Sie wächst und wächst und wächst

Freising: Große Kreisstadt wird immer größer

von Andreas Beschorner, 30. September 2015

Der Landkreis ist Boom-Region. Und mittendrin: die Große Kreisstadt Freising. Auch sie wächst unaufhörlich. Der Siedlungsdruck nimmt zu. Und deshalb wird an jeder Ecke des Stadtgebiets gebaut.

48015 Freisinger gibt es. Das ist der zum 1. Juli 2015 gemeldete Stand aller im Einwohnermeldeamt registrierten Bürger mit Erst- oder Zweitwohnsitz in der Domstadt. Damit ist die Stadt Freising gegenüber dem Vorjahr um 512 Bürger gewachsen. Und offenbar wächst Freising immer schneller: Denn zwischen dem 1. Juli 2013 und dem 1. Juli 2014 waren „nur“ 271 Neu-Bürger hinzugekommen.
Rein statistisch gesehen, war die Kreisstadt Freising schon einmal bevölkerungsreicher. Aber eben nur rein statistisch. Grund: Bevor für das Jahr 2005 die veränderte Zweitwohnungsregelung griff, waren in Freising am 1. Juli 2005 insgesamt 48.206 Personen gemeldet. Doch dann wurde die Statistik sozusagen bereinigt, als 4.396 Personen bei der „Nachprüfung“ Freising nicht mehr als Zweitwohnsitz angaben (und das waren immerhin fast 78 Prozent aller Menschen mit hier gemeldetem Nebenwohnsitz). Fazit: Freising wächst.
Wo Freising wächst (und wo es angesichts einer geplanten dritten Start- und Landebahn im Erdinger Moos noch wachsen kann), sieht man derzeit schnell an den größeren Bauprojekten: Von den 512 neuen Einwohnern sind nur 58 in die Innenstadt gezogen: Dort ist Wohnraum knapp, Nachverdichtung mit Wohnungen ist eher selten weil schwierig. Immerhin leben ja auch bereits 11.560 Menschen in der Freisinger Innenstadt.
Rasanter wächst der Freisinger Norden und Osten. Beispiel Neustift: 250 Neu-Bürger zählte man zwischen 2014 und 2015, so dass sich jetzt 6.252 Menschen Neustifter nennen dürfen. Besonders stark wird der Einwohnerzuwachs im nördlichen Stadtgebiet sein: Die Bauten am Mainburger Berg stehen kurz vor ihrer Fertigstellung, im SteinPark wird weiter fleißig gebaut. Und auch Lerchenfeld, mit derzeit 12.434 Einwohner der größte Stadtteil Freisings, boomt: 161 Bürger sind seit Juli 2014 neu hinzugekommen. Und deshalb wird auch in Lerchenfeld fleißig gebaut – derzeit besonders an der Katharina-Mair-Straße.
Eher moderat ist das Wachstum in anderen Stadt- und Ortsteilen. Beispiel Pulling: Dort sind 37 neue Bewohner hinzugekommen, Pulling zählt derzeit 1.530 Einwohner. Rein prozentual gesehen ist Dürneck der absolute Spitzenreiter beim Wachstum: Zwischen den Stichtagen 2014 und 2015 stieg die Bevölkerungszahl um zehn Personen auf jetzt 56 – ein Plus von fast 20 Prozent.

8.262 Ausländer leben derzeit in Freising – das sind 1.579 mehr als noch vor zehn Jahren. Die am stärksten vertretene Gruppe sind die Türken, von denen 1.805 in der Domstadt leben (im Vorjahr waren es noch 1.777). Den zweiten Platz nehmen die Kroaten ein (617), Platz drei geht an die Polen (594). Und damit sind die 589 italienischen Freisinger von Platz zwei auf Platz vier zurückgefallen – liegen aber immer noch vor den Rumänen, Ungarn und Österreichern.

Übrigens: Die 19.640 Freisinger Herren mit deutschem Pass treffen auf 20.113 Freisingerinnen. Und Freising ist und bleibt besonders jung: 2.004 Kinder im Alter unter fünf Jahren gibt es, aber „nur“ 1.050 Menschen, die 85 Jahre und älter sind.

Dass Freising eine junge Kommune ist (8.199 Bewohner waren am 1. Juli 2015 unter 18 Jahre), hat auch noch andere Auswirkungen: Die Kommune muss große Anstrengungen unternehmen, um die Kinderbetreuung zu gewährleisten, so dass beinahe ein Kinderhaus nach dem anderen aus dem Boden schießt. Vor allem bei Hortplätzen hat man derzeit Nachholbedarf. Und auch die Schulen platzen teilweise aus allen Nähten, weshalb auch auf diesem Sektor Stadt und Landkreis Freising große Anstrengungen unternehmen, um mit der Entwicklung Schritt zu halten: Bekanntlich wird in den Guten Ängern eine neue Realschule gebaut, die Berufsschule wird neu errichtet, Erweiterungen und Anbauten sind fast schon an der Tagesordnung.

Es gibt keine Gemeinde im Landkreis Freising, die nicht von einem „moderaten Wachstum“ spricht, das man anstrebt. Auch die Stadt Freising will (und muss) wachsen. Man will das aber steuern. Dass das ein Spagat ist zwischen Wohnraumknappheit, die die Preise in die Höhe treibt, und zu starkem Zuzug, den die Kommune kaum mehr verkraften könnte, ist nachzuvollziehen. Vor allem: Wenn Freising in dieser Geschwindigkeit weiter wächst, dann hat man bei den Erstwohnsitzen (derzeit 46.761) wohl in sechs Jahren die 50.000er-Grenze überschritten. Was das bedeutet, hat Michael Eberwein, der Leiter des Freisinger Bürgerbüros, dem FINK in einem Interview erklärt.

Und wie reagieren Stadtverwaltung und Stadtpolitik auf diese Entwicklung, auf diese Herausforderungen? Die Antwort: STEP Freising 2030. Das steht für Stadtentwicklungsplan und ist ein groß angelegtes Projekt, wie Freising in 15 und mehr Jahren aussehen soll. Und das ist notwendig, denn die Herausforderungen der nächsten Jahre sind enorm: angespannter Wohnungsmarkt, zunehmender Verkehr, Flughafenentwicklung, und und und. Mit STEP 2030 wird die Stadt Freising aktiv und gestaltet ihre Zukunft selbst: „Agieren statt reagieren!“ heißt die Devise. Kurz: STEP 2030 legt Ziele für die nächsten 20 Jahre fest und ist roter Faden für die Stadtpolitik. Zukunftsträchtige Projekte werden benannt. Dazu wurden zunächst diverse Themenbereiche umfassend analysiert. Vom Stadtbild über Wohnen bis zum Verkehr – zahlreiche Daten wurden gesammelt. Zu den Stadtbereichen und Ortsteilen wurden Steckbriefe erstellt, um kleinräumige Herausforderungen aufzuzeigen.

Dabei haben sich viele lokale Akteure an der Diskussion zu den Zielen der Stadtentwicklung beteiligt. Fragen: Wie stark und wo soll Freising wachsen? Welche Wohnformen sollen gefördert werden? Welche Teile der Landschaft sollen unter Schutz gestellt werden? Am Ende stand ein Aktionsplan. In dem wurden 29 Projekte zur Umsetzung der Entwicklungsziele für die nächsten Jahre festgelegt. Projekte mit der höchsten Priorität sind die Sicherung der grünen Hänge (zum Beispiel des Weihenstephaner Südhangs) und ein Handlungskonzept für preisgünstigen Wohnraum. Im Juni 2014 hat der Stadtrat den Stadtentwicklungsplan beschlossen. Als Ergebnisse der zweijährigen Arbeit soll nun im Herbst eine Bürgerbroschüre erscheinen. Dann wird auch schrittweise mit der Umsetzung der einzelnen Zukunftsprojekte begonnen.