamgebäudes war damit abgeschlossen.

Das bischöfliche Lyzeum bis 1803
Die Professoren hatten seit der Einrichtung des Seminariums Wohnpf licht im Haus. So klagt 1774 ein Professor über seine feuchte Wohnung und möchte daher aus dem Schulgebäude ausziehen. Es erfolgte eine Besichtigung, wobei die Visitores befanden, dass der Professor im dritten Stock eine gesunde Wohnung mit drei Fenstern hat und dass es dienlicher sei, die Professoren in dieser alten Logis zu belassen.
1797 betrug die Schülerzahl nur noch 168. Der ständige Geldmangel führte immer wieder zu Bitten um weitere Zuwendungen. So wird in den Ökonomierrechnungen vom Schuljahr 1798/99 angemerkt, dass die Handwerker erst im neuen Jahr bezahlt werden. Nach dem Franzoseneinfall 1796 werden in Freising Truppen stationiert. Das Lyzeum wurde zur Einquartierung der Soldaten und als Lazarett benutzt. In einem Schreiben vom 3. Januar 1798 klagt der damalige Direktor, dass ein pestilenzer Gestank schon im ganzen Lyzeum sei und die Professoren lange Zeit die Schule nicht beziehen könnten. Auch verließen die Professoren, Schüler und Studenten die Stadt aus Angst vor ansteckenden Krankheiten.
Am 1. Juni 1798 erfolgte eine Bitte um eine Visitation, da der Verfall des Schulhauses aufgrund des geringen Bauunterhaltes rasch einherschritt. Auch der Brief vom 29. Juli 1800 von Gabriel M. Schwarz zeugt von der Klage, dass die Studenten wegen der Kriegsgefahr und des mangelnden Unterhaltes weglaufen. So sind denn auch 1802 noch 106 und dann 1803 nur noch 77 Schüler gemeldet. In einem weiteren Brief vom 2. Oktober 1802 bittet Gabriel M. Schwarz den Fürstbischof wiederum um finanzielle Bewilligung von Geldern für Bauunterhalt aufgrund des frühen Verfalls des Schulhauses. Angedacht waren 240 fl. Aus den Archivalien geht jedoch nicht hervor, dass seit 1802 Geldmittel für den Bauunterhalt ausgegeben wurden.
Das königliche Realschulgebäude im 19. Jahrhundert Mit der Mediatisierung des Hochstiftes Freising 1802/03 und den damit einhergehenden Säkularisationsmaßnahmen, im Rahmen derer alle Klöster und kirchlichen Stiftungen aufgelöst wurden, die nicht direkt im Dienste der Armen- und Krankenpflege standen, kam es auch zur Schließung des Freisinger Lyzeums. Die damals umfassend durchgeführte zeichnerische Bestandserfassung der kirchlichen Immobilien betraf auch dieses Gebäude. Der Stadt- und Hof baumeister Thomas Heigl datierte seinen Plan am 5. Oktober 1803. Auf ihm sind die drei Grundrisse mit ihren damaligen Nutzungen gezeichnet. Sie geben das barocke Baugefüge wieder, von dem man aufgrund der archivalischen Nachrichten annehmen kann, dass ab 1767 kaum mehr etwas geändert wurde.
Eine kleine aufgeklebte Tektur im nordöstlichen Bereich bezeugt zeitnahe Umbauten für die Einrichtung der neuen Freisinger Hauptwache. In der Uraufnahme von 1809 wird das Gebäude als Appellationsgericht bezeichnet. 1808 wird hier die Königliche Realschule eingerichtet. Bereits zwei Jahre später, 1810, fertigt Thomas Heigl wiederum einen Plansatz des Gebäudes an. Er zeigt u.a. an der Nordfassade die Anordnung eines eingezäunten Bereiches mit Wachhäuschen für die neue Hauptwache. 1833 wird im Asamgebäude auch die Mädchenoberschule eingerichtet. Im Jahr 1862 erfolgte eine Restauration des Saales. 1878 kam es zu mehreren baulichen Verbesserungen an der königlichen Realschule. Eventuell könnten zu diesem Zeitpunkt die Gewölbe in den Unterrichtsräumen des Westflügels eingebaut worden sein. Ein Plansatz mit den drei Grundrissen von 1884 gibt die Veränderungen, die mit der Nutzung des Gebäudes im 19. Jahrhundert einhergingen, wieder. Eine ganz wesentliche Veränderung stellt die Unterteilung des Saales und dessen Nutzung als Turnsaal dar.

Das Asamgebäude im 20. und 21. Jahrhundert
In einem Brief des Magistrats der königlichen Realschule Freising an die Regierung von Oberbayern vom 15. Mai 1904 wird von Verbesserungen im Realschulgebäude berichtet: Ausführung von Kanalarbeiten, Herstellung einer „Closettanlage“ (es sollen in jedem Stockwerk je drei Aborte mit Wasserspülung eingebaut werden), Ausführung von Maurerarbeiten. Zudem soll eine neue Ausgangstür aus dem Studiersaale im ersten Obergeschoss durch die Herstellung einer Freitreppe in den Hofraum führen. Auch wird erwähnt, dass vom oberen Studiersaal und vom Schlafsaal ein Ausgang in den Hof durch Aufführung einer breiten Treppe aus Beton geschaffen wurde und für die Studiersäle 80 neue, kleine Schränkchen für Hüte und Mäntel gekauft wurden. Im selben Jahr hat man im Südosten des Gebäudes die Einrichtung einer Getreideeinschütt vorgenommen.
Ein Grundriss des zweiten Obergeschosses und ein Längsschnitt von 1906 durch den Saal zeigen die damalige Unterteilung des Saales und die Lage der Zwischendecke. Die unterschiedliche Höhe der Decke könnte im Zusammenhang mit der Höhe der ursprünglichen Empore stehen, bzw. auf zwei verschiedene Bauphasen hinweisen. In einem Brief vom 11. September 1909 wird über den Beginn von Bauarbeiten berichtet: Setzung eines neuen Ofens im chemischen Schülerlaboratorium im ersten Obergeschoss, Übungsraum für den Physikalischen Unterricht für Zimmer 31 eingerichtet, im gleichen Stockwerk Gas- und Warmwasserleitungen verlegt.
Für einen geplanten und nicht ausgeführten Entwurf zur Einrichtung des Heimatmuseums wurde um 1910 eine perspektivische Ansichtszeichnung angefertigt, die die Wirkung der Unterteilung des Saales erlebbar macht. In einem Brief vom 24. Februar 1947 des Stadtrates der Stadt Freising an das Direktorat des Humanistischen Gymnasiums wird um die Freigabe des Turnsaales gebeten, damit hier ein Festsaal für die Stadt Freising eingerichtet werden kann. Darin kommt auch zum Ausdruck, dass es die Ansicht gab, beim Saal handele es sich um den Kirchenraum eines Klosters. Als Ersatz für den Turnsaal wird die Turnhalle des Turnvereins Jahn angeboten. Der neue Festsaal soll dann auch der Schule für Feierlichkeiten zur Verfügung stehen. Im Antwortschreiben vom 26. Februar 1947 von Oberstudiendirektor Poellinger begrüßt dieser das Vorhaben. Zudem hat er die Bitte, dass der neugeschaffene Saal die Bezeichnung „Asamsaal“ erhalte. Im Brief vom 24. Dezember 1947 von Domkapitular Grassl von der Erzbischöflichen Finanzkammer München und Freising wird dem Freisinger Oberbürgermeister Karl Wiebel mitgeteilt, dass aus den Mitteln der Seminarien 10.000,- RM der „Asamsaalstiftung“ zugutekommen. Der Umbau begann 1949 und sah diesen auch für Theaterzwecke und Lichtspiele vor. So erfolgte u.a. der Einbau der Eisenkonstruktion für elf Bühnenzüge, eines Soufleurkastens sowie das Abbinden und Einbringen einer Balkenlage. Die Deckengemälde wurden durch den ansässigen Kunstmaler Nickl restauriert. Bei den Malerarbeiten im Saal wurden die Wände mit Kaseinfarbe in zwei Tönen – Elfenbein und Fres – abgesetzt. Desweiteren kam es zum Einbau einer Niederdampfheizung im Saal, zur Anlage eines Bildwerferraumes im Pultdach des Nordflügels und zum Einbruch von Schaukästen an den Fassaden. Die Anforderungen eines modernen Spielbetriebes im Theater machte einige Jahrzehnte später eine Erneuerung der Bühnentechnik erforderlich. Die Erweiterung des Theaters wird zunächst am 6. April 1976 abgelehnt. Nur der erste Bauabschnitt wird genehmigt. Dieser sah eine grundlegende Neugestaltung des Theaterumfeldes vor. Die Abrechnungsunterlagen dokumentieren die Ausführung folgender Arbeiten im Jahr 1976: Die Stuck- decke des Saales wurde gesichert und befestigt. Schadhafte Stuckteile wurden erneuert. Die farbliche Gestaltung der Decke und der Wände erfolgte nach dokumentarischem Befund. Die Deckenbilder wurden restauriert. Folgende Arbeiten wurden in diesem Zusammenhang vorgenommen: Bühnenhaus erweitert, Empore um drei Sitzreihen verkürzt, waagerechte Untersichtdecke mit Stuckfeldern eingezogen, zwei Säulen nach ursprünglichem Befund eingebaut, Einbau neuer Fenster im Saal, Foyer und im barocken Treppenhaus in Naturton, Renovierung der Fassaden mit Putzgliederung, Vergrößerung des Foyers.
In den Jahren 1999/2000 wurde das vierte Obergeschoss des Ostflügels zu einem Depot für das Heimatmuseum (seit 2007 Stadtmuseum) ausgebaut. Die dabei aufgefundenen Grafitti aus dem 18. und 19. Jahrhundert zeigten die damalige Nutzung als Karzer. Die Grafitti wurden im Zuge der Depotgestaltung restauriert. Zu den jüngsten Baumaßnahmen am Gebäude gehörte der 2001 erfolgte Einbau eines behindertengerechten Aufzuges im Ostflügel und schließlich 2006/07 die Neugestaltung des heutigen Stadtmuseums.
Nach entsprechenden im Auftrag der Stadt Freising erstellten Arbeiten von Dr. Stefan Nadler, München, (erster Abschnitt) und Dipl.-Ing. Eva Fritz, Freising, (zweiter bis vierter Abschnitt). Fotos: Simon Kratzmeier