In der Waldkirche für die Waldkirche

Dieter Fischer liest die "Heilige Nacht"

von Andreas Beschorner, 26. Oktober 2018

Es werden Stunden voll schöner Stimmung, es wird eine besinnliche Atmosphäre herrschen, es wird ein wunderbares Erlebnis werden. Drei Garanten sind es, die für ein ganz besonderes Kulturereignis kurz vor Weihnachten sorgen werden: Schauspieler Dieter Fischer, Ludwig Thomas „Heilige Nacht“ und der Ort der Veranstaltung, die das Stadtmagazin FINK präsentiert: das Waldkirchlein Oberberghausen.

Am dritten und vierten Advent, also am 16. und 23. Dezember, liest der bekannte Schauspieler Dieter Fischer die berühmte „Heilige Nacht“ von Ludwig Thoma in Oberberghausen. Auf Vermittlung von Stephan Leitmeier darf der FINK dieses besondere Ereignis in der Adventszeit präsentieren. Jeweils um 16 und 19 Uhr wird der in Freising geborene Fischer sein Publikum mit wohl dem bekanntesten Weihnachtswerk aus Bayern auf das Fest einstimmen: mit dem 1917 veröffentlichten Versepos des bayerischen Schriftstellers Ludwig Thoma, in dem die Weihnachtsgeschichte nach dem Lukasevangelium in bairischem Dialekt erzählt wird. Thoma überführt in der „Heiligen Nacht“ die klassische Weihnachtsgeschichte in den bayerisch-bäuerlichen Alltag: Die schwangere Maria stapft bis zur totalen Erschöpfung durch das verschneite Bayern und wird auf der Suche nach einer Herberge immer wieder abgewiesen. Besonders der Unterschied zwischen Armut und Reichtum kommt in Thomas Stück zur Geltung, der sowohl in der biblischen Geschichte, als eben auch im damaligen bayerischen Alltag vorhanden war.

Für eine zauberhafte, sicherlich beeindruckende Atmosphäre werden auch die Musikgruppen sorgen, die die Lesung der berührenden Geschichte umrahmen: Am 16. Dezember wird die Gruppe SteiBay die literarisch-schauspielerische Darbietung ergänzen – ein Dreigesang unter Leitung von Sissi Taubert. Am 23. Dezember wird Fischer begleitet von der Stoabach Saitnmusi, einem Quartett aus Traubing. Eine besondere Freude sind die Gastspiele für Bernhard Käsbauer, den Vorsitzenden des Fördervereins für die Waldkirche St. Clemens in Oberberghausen. Denn weil sowohl Dieter Fischer als auch die Musikanten ohne Gage auftreten, kommt der gesamte Reinerlös aus dem Kartenverkauf dem Förderverein zu Gute, der damit die Kirche erhalten will. Die mit knapp zehn Meter Länge und rund zehn Meter Höhe wirklich kleine Waldkirche ist im Baukern noch romanisch, das Langhaus stammt aus dem Jahr 1117. Es ist eine dreijochige Kirche mit geschlossenem Chor, der wohl aus noch früherer Zeit stammen dürfte. Im Turm hängen zwei Glocken – die größere aus dem Jahr 1489, die kleinere aus dem Jahr 1871 (das Loreto-Glöckchen). Sie werden an den beiden Adventsonntagen die Besucher empfangen. Fischer und die Musikanten werden vor dem raumhohen Retabel aus Holz (um 1660) Platz nehmen. Bis 1883 gehörte die Kirche zu einem Weiler mit vier Bauernhöfen, die im Rahmen der Aufforstung Anfang des 19. Jahrhunderts abgerissen wurden. Bis zur Säkularisation gehörte das kleine Gotteshaus kirchlich zum Kloster Weihenstephan, danach zur Pfarrei Wippenhausen. Heute gehört es zur Pfarrei Kranzberg. 1928 gründete Professor Klebel den Verein zur Erhaltung der Waldkirche Oberberghausen, betreute die Kirche selbst bis zu seinem Tod im Jahre 1943. Danach übernahm Alois Stör die Betreuung – ebenfalls bis zu seinem Tod 1980. An seine Stelle trat seine Tochter Rosa Stör.

Wenn also die Einnahmen dem Verein und damit dem Erhalt des Kleinods im Wald zufließen, dann tut man mit dem Kauf einer Eintrittskarte nicht nur etwas für das eigene Gemüt, sondern auch eine gute Tat. Den Vorverkauf übernimmt Bücher Pustet. Eine Karte kostet 22 Euro – da ist eine Fackel inklusive, die bei den Abendvorstellungen am Parkplatz, wo man sich um 18.30 Uhr zum Fackelzug trifft, ausgegeben wird. Der Verein zur Erhaltung der Waldkirche sorgt nach den jeweiligen Lesungen für eine kleine Stärkung und Glühwein. Pro Vorstellung gibt es 47 Karten. Es ist eben eine kleine Kirche. Eine ganz kleine. Und deshalb eine mit einer ganz besonderen Atmosphäre.