Begrüßung des neuen Erzbischofs Joseph Ratzinger 1977

Schätze aus dem Stadtarchiv Freising: April 2020

von Matthias Lebegern, 24. März 2020

2006 besuchte Papst Benedikt XVI. seine Heimat Bayern. Im Mittelpunkt seiner Reise standen dabei Orte, die für sein bisheriges Leben und Wirken besondere Bedeutung hatten. Dazu gehörte neben Altötting und seinem Geburtsort Marktl am Inn, Regensburg als Ort seiner universitären Lehre und München als Sitz seines früheren Erzbistums auch die alte Bischofsstadt Freising. Hier hatte Joseph Ratzinger sein Theologiestudium absolviert und seine akademische Laufbahn begonnen. Bei seinem Besuch am 14. September 2006 empfingen die Bürgerinnen und Bürger den Papst, als er auf dem Weg zum Festgottesdienst im Dom durch die Altstadt fuhr. Vielleicht fühlte sich Benedikt XVI. bei dieser Fahrt erinnert an den 24. Juni 1977. Dies war der Tag, an dem Joseph Ratzinger das erste Mal als neuer Erzbischof Freising besuchte. Zuvor hatte er bereits mit dem für die Region zuständigen Weihbischof Heinrich von Soden- Fraunhofen andere Gemeinden im Landkreis, wie etwa Neufahrn, besucht. Am Abend wurde er in der alten Domstadt Freising festlich empfangen. Zur Begrüßungsfeier auf dem Marienplatz kamen rund 6.000 Bürgerinnen und Bürger zusammen. Eine Fotografie aus der Fotosammlung des Stadtarchivs Freising hält dieses Ereignis fest. (vgl. Abb.). Sie zeigt den neuen Erzbischof in Begleitung verschiedener politischer und geistlicher Amtsträger: Oberbürgermeister Adolf Schäfer (links) und Stadtpfarrer Walter Brugger (rechts), in der zweiten Reihe Vizelandrat Gottfried Weiß, Domrektor Michael Höck, und Landrat Ludwig Schrittenloher und in der dritten Reihe der erzbischöfliche Sekretär Erwin Obermeier sowie Weihbischof Heinrich Graf von Soden-Fraunhofen. Gemeinsam schreitet die Gruppen den Marienplatz hinauf, vorbei an dicht gedrängt stehenden Bürgerinnen und Bürgern. Ziel war ein Podest, das vor dem Laubenbräu aufgebaut worden war. Dort hielten Oberbürgermeister Adolf Schäfer und Stadtpfarrer Walter Brugger kurze Begrüßungsansprachen. Musikalisch umrahmt wurde die Feier durch Musiker der städtischen Sing- und Musikschule. Ratzinger selbst ging in einer kurzen Ansprache auf die Bedeutung Freisings als Herz für das Erzbistum ein und würdigte die Stadt als einen Ort, an dem sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft berührten. Die freudige Stimmung, die an jenem Frühsommer-Abend auf dem Marienplatz herrschte, gibt ein Pressebericht der Landkreisausgabe der Süddeutschen Zeitung wieder (27.06.1977, hier ein Auszug): „Beifall brandete auf, als der neue Erzbischof auf den „ungebrochenen Rang der alten Bischofsstadt Freising“ hinwies, die sich heute erneut als „Herz inmitten des Erzbistums“ bestätigt habe. „Freising ist nach wie vor Bischofsstadt, der Dom neben der Liebfrauenkirche in München die Kathedrale der Erzdiözese“. Ratzinger versicherte, er werde alles in seinen Kräften Stehende tun, um die geschichtliche Bedeutung der Bischofsstadt Freising, „dieser Heimstätte des Glaubens und der Kultur“ zu erhalten und zu bewahren. Er erinnerte ferner an die vielen persönlichen Bezugspunkte zu dieser Stadt, in der er als Studierender und Lehrender so viele Jahre zusammen mit seinen Eltern geweilt habe. Er, so versicherte er unter dem Jubel der Zuhörer, fühle sich als Freisinger.“

 

QUELLEN: StadtAFS, Altregistratur nach 1945, Nr. 04700244; ebd., Fotosammlung, Nr. 3996; ebd., Zeitungssammlung, FreisingerSüddeutsche Zeitung, 27.06.1977. LITERATUR: Benker, Sigmund: Papst Benedikt XVI. und Freising. Die Lebenserinnerungen Joseph Kardinal Ratzingers kommentiert von einem Zeitgenossen, in: Götz, Ulrike (Hg.): 39. Sammelblatt des Historischen Vereins Freising, Freising 2006, S. 11- 25. Hamberger, Joachim (Hg.): Papst Benedikt XVI. in Freising, Freising 2007.