Viel bewegt in schwierigen Zeiten
Rück- und Ausblick von Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher

„Ein für das private, gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Leben schwieriges Jahr liegt hinter uns. Geprägt von der Corona-Pandemie, die für ein Auf und Ab der Hoffnungen und Gefühle sorgte; erschüttert von der Hochwasserkatastrophe in unserem Land, die uns glücklicherweise nicht direkt betraf, aber die schlimmen Auswirkungen des Klimawandels vor Augen führte; und ausgezeichnet durch eine Nachbarschaftshilfe und einen vorbildlichen Zusammenhalt – auch und gerade bei uns in Freising.
Nicht nur deshalb müssen wir keinen Haken unter das Jahr 2021 machen: Stadtrat und Verwaltung haben in dieser herausfordernden Zeit ausgesprochen viel bewegt. In Zahlen ausgedrückt: Auf 260 Millionen Euro summierte sich das beschlossene Haushaltsvolumen. Viel Geld haben wir dabei in laufende Großprojekte wie die Innenstadt-Neugestaltung, die Generalsanierung des Asamgebäudes, den Wohnungsbau in Lerchenfeld, die Errichtung der SteinPark-Schulen oder die Vollendung der Westtangente gesteckt.

Zukunftsaufgabe Klimaschutz

Ein ganz anderes Großprojekt, das uns dauerhaft beschäftigen wird, ist der Klimaschutz. Vor zwei Jahren hat der Stadtrat die Freisinger Klima-Offensive verabschiedet. Seither wird konsequent an der Umsetzung des Maßnahmenpakets gearbeitet. Wir wollen mit konkreten lokalen Aktivitäten der Erderwärmung begegnen und müssen außerdem Strategien entwickeln, wie den Auswirkungen des Klimawandels wirksam begegnet werden kann. Letzteres wird jetzt im Klimaanpassungskonzept Freising 2050, kurz KLAPS 50, untersucht. Dieses soll konkrete Handlungsfelder insbesondere bei steigender Hitzebelastung und Starkregenereignissen aufzeigen. Eingebunden werden auch die Erfahrungen der Bürgerschaft: Bei einem Informationsstand im November 2021 wurden erste Erfahrungen eingeholt und rege diskutiert. Schon aktiv sind wir in Sachen Hochwasserschutz. Als eine Maßnahme unseres Integralen Hochwasserschutz- und Rückhaltekonzepts haben wir im November 2021 mit dem Bau von Rückhaltebereichen für Freising-Nord am Thalhauser Graben begonnen.
Weiterhin liegt unser Fokus auf der Senkung von CO2-Emissionen. Der Verkehrssektor spielt hier eine entscheidende Rolle. Daher engagieren wir uns für eine Stärkung des Fuß-, Rad- und Öffentlichen Personennahverkehrs. Neben vielen kleineren Aktivitäten wie den Grünpfeilen für Radfahrende, der Öffnung von Einbahnstraßen in die Gegenrichtung, Ausweisung von Fahrradzonen oder der Einrichtung (und Erneuerung) des Radschutzstreifens in der Kammergasse, steht mit der Sanierung von Hochtrasse und Luitpoldbrücke ein bedeutsames Projekt auf der Agenda. Denn die Strecke gehört zu den Hauptrouten des Radverkehrs in Freising. Im Zuge der Instandsetzung der Brücke für 10,9 Millionen Euro werden die Kappen auf beiden Seiten verbreitert, wodurch ein kombinierter Geh- und Radweg entsteht. Die Vorbereitungen sind bereits angelaufen, die eigentlichen Arbeiten werden 2022 und 2023 durchgeführt. Danach steht Radfahrenden eine weitere sichere Route zwischen Innenstadt und Lerchenfeld zur Verfügung.
Energieeffizient bauen, den Energieverbrauch senken und regenerative Energieträger einsetzen: Auch diesen Anforderungen stellt sich die Stadt bei der Planung und Umsetzung ihrer Vorhaben. Einen Beitrag für eine nachhaltige Energieversorgung leisten wir mit dem Ausbau des Wärmenetzes in der Innenstadt. Im vergangenen Jahr haben wir weitere Teile des Zentrums erschlossen. Dass die Arbeiten im Bereich des Rindermarkts nicht wie geplant 2021 fertiggestellt werden konnten, lag an einem überraschenden Fund: Es tauchten Knochen auf. Geborgen wurden etwa 15 Skelette, bestattet wohl vor 600 Jahren rund um die St. Georgskirche. Der Zeitverlust durch die Grabungen konnte nicht mehr eingeholt werden. Wenn heuer nun die Restarbeiten am Rindermarkt abgeschlossen sind, haben wir in der Altstadt die Weichen für eine umweltfreundliche, sichere und effiziente Wärmeversorgung gestellt.

Stärkung der Innenstadt

Bleiben wir in der Innenstadt, die sich im Bereich der Unteren Hauptstraße bereits im neuen Kleid zeigt. Unsere Aktivitäten für die wirtschaftliche Stärkung unseres Zentrums haben in den barrierefrei gestalteten Abschnitten mehrere Privatleute zu Investitionen angeregt – und dieser Effekt setzt sich in der Oberen Altstadt fort: Mehrere Gebäude wurden im vergangenen Jahr saniert, umgebaut oder modernisiert und sorgen mit ihren kulinarischen Angeboten für eine Belebung. Dieser Einsatz inmitten der Großbaustelle für die Neupflasterung und Öffnung der Stadtmoosach unterstreicht, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Dass außerdem die Geschäftsleute trotz der Belastungen der Bauarbeiten und der Auswirkungen des Virusgeschehens weiterhin in froher Erwartung sind, stimmt mich optimistisch. Ohne ihr Verständnis und ein vorbildliches Miteinander könnten wir eine derartige Maßnahme nicht umsetzen. Freuen wir uns also darauf, wenn die Moosach Ende 2022 sicht- und hörbar in der Oberen Hauptstraße plätschert.
Ein weiterer Anziehungspunkt im Herzen unserer Stadt ist das Asamgebäude. Die Generalsanierung läuft weiterhin auf Hochtouren. Im ersten und zweiten Stockwerk sind die Wände verputzt und die nach historischem Vorbild gefertigten Eichenfenster eingebaut. Der künftige Rundweg des Stadtmuseums um den Innenhof kann bereits durchwandert werden. Im Theatersaal steht aktuell die Bühnentechnik im Mittelpunkt sowie die historische Decke: Über einem raumfüllenden Gerüst wurde ein provisorischer Boden eingezogen, damit Kirchenmaler und Stuckateure die Restaurierungs- und Konservierungsarbeiten durchführen können. So nah wie jetzt werden wir den großartigen Gemälden von Hans Georg Asam und dem Stuck von Nikolaus Liechtenfurtner wohl in den nächsten 100 Jahren nicht mehr kommen. Betoniert wurde vor Kurzem auf dem südlichen Platz der Aufzugsturm, der als aufklappbare Bühne für Freiluftveranstaltungen eingesetzt werden kann. Auch wenn noch einiges zu tun ist, nimmt unser Kultur- und Bürgerzentrum immer konkretere Formen an. Die Eröffnung wird im Jahr des großen Bistumsjubiläums 2024 sicherlich einen Höhepunkt markieren.

Innovativ für bezahlbare Wohnungen

Unverändert hoch ist die Nachfrage an Wohnraum in Freising. Daher setzen wir als Stadt alle Hebel in Bewegung, um in eigener Verantwortung und mithilfe planerischer Instrumente den angespannten Wohnungsmarkt zu entlasten. Bereits 2022 können wir mit dem Bewerbungsverfahren für die 115 Mehrgenerationen-Wohnungen an der Katharina-Mair-Straße starten. Neue Wege gehen wir bei der Vergabe des letzten freien Grundstücks im SteinPark-Areal: Auf dem rund 8660 Quadratmeter großen Gelände wollen wir genossenschaftliches Wohnen ermöglichen. Nicht der angebotene Höchstpreis ist ausschlaggebend, sondern das beste Konzept. Also: Tun Sie sich zusammen und entwickeln Sie ein Exposé für eine Bewerbung. Voraussichtlich im Frühjahr 2022 werden die Grundstücke ausgeschrieben.
In Vorbereitung ist der Bau einer Wohnanlage an der Johann-Braun-Straße, der die vorhandenen Gebäude ersetzen und Platz für 20 Wohnungen zusätzlich schaffen wird. Demnächst fällt auch der Startschuss für einen Realisierungswettbewerb an der Oberen Pfalzgrafstraße: Dort soll ein Modellprojekt für eine klimaneutrale und familiengerechte Siedlung entstehen. Und schließlich beschäftigen wir uns mit den Plänen eines Privatinvestors, der eine landwirtschaftlich genutzte Fläche zwischen Hermann- und Hochackerstraße als Wohngebiet entwickeln möchte. Bei diesem Vorhaben könnte erstmals das vom Stadtrat beschlossene „Kooperative Baulandmodell“ zur Anwendung kommen: Es verpflichtet unter anderem dazu, 30 Prozent für geförderten Wohnungsbau vorzusehen. Der Entwurf für die Bebauung wird von der Anwohnerschaft noch kritisch gesehen. Daher werden wir vor dem formellen Bebauungsplanverfahren eine eigene Informationsveranstaltung anbieten.

 

Für die Zukunft unserer Kinder

Kräftig investiert haben wir 2021 wieder in den Neubau und die Modernisierung unserer Schullandschaft. Auf der Baustelle für die SteinPark-Schulen, mit 71 Millionen Euro Freisings größtes Hochbauprojekt, geht es sichtlich voran. Läuft es weiter so gut, dann können wir die Grund- und Mittelschule sowie die großzügige Dreifachturnhalle pünktlich im Herbst 2022 eröffnen. Am anderen Ende der Stadt läuft unterdessen die Erweiterung der Grundschule St. Lantbert (4,3 Millionen Euro): Seit März 2021 werden in einem Holzanbau vier Ganztags- und Klassenräume, Küche, Speisezimmer und Verwaltungsräume geschaffen. Zum Schuljahresbeginn 2022 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Noch ein kurzer Ausblick: Wenn die SteinPark-Schulen bezogen sind, werden in die frei gewordenen Räume der Grundschule Neustift die Vöttinger Kinder vorübergehend einziehen. Ab Herbst 2022 soll nämlich das Schulhaus in Vötting saniert und erweitert werden und eine neue Zweifachturnhalle erhalten. Wir kalkulieren für dieses Projekt mit 40 Millionen Euro.
Aktiv sind wir ebenfalls in Sachen Kinderbetreuung und zeitgemäßer Förderung unserer Jüngsten: Im September 2021 konnte der Erweiterungsbau des Kindergartens Sonnenschein (2,3 Millionen Euro) bezogen werden. Eine zusätzliche Gruppe hat jetzt Platz, und dank einer modernen Küche haben wir zudem die Voraussetzungen für eine Ganztagesbetreuung für alle Gruppen geschaffen. Seit März 2021 entsteht in Lerchenfeld an der Moosstraße eine neue Tagesstätte mit drei Kindergarten- und drei Krippengruppen (5,3 Millionen Euro), die im Herbst 2022 in Betrieb gehen soll. Und schließlich laufen noch Bauarbeiten für eine Kita im neuen Wohnquartier an der Angerstraße. Die Einrichtung für 126 Kinder soll voraussichtlich Mitte 2023, also etwa zeitgleich mit dem Bezug der Wohnungen, fertiggestellt werden.

 

Eröffnung der Westtangente

Ein Meilenstein für die Verkehrsinfrastruktur unserer Stadt ist die Eröffnung der Westtangente Freising. Nach gut fünf Jahren Bauzeit und Jahrzehnten der Planung können wir die Trasse am 10. Januar 2022 in Betrieb nehmen. Etwa 139 Millionen Euro wurden in die Umfahrung und damit in die Entlastung unserer Innenstadt vom Durchgangsverkehr gesteckt. Der Freistaat übernimmt 70 Prozent der förderfähigen Kosten, die restlichen Ausgaben teilen sich Stadt und Landkreis in einem vertraglich vereinbarten Verhältnis. Die Pandemie erlaubt uns leider keinen Tag der offenen Tür. Daher werden wir Ihnen die 3,5 Kilometer lange Tangente mit dem 705 Meter langen Tunnel unter Vötting auf den Online-Kanälen der Stadt präsentieren.

 

Kultur erleben

Live konnten wir das Publikum beim Freisinger Sommer Wunder im Juli 2021 begeistern. Zum zweiten Mal präsentierten Kulturamt, Stadtjugendpflege und Musikschule mit dem Team der Uferlos Kultur- und Veranstaltungs GmbH das wunderbare Freiluft-Festival im Amtsgerichtsgarten und Biergarten des Lindenkellers. Selbst die unbeständige Witterung konnte das Vergnügen der Gäste und der Künstlerinnen und Künstler nicht trüben. Ein kleiner Ausgleich nach Monaten des Lockdown für Theater, Konzerte und Kabarett oder Ausstellungen. Im Herbst 2021 lief das Programm im Lindenkeller-Unterhaus und in der Luitpoldhalle zwar wieder an, Pandemie-bedingt mussten aber viele Veranstaltungen abgesagt werden. Für 2022 haben wir alles vorbereitet, um Kulturbegeisterte mit Inspirierendem, Unterhaltsamen und Schönem zu versorgen – natürlich unter Einhaltung der gesetzlichen Regelungen.

 

Zuversichtlicher Blick nach vorn

Viele Termine, an denen die Freisinger Stadtfamilie zusammenkommt, haben 2021 abermals nicht stattfinden können: Volksfest, Altstadtfest oder Tag des Bieres, um die größten städtischen Veranstaltungen im Jahreslauf zu nennen. Ob wir diese schönen Gelegenheiten zur persönlichen Begegnung 2022 wieder genießen können, ist zum jetzigen Zeitpunkt offen. Leider sind die Prognosen nicht so positiv, wie wir uns das alle erhoffen. Lassen Sie uns deshalb besonders aufeinander achten und Rücksicht nehmen – auch aus Respekt vor den herausragenden Leistungen insbesondere in den Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen, ebenso in Schulen und Kindertagesstätten, bei Polizei und Rettungsdiensten.

Stadtrat und Verwaltung werden auch im neuen Jahr alles tun, um Ihnen einen bestmöglichen Service zu bieten und Freising zukunftsfähig weiterzuentwickeln. Das beweist nicht zuletzt der einstimmig beschlossene Haushalt 2022 mit einem Volumen von 256 Millionen Euro.

Ich wünsche uns allen, dass wir die Zuversicht behalten. Und das wichtigste in diesen Zeiten: Bleiben Sie gesund!“

(Quelle Foto/Text: Stadt Freising)

Dieser Artikel erschien im FINK-Magazin vom Januar 2022.
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