Illusion der Gewalt

Engagierte Bilder über den Krieg

von Alexandra Hofmann, 11. März 2014

Anlässlich des Ausbruchs des 1. Weltkrieges vor 100 Jahren schicken sich namhafte deutsche Museen an, die schrecklichen Ereignisse mittels umfangreich angelegter Ausstellungen in Erinnerung zu rufen. Vor diesem Hintergrund erscheint es nicht erstaunlich, dass derzeit auch im Schafhof Exponate zum Thema zu sehen sind. Letztere sind jedoch um einiges aktueller als diejenigen in oben genannten Ausstellungen, sie veranschaulichen, dass Bedrohungen und Gemetzel längst nicht vergangen sind. Petko Dourmana, Diego Perathoner und Anton Petz sind mit ihren engagierten Arbeiten über den Syrien- und den Afghanistan-Krieg ganz am Zahn der Zeit. Die Kunst wird hier zum Seismographen unserer Zeit, deren Schreckensmomente das Trio in eindringlichen Bildern zu reflektieren versteht. In technischer Hinsicht übersetzen sie die Ereignisse mit so traditionellen Methoden wie Malerei, Bildhauerei und Film, wenngleich ihre Ergebnisse keineswegs klassischen Vorstellungen entsprechen. Weder ist hier etwas schön, noch wird etwas geschönt. Es sind schonungslose, konzentrierte Werke, die ihre Botschaften messerscharf transportieren. Fern der Kampfgebiete entsteht daraus im Schafhof ein Areal, in dem die Gewalt als negative Utopie allgegenwärtig ist.

Zu diesem Zweck stützen sich Dourmana und Petz auf die unendliche Bilderflut in den Medien. Petz übersetzt die scheinbar dokumentarischen Aufnahmen in seiner ganz persönlichen Sichtweise in grellfarbige, großformatige Ölgemälde, die den schnellen Durchlauf der Bilder gerade so wie ein Film still anhalten und so eine Auseinandersetzung mit dem Gehalt erst ermöglichen. Dabei fällt auf, dass nicht die Gewaltausübung selbst das Geschehen bestimmt, sondern vielmehr die Selbstinszenierung der islamischen Soldaten, die als mächtige, furchterregende Heroen auftreten.

Was passiert, wenn sie in Aktion treten, zeigt Dourmana in einer Infrarot-Videoinstallation, die das gesamte Tonnengewölbe füllt. Wer sich mit dem Nachtsichtgerät in diese dunkle Höhle hineinwagt, wähnt sich mitten im Krieg. Doch auch dies ist eine Illusion. Denn das in YouTube veröffentlichte Filmmaterial stammt von der Aspasian News Agency, welche nur Bilder der Syrischen Regierung verwendet und somit reine Propaganda betreibt. Dank Dourmanas Umsetzung allerdings lässt sich bittere Realität nur zu gut erspüren.

Demgegenüber erscheinen die narrativen Objekte und Installationen von Perathoner auf den ersten Blick vergleichsweise harmlos. Seine Modelle von Ereignissen ruhen still im Raum, und beginnen erst mit der Zeit immer lauter zusprechen. Da stecken Kriegsschiffe in einer milchigen Masse in Schubkarren fest, zwischen denen es zwar eine Verbindung gibt, deren Passage aber mit Sicherheit tödlich enden würde. Daneben macht sich eine vermeintlich fröhliche Kinderschar auf den Weg, eine weite Landschaft zu erobern. Mit ihren Waffen aber geben sie sich als Kindersoldaten zu erkennen, die die Ambivalenz von Täter und Opfer symbolisieren. Doch nicht nur die Menschen opfern ihr Leben Krieg und Gewalt, auch die Natur muss dran glauben, wie ein Stück verbrannter Wald demonstriert. In akribischer Kleinarbeit hat Perathoner dafür zahllose kleine Äste verkohlt, um so ein authentisches Bild wiederzugeben.

In der Summe verbindet die drei Künstler nicht nur die Auseinandersetzung mit dem Thema, sondern noch vielmehr die feinfühlige, detailgenaue Umsetzung der Inhalte. Möglicherweise wären die drei gute Botschafter bei der Münchner Sicherheitskonferenz gewesen, die just an dem Wochenende stattfand, an dem diese Ausstellung eröffnet wurde.