Von kommunalen Leistungen und humanitären Herausforderungen

Ein kleiner Streifzug mit OB Eschenbacher durch ein ereignisreiches Jahr 2015

04. Januar 2016

Flüchtlinge – die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) machte elf Buchstaben  zum „Wort des Jahres“ und damit zur  Headline für das Jahr 2015. Gewählt wird alljährlich nicht aus  den am häufigsten verwendeten Ausdrücken, sondern aus Begriffen, die das zu Ende gehende Jahr besonders gut charakterisieren.  „Wenn wir uns im Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis ein frohes, friedliches  Weihnachtsfest gewünscht haben und uns jetzt auf ein glückliches, erfolgreiches neues Jahr freuen, dann hat das 2015/2016 eine ganz besonders tiefe Bedeutung: Auch in Freising haben Flüchtlinge aus den Kriegs- und Krisenregionen Zuflucht gesucht und gefunden dank des Engagements des Landkreises und mit der starken, tatkräftigen Unterstützung ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer“, formulierte es denn auch  OB Tobias Eschenbacher in seiner Grußadresse zum Jahreswechsel nachdenklich. „Erst mit einer gelingenden Integration der Männer, Frauen und Kinder wird aus der reinen Unterbringung, zwangsläufig oft in Notunterkünften, eine wirkliche Aufnahme schutzsuchender Menschen, die sich die Chance auf ein Leben in Sicherheit wünschen. Das ist eine humanitäre  Aufgabe, die uns alle angeht – und manche unserer Alltagsprobleme relativiert.“

Dennoch: Wer sich mit dem OB auf einen kleinen gedanklichen Streifzug durch 2015 und die kommunalpolitischen Ereignisse begibt, erlebt ein Jahr, das bei allen anhaltenden Sorgen um den Bau einer dritten Start- und Landebahn und trotz mancher baustellenbedingter Behinderungen von Ereignissen geprägt war, die nachhaltig in allerbester Erinnerung blieben.

 

Wohltemperiertes Sportvergnügen für die ganze Familie

Freising konnte im Oktober offiziell die „Weihenstephan Arena“ in Betrieb nehmen, seine moderne Breitensportanlage, die witterungsunabhängig Eislaufvergnügen für die ganze Familie garantiert. Auch der Neubau des Hallen- und Freibades Freising am Freibadstandort Lerchenfeld ist mit ersten vorbereitenden Arbeiten angelaufen, mit dem Rohbau werden die Stadtwerke Freising im Frühjahr 2016 beginnen.

„Mit der Einweihung des Isarstegs-Nord besteht seit September eine attraktive Fuß- und Radwegverbindung zwischen Lerchenfeld und der Altstadt/Neustift, die auch von den vielen Erholungssuchenden in den Isarauen längst sehr geschätzt wird“, freut sich der OB mit allen, die den lang gewünschten Brückenschlag über die Isar mit Begeisterung nutzen (unser Bild).

Mit den Spartenarbeiten in der Unteren Altstadt und differenzierten Untersuchungen für den bei der Moosach-Öffnung in der Oberen Hauptstraße erforderlichen  Spundwandverbau wurden weitere wesentliche Vorarbeiten für die Umsetzung der Innenstadtkonzeption geleistet.

 

Baustelle Bahnhofstraße: Hochwasserschutz verbessert

Die Tiefbauarbeiten in der Bahnhofstraße von Anfang Juli bis in den Herbst  hatten einen anderen wichtigen Hintergrund: Für einen verbesserten Hochwasserschutz rund um Fabrik- und Bahnhofstraße wurde das Leistungsvermögen des  Regenwasserkanals in der Fabrikstraße auf einer Länge von gut 100 Metern durch einen größeren Querschnitt enorm verbessert: Der  Durchmesser von vormals 40 Zentimetern beträgt jetzt einen Meter. Über einen neuen Einlauf neben der Brücke an der Bahnhofstraße wird das Regenwasser, kontrolliert durch ein sog. Drosselbauwerk, mit maximal 400 l/s in die Schleifermoosach abgeleitet und belastet folglich nicht länger das Mischwassernetz. Insbesondere aufgrund der zunehmenden Zahl von Starkregenereignissen wird der sanierte Kanal einen wichtigen Beitrag zur Regenwasserentlastung in den angrenzenden Straßen leisten. Und auch mit der Westtangente geht es jetzt zügig voran: Im Mai war Baubeginn, die Brücke über die Schlüterallee ist bereits fertiggestellt. Anfang des Jahres beginnen die vorbereitenden Arbeiten für das Bauwerk über die Bahngleise, im ersten Halbjahr 2016 wird auch der Tunnelanstich im Bereich Vötting erfolgen.

 

SteinPark: Spiel- und Freizeitangebote im Grünzug Ost

Die Notwendigkeit der Umgehungsstraße für eine schlüssige Stadtentwicklung, die dringend benötigten Wohnraum schafft, liegt auf der Hand. Nicht nur die Bebauung des modernen Wohnquartiers im SteinPark entwickelt sich ständig und soll ausdrücklich mit einem Angebot von gefördertem Wohnraum ergänzt werden. Mit der Eröffnung des zugehörigen Grünzuges Ost im Sommer hat Freising eine weitere wertvolle „grüne Lunge“ mit Spiel- und Freizeitangeboten (unser Bild) sowie eine attraktive Wegeverbindung zwischen Altstadt und „Riviera“ am Wieswald gewonnen. Günstigen Wohnraum anzubieten und zu erhalten ist auch Auftrag und Ziel der städtischen Tochtergesellschaft WVG (Wohnungsbau- und -verwaltungs GmbH der Stadt Freising & Co. Immobilien KG): In den Bestand der 670 geförderten Wohnungen hat die WVG seit 2010 knapp 21 Millionen Euro investiert für allgemeine Instandhaltung, Sanierung und Neubau. Für 2016 stehen weitere 6,4 Millionen Euro bereit.

Im Spätherbst haben Stadtrat und Verwaltung den Ideen- und Realisierungswettbewerb für das neue, insgesamt gut acht Hektar große  Stadtquartier zwischen Anger- und Gartenstraße auf den Weg gebracht. Im Realisierungsteil sollen für einen 4,6 Hektar großen Teilbereich bereits konkrete Planlösungen für einen attraktiven Wohnstandort entwickelt werden – vorbereitende Studien haben ergeben, dass dort etwa 360 Wohneinheiten für etwa 850 Einwohner/-innen entstehen können. Im Ideenteil für den angrenzenden, 3,4 Hektar großen Bereich soll das Entwicklungspotential für Wohnen und Einzelhandel dargestellt werden.

 

„Heimat erhalten – Wachstum gestalten“

Die generellen  Kernziele und Rahmendaten der künftigen Freisinger Stadtentwicklung werden im neuen Jahr in einer Informationsbroschüre herausgegeben: Fachbüros, Stadtrat und Verwaltung haben auf Basis umfassender Erhebungen und der Ergebnisse einer  engagierten Bürgerbeteiligung die Stadtentwicklungsplanung (STEP 2030) festgezurrt zu einem Leitfaden für die Entwicklung in den kommenden 20 Jahren. Das Leitbild „Heimat erhalten – Wachstum gestalten“ lebt dabei von der anhaltenden Bereitschaft vieler Vereine und Organisationen, aber auch von Einzelpersonen, aktiv mitzuwirken am Freisinger Leben.

 

Wenn Freising feiert…

Ein großartiges Beispiel für ein engagiertes Miteinander war 2015 das Kulturfestival ZAMMA im Juli, das mit 108 Veranstaltungen und rund 1500 Mitwirkenden an acht Tagen rund 20 000 Besucher/-innen nachhaltig begeistert hat. Gefeiert wurde bei Volksfest und Uferlos, aber auch bei „Cinema & Symphonie“, der eindrucksvollen Kooperation zwischen dem Symphonieorchester der städtischen Musikschule und dem Domberg-Kammerorchester.

Jubiläen wie fünf Jahre MiBiKids im Mai, 25 Jahre Weihenstephaner Theaterworkshop oder gar das 125(!)-jährige Bestehen des Historischen Vereins, verbunden mit der Eröffnung der kurzweiligen, stadt- und kulturgeschichtlich interessanten Sonderausstellung „Freising im Visier – Die bemalten Scheiben der Freisinger Feuerschützengesellschaft“ (zu sehen noch bis  April 2016  im Stadtmuseum, unser Bild),  unterstreichen  das anhaltende,  lebendige Interesse der Bevölkerung, sich in vielfältiger Weise  für ihre Stadt zu engagieren. Die Interessengemeinschaft Bürgerturm hat sich 2015 mit dem „Rad der Zeit“ befasst und unter diesem Motto am Beispiel der Uhrmacher, Optiker und Juweliere einmal mehr anschaulich Stadt- und Wirtschaftsgeschichte nachgezeichnet.

Geschichte ganz neu vermitteln kann das Stadtarchiv, das zum Jahreswechsel seinen neuen Lesesaal vorgestellt und mit  interessanten Veranstaltungen  wie dem spannenden Blick auf „Freising in der Frühzeit der Fotografie“ im Sommer im Alten Gefängnis  überdeutlich gezeigt hat, wie interessant eine Begegnung mit der Vergangenheit sein kann – nicht nur in einem Jahr wie 2015:

„Die eindringliche Freisinger Gedenkveranstaltung am 18. April in Erinnerung an Kriegsende und Befreiung vor 70 Jahren hat auf ihre Weise bereits  im Frühjahr aus dem eigenen Geschichtsverständnis heraus den Boden bereitet, den Menschen, die heute auf der Flucht sind vor Krieg und Terror, mit Toleranz und Respekt zu begegnen“, sagt OB Eschenbacher. „Lassen wir auch im neuen Jahr nicht nach in unserem gemeinsamen Bemühen, Freising lebenswert für alle Generationen und Nationen zu erhalten!“ Flüchtlinge ist nicht nur das Wort des Jahres 2015. Das Schicksal der Flüchtlinge zum Guten zu wenden, bleibt auch in Freising für die Zukunft eine zutiefst menschliche Herausforderung.