Tekalomba-Land für alle

Rosi Strassers erstes Kinderbuch

30. April 2017

Ein kleines Indianermädchen im pinkfarbenen Kleidchen, pinken Schuhen an den Füßen und einer lustigen pinken Raupe auf dem Knie liegt auf dem Rücken eines zerrupften Esels und schaut verträumt in die Wolken. Darüber stehen in verspielten gelben und hellblauen Buchstaben: „Tekalomba und der pinke Skalp“. Das quirlige Indianermädchen ist eigentlich gar nicht mehr so jung. Es schlummert schon viele Jahre in der Schublade der Freisingerin Rosi Strasser. Jetzt endlich hat die 49-Jährige sie rausgelassen: Rosi Strassers erstes Kinderbuch ist erschienen. Das, was die Mutter von mittlerweile zwei erwachsenen Kindern einst eigentlich nur für sich aus Spaß am Schreiben zu Papier gebracht hat, hat mit lautem Indianergeheul die Herzen der kleinen und großen Leser im Sturm erobert. Kein Wunder: Die Abenteuer der kleinen Tekalomba sind wunderbar – zum Vorlesen oder selbst Schmökern. Aber wieso hat sie gerade erst die Pforten zum Tekalombaland geöffnet? „Die Zeit war jetzt reif dafür – so hat es sich angefühlt“, sagt die Autorin.

In ihren Geschichten steckt ganz viel von ihrer eigenen Kindheit, einiges von der Kindheit ihrer Kinder, aber vor allem steckt darin ganz viel Fantasie. Rosi Strasser ist in Brunnhofen bei Marzling aufgewachsen, einem Dorf, mit damals nur 17 Einwohnern. „Meine Kindheit dort hab ich fast ausschließlich mit Buben verbracht“, erinnert sie sich.  Und so hat auch das Indiandermädchen in der Geschichte „Tekalomba und der pinke Skalp“ mehr Mut als alle Gleichaltrigen, stellt sich ohne lange nachzudenken gegen die Schmalspurindianer – und wird dafür belohnt. Am Ende ist sie die erste in ihrem Stamm, die einen Skalp ihr Eigen nennt. Rosi Strasser konnte als kleines Mädchen problemlos mit den Jungs mithalten. Tekalomba tut es ihr gleich.

Dass sie so viele Jahre bis zur Veröffentlichung der ersten Tekalomba-Geschichte gewartet hat, hat mit Angst zu tun. „Angst davor, dass ich den Spaß daran verliere, sobald ein Fremder meine Geschichten ,zensiert’“. Denn sie habe sie ja zunächst nur für sich geschrieben, ihrer Fantasie einfach freien Lauf gelassen, ohne zu hinterfragen, ob ihre Sprache auch kindgerecht, alles logisch und für alle nachvollziehbar sei. Diesen Job hat jetzt ein Lektor für sie übernommen. „Zensiert wurde nichts, verändert wenig, die Sprache war nicht immer, aber doch weitestgehend kindertauglich“, erzählt sie mit einem augenzwinkern. Und die Freude am Schreiben hat sie dadurch nicht verloren nach dieser Erfahrung mit dem Rotstift.  Im Gegenteil. Rosi Strassers Autorenehrgeiz wurde geweckt, das zweite Buch ist fertig und steht bereits in den Startlöchern. Bei allem, was sie schreibt, ist ihr Mann Thomas immer von Beginn an mit eingebunden. Jede Idee für eine neue Geschichte, die ihr durch den Kopf schießt, erzählt sie ihm sofort. „Manchmal schüttelt er nur den Kopf. Wenn etwa zu große Gedankensprünge die Kinder überfordern würden.“ Dann wird nachgebessert.

Kinderbücher schreibt sie, „weil das die schönste Zeit in meinem Leben war“, wie sie erzählt. Als ihr Sohn vor 28 Jahren und ihre Tochter drei Jahre später zur Welt gekommen sind, war sie selbst noch sehr jung. Kindererziehung habe sie sich viel ernsthafter vorgestellt, als es am Ende war. „Die Zeit war so lustig, so unbeschwert.“ Als die beiden dann aus dem Haus waren, hat sie sich mit dem Schreiben von Kinderbüchern dieses Gefühl kurzerhand zurückgeholt.

Und wie es sich für ein gescheites Kinderbuch gehört, steckt auch eine Botschaft hinter den spannenden, lustigen Abenteuern des Indianermädchens: Freundschaft und Zusammenhalt im Leben sind das Wichtigste überhaupt. Rosi Strassers Wunsch: „Ich würde mir ein bisschen Tekalomba-Land für alle Kinder wünschen.“ Unbeschwert, mit viel Natur und ohne Handy und dem ganzen technischen Firlefanz.