Die Innenstadtkonzeption im Detail
23 konkrete Maßnahmen sollen umgesetzt werden

Unter verkehrlichen Gesichtspunkten ist die Innenstadt von Freising aktuell geprägt von einem suboptimalen Miteinander der unterschiedlichen Verkehrsarten, wie die Macher des Innenstadtkonzepts für die Domstadt analysiert haben. Mit verkehrs- rechtlichen Anordnungen, wie Zufahrtsbeschränkungen „Ausgenommen Anlieger“, unechten Einbahnstraßen oder temporären Aussperrungen des Lieferverkehrs – letztere durch versenkbare Poller-Systeme baulich gestützt – wurde in den letzten Jahren der Motorisierte Individualverkehr (MIV) aus der Innenstadt verdrängt.

Eine Verkehrszählung am Rand der Innen- stadt hat eine Entlastung um ca. 5.000 KFZ/ Werktag ergeben. Das entspricht in etwa 25 Prozent. Der Entlastungsgewinn kam über- wiegend der Unteren Altstadt zu Gute. Diese Erhebung ergab auch, dass 40 Prozent der Personen diese Ringlinie zu Fuß queren, 25 Prozent mit dem Rad, ca. 10 Prozent in Bussen und 25 Prozent in Privatautos. Eine derartige Verteilung ist unter dem Aspekt „Optimaler Umweltverbund“ vergleichsweise sehr gut, wie die Analyse der Experten zeigt. Sicher sind viele der Zu-Fuß-Gehenden bis zu einem der Parkplätze am „Altstadtring“ mit dem Auto gefahren – das ist ja auch so gewollt. Sicher sind nicht wenige der Radfahrenden dem Durchgangsverkehr zwischen den Wohnstandorten und dem Bahnhof bzw. den universitären Einrichtungen im Westen der Stadt zuzuordnen und insofern mit Situationen in anderen Städten nicht direkt vergleichbar. Aber solche Verteilungswerte gibt es nur selten. Trotzdem wird die Situ- ation in Freising beklagt und ein Mehr in diese Richtung gefordert. Die Verkehrsab- wicklung auf dem umgebenden Straßennetz, dem Altstadtring, ist nach Ansicht des

Konzeptteams unbefriedigend. Nicht zuletzt deswegen betreibt die Stadt die Planung von entlastenden Umfahrungsstraßen im Westen (FS44) und Osten (B301). Diese Planungen werden nicht von allen gut geheißen; deren Realisierung zieht sich hin. Deshalb gilt es im konkreten Fall – auch unter den gegebenen Umständen die Situation zu verändern.

Ziele und Leitlinien

Zum Thema Verkehr wurden folgende Ziele bzw. Leitlinien einstimmig beschlossen:
● Innerhalb des Altstadtringes soll grundsätzlich nur notwendiger Kraftfahrzeugver- kehr zulässig sein (Anwohner, Taxi, Bus, Behinderte, Rad, Lieferverkehr)

● Entlang des Altstadtringes wird mit einemim Westen fehlenden Parkstandort ein vollständiger Parkring realisiert. (Innerhalb der Altstadt soll es im Straßenraum keine Park- plätze außer für Taxis, Behinderte und La- dezonen geben.)

● Zur besseren Orientierung und zur Verrin- gerung der Fahrleistungen wird ein echter Altstadtring geschaffen (mit Auflösung des Einbahnstraßenpaares Alois-Steinecker- Straße/Haydstraße bzw. Kammergasse)

● Die Erreichbarkeit der Altstadt mit demStadtbus wird durch eine Linienführung durch die Altstadt gesichert und mit einer umsteigfreien Zuwegung von/nach Lerchenfeld verbessert

● Die Isarquerung – insbesondere aber auchdie Bahnquerung – wird für den Fuß- und Radverkehr verbessert.

Auf bauend auf diesen Leitlinien wurden folgende Maßnahmen erarbeitet, die das Thema Verkehr betreffen:
(Insgesamt gibt es 23 Maßnahmen.)

● Neugestaltung der Hauptstraße(Maßnahme Nr. 10, Priorität 1) Arbeitsgruppe zur Klärung der Rahmen- bedingungen; Testentwurf; ggf. Wettbewerbsauslobung und Wettbewerbsbetreuung

● Anbindung Lerchenfeld für Fuß- und Radverkehr
(Maßnahme Nr. 16, Priorität 5)
Fixierung von Leistungen für eine technische Machbarkeitsstudie, Grundstückssicherung, Wirkungen auf Bebauungsplan „Bauhof-Areal“

● Parkraumkonzept Innenstadt(Maßnahme Nr. 4, Priorität 6) Fortschreibung Parkraumbewirtschaftung, dynamisches Parkleitsystem

● Gestaltung der Innenstadteingänge(Maßnahme Nr. 8, Priorität 7)
Planung und Umsetzung der erforderlichen Baumaßnahmen

● Parkierungsanlage West
(Maßnahme Nr. 9, Priorität 10)
Planerische Vorbereitung: Machbarkeit, Entwicklungskonzept, Wirtschaftlichkeits- berechnungen, Grundstücksverhandlungen

● Beschilderung / Wegweisung

(Maßnahme Nr. 5, Priorität 16) Zufahrten und innerhalb der Innenstadt

● Umgestaltung Hofgarten
(Maßnahme Nr. 4, Priorität 17)
mit ober- und ggf. unterirdischen Stellplatz- angeboten, Feinuntersuchung zur Positionierung der verschiedenen Nutzungswünsche

● Projekt Altstadtring
(Maßnahme Nr. 6, Priorität 18) Machbarkeitsstudie zu verkehrlichen Rah- menbedingungen, verkehrstechnischen Er- fordernissen, baulichen Konsequenzen

● Parkierungskonzept Touristenbusse(Maßnahme Nr. 7, Priorität 19) Projektierung Ein- und Ausstiegshaltestelle mit baulichen Ergänzungen (Regenschutz, Infotafeln etc.), Untersuchungen zur möglichen Situierung von Busabstellplätzen

Die nächsten Schritte

Die Bevölkerung wurde im Laufe des nunmehr abgeschlossenen ersten Schrittes vielfältig eingebunden. Auf der abschließenden Bürgerinformation überwogen zustimmende Voten bei weitem; die kritischen werden im Zuge der weiteren Bearbeitung nach Möglichkeit berücksichtigt werden. In jedem der weiteren Konkretisierungsschritte wird die bisher bewährte Informationsstrategie beibehalten. Der FINK wird hierbei seinen Beitrag leisten. Für die Umsetzung aller Maßnahmen ist ein Zeitraum von 4 bis 5 Jahren anzusetzen.

Dieser Artikel erschien im FINK-Magazin vom Juni 2011.
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