Kalligraphie für Jahrzehnte

Schriftkunst auf dem Domberg

24. November 2014

Kalligraphie, das griechische Fremdwort lässt sich erklären als Schöne Schrift. (Kalos/schön und graphein/schreiben)
Diese schöne Tätigkeit des Schreibens wird gepflegt auf dem Domberg und hat dort auch ihren Ursprung.
Der große Geschichtsschreiber Bischof Otto ist auf dem Domberg beheimatet, und es war sein Schreiber Rahewin, der uns mit seinen Schriften von Hand diese geschichtlichen Aufzeichnungen hinterließ. Das Freisinger Skriptorium lässt sich aber noch viel weiter zurück verfolgen, bis in das 8. Jahrhundert.
Es ist dennoch verwunderlich, dass sich so viele Menschen auch heute wieder für diesen kunstvollen Umgang mit Schrift interessieren. Gibt es doch die Möglichkeit sich ganz ohne Stift und Papier mit anderen Menschen zu verständigen. Aber es hat letztlich einen ganz anderen Ausdruck, wenn man einen persönlichen-handgeschriebenen Brief verfassen und mit einem schwungvoll gestalteten Gruß beenden kann, nicht ein schlicht langweiliges M.f.G. darunter setzt.
So lässt sich auch das Interesse der Leute verstehen, die aus ganz Bayern kommen, um Kalligraphiekurse auf dem Domberg zu besuchen.
Ein regelmäßiger Erfahrungsaustausch, der unter der Bezeichnung „Kalligraphie im Gartenhaus“ existiert, wird im März des kommenden Jahres sein 100. Treffen feiern. Die Mitglieder dieses Kreises haben nun zwei große Projekte gestartet:
Das eine Projekt ist bereits abgeschlossen: Der Kalligraphie-Kalender für das Jahr 2015. Er liegt am Empfang des Kardinal-Döpfner-Hauses auf und kann dort für 16 Euro auch gekauft werden. Zu erwerben ist er ebenso beim „Advent auf dem Domberg“, beim Christkindlmarkt am Marienplatz wie auch bei der Buchhandlung Pustet.
Das zweite Projekt ist unvergleichlich größer dimensioniert. Es ist geplant, das Fundament des Christentums, die Bibel, nochmals von Hand zu schreiben. Etwa ein Dutzend Kalligraphen sind seit einiger Zeit ehrenamtlich dabei, die Worte der Heiligen Schrift mit ihrer ganz persönlichen Gestaltung auf Papier zu bringen. Dieses gewaltige Unterfangen wurde mit den Psalmen begonnen. Bis die ganze Bibel, vermutlich in mehreren Bänden, vorliegt wird es Jahre, vielleicht auch Jahrzehnte dauern. Die Teilnehmer stört dieser Gedanke nicht. Sie argumentieren, dass die Menschen, die in der Zeit der Gotik die gewaltigen Kathedralen bauten, sich bewusst waren, dass sie die Vollendung der Kirche wohl nicht mehr erleben werden. Aber ihnen war es wichtig mitgewirkt zu haben. So äußerte sich auch eine ältere Teilnehmerin dieses Projekts: „Wenn ich einmal nicht mehr bin, so gibt es doch etwas von mir, das Bestand hat.“
Übrigens: Wer sich einen Überblick verschaffen möchte, wie vielfältig Kalligraphie ist, kann jederzeit einen Blick auf die ständige Ausstellung im Erdgeschoss des Kardinal-Döpfner-Hauses werfen oder an einem der Kurse teilnehmen.