Neuer Verein stärkt Freisings Städtepartnerschaften
Städtepartnerschaften sind ein Kapital, das die Zinsen Freundschaft und Verständigung trägt

„Städtepartnerschaften sind ein Kapital, das die Zinsen Freundschaft und Verständigung trägt”: Es ist ein kleiner Satz mit großer Bedeutung, der bundesweit immer wieder zitiert wird.
Mit einem eigenen „Verein für Städtepartnerschaften und Städtefreundschaften e.V.“ soll der Zinsertrag auch in Freising nachhaltig gesteigert werden. Der junge Partnerschaftsverein will die bestehenden Beziehungen zu Obervellach, Maria Wörth und Waidhofen (alle Österreich), Innichen (Südtirol), Škofja Loka (Slowenien) und Arpajon (Frankreich) durch ehrenamtliches Engagement mitten aus der Bevölkerung begleiten und stärken.

Die öffentliche Gründungsversammlung wählte Dieter Thalhammer, in seiner 18-jährigen Amtszeit als Oberbürgermeister engagierter Motor der lebendigen Beziehungen zu Freisings sechs offiziellen Partnerstädten und zahlreichen weiteren, historisch mit Freising verbundenen Gemeinden, zum Vorsitzenden. Stellvertreter sind Kulturreferent Dr. Hubert Hierl und Walter Schwind. Kassier ist Wolfgang Wengert, Schriftführerin Monika Zauner. Zu Beisitzern wurden Paul Daimer, Erwin Jobst, Florian Notter, Helmut Weinzierl, Birgit Mooser-Niefanger, Rudi Baumgartner und Emma Hiedl gewählt, Kassenprüfer sind Renate Schebler und Ullrich Kachel.

Innerhalb der Stadtverwaltung koordiniert das Hauptamt die internationalen Beziehungen der Stadt Freising. In laufender Abstimmung mit der Stadtspitze, fortan also mit Tobias Eschenbacher, und dem Stadtrat betreut Verwaltungsrat Rupert Widmann Projekte der wirtschaftlichen, kulturellen und verwaltungstechnischen Zusammenarbeit. Eine der jüngsten Entwicklungen ist die Organisation eines kulturellen Partnerschaftsabends im Anschluss an die jährliche Lichterprozession und die ökumenische Vesper vor dem großen Korbiniansfest im November.

„Europatag“ erinnert an die Anfänge

Städtepartnerschaften haben gerade im 21. Jahrhundert hohe Aktualität, große Chancen und wichtige Aufgaben: Der Europatag erinnert jährlich an den 09. Mai 1950; damals stellte der französische Außenminister Robert Schumann seinen Plan für eine europäischen Gemeinschaft der Kohle- und Stahlindustrie vor – die Geburtsstunde der Europäischen Union. Freisings europäische Beziehungen sind über 1000 Jahre alt. Schon im frühen Mittelalter begann die traditionsreiche Bischofsstadt an der Isar, ihre Fühler in den südöstlichen Raum Mitteleuropas auszustrecken. Die Missionierung und Kultivierung des östlichen Alpenraums zog die Gründung von Stützpunkten, zahlreiche Schenkungen und sonstigen Grunderwerb nach sich. Schließlich reichte das Netz der Freisinger Besitzungen in seiner Ausdehnung bis ins östlich von Wien gelegene Großenzersdorf und hinunter ins slowenische Bischoflack.

Zukunftsträchtige Konstellation

In den meisten Fällen wurden die Verbindungen zu Freising im Zuge der Säkularisation 1802 gekappt, als der Freisinger Bischof seiner weltlichen Machtbefugnisse entkleidet wurde. Als äußere Erinnerung an die Freisinger Vergangenheit verblieb allerdings teilweise der Mohr, das Herrschaftszeichen der Freisinger Fürstbischöfe, in den Wappen der betreffenden Orte. In den Jahrzehnten nach dem 2. Weltkrieg wurde begonnen, das alte Kontaktnetz neu zu knüpfen. Aus den ehemaligen Herrschaftsbeziehungen wurden nun freilich Partnerschaften und Freundschaften.
Inzwischen sind die österreichischen Orte Obervellach, Maria Wörth und Waidhofen, das in Italien (Südtirol) gelegene Innichen sowie Bischoflack, das heutige Škofja Loka in Slowenien mit Freising wieder eng verbunden.
Gerade mit Blick auf das neue, nach Osten erweiterte Europa stellen die auf historischer Grundlage erwachsenen vielfältigen Freisinger Kontakte zum Brückenraum Österreich-Norditalien-Slowenien eine sehr interessante und zukunftsträchtige Konstellation dar.
Einen besonderen Fall als Partnerstadt Freisings bildet das französische Arpajon. Aber auch hier spielen Freisinger Geschichte und Tradition eine ausschlaggebende Rolle bei der Begründung der Beziehungen: Arpajon gilt als der Geburtsort des hl. Korbinian, des Freisinger Stadt- und Bistumspatrons.

Lebendige Beziehungen überwinden Grenzen

Mit dem „Verein für Städtepartnerschaften und Städtefreundschaften in Freising“ wurde ein weiteres wichtiges Element für den Ausbau der Beziehungen zu Freisings Städtepartnern gelegt. Der Partnerschaftsverein will insbesondere die Kontakte zwischen den Bürgerinnen und Bürgern stärken, u.a. durch generationenübergreifende Austauschprogramme, durch Hilfen bei der Planung und Durchführung von Veranstaltungen und generell durch eine Förderung des Gedankens der Toleranz und Völkerverständigung. „Gerade jetzt, in den Zeiten fortschreitender Globalisierung, haben unsere Städtepartnerschaften nichts von ihrer Bedeutung verloren“, sagt Vorsitzender Dieter Thalhammer. „Im Gegenteil: Hier, auf kommunaler, lokaler Ebene, bietet sich Gelegenheit für Begegnung und Austausch. Freundschaft hat ihre Wurzeln in gegenseitigem Vertrauen, in Achtung und Respekt vor dem anderen – und in der wertvollen Erfahrung, dass das Miteinander über Grenzen hinweg grenzenlos viel Freude schenken kann!“
Kontakt: info@partnerschaftsverein-freising.de; eine eigene Homepage ist derzeit in Vorbereitung: www.partnerschaftsverein-freising.de

Dieser Artikel erschien im FINK-Magazin vom Mai 2012.
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