Gemeinden schaffen Heimat auf Zeit

Flüchtlingsunterkünfte: der feine Unterschied

von Andreas Beschorner, 28. Februar 2016

In den ersten Wochen des Jahres 2016 haben einige Gemeinden ihre „Hausaufgaben“ gemacht und Flüchtlingsunterkünfte errichtet – beziehungsweise es Privatinvestoren ermöglicht, solche Unterkünfte errichten zu dürfen. Das ist nicht selbstverständlich, denn beispielsweise hat der Moosburger Stadtrat Mitte Februar die Pläne eines Investors zum Bau einer Unterkunft für Asylbewerber abgelehnt. Was ein privater Investor an der Landshuter Straße 101 erbauen wollte (zwei Gebäude für 184 Flüchtlinge), wäre in den Augen der Stadträten zu massiv, zu groß, baulich „ein Unding“ gewesen und hätte den sozialen Frieden in Gefahr gebracht.

Im Landkreiswesten wurden hingegen zwei solcher Unterkünfte neu ihrer Bestimmung übergeben, im Landkreisnorden kam auch ein neues Domizil hinzu, in der Stadt Freising entsteht eine Erstaufnahmeeinrichtung, was wiederum den Landkreissüden freut.

Bis zu 48 Asylbewerber werden in Kirchdorf ihr neues Zuhause finden: Bunte, freundliche Container im Nordosten von Kirchdorf bieten nicht nur Zweier-Zimmer an, sondern auch drei Familienzimmer (für bis zu vier Personen). Auch wenn es sich um Container handelt, so ist die Ausstattung doch solide und vor allem der Standort aus Sicht der Verantwortlichen in der Gemeinde ideal – direkt neben dem Gewerbegebiet, nahe am Ort und gut angebunden. So soll Integration gelingen.

Direkt im Gewerbegebiet liegt die neue Containeranlage in der Gemeinde Hohenkammer: 52 Asylbewerber werden da extrem schlicht und einfach, in Stockbettzimmern und zwischen bunt zusammengewürfeltem, ausrangierten Mobiliar auf unbestimmte Zeit leben. Das Areal liegt im Gewerbegebiet „Königholz“ bei Eglhausen. Auch hier, so sagen die Verantwortlichen, sei die Lage gut, da über einen direkt angrenzenden Geh- und Radweg Hohenkammer und vor allem auch das Gewerbegebiet Allershausen schnell und leicht zu erreichen sei.

Ganz anders sieht das aus, was im Norden des Landkreises – genauer: in Langenbach – in diesen Wochen sozusagen in Betrieb geht: eine Art Vorbildprojekt, eine Modell-Unterkunft für bis zu 78 Flüchtlinge, die nicht in Containern, sondern in den Räumen eines Holzbaus untergebracht sind. Der macht nicht nur außen und innen, da war man sich bei der Besichtigung einig, einen guten, hellen, freundlichen und soliden Eindruck, sondern hat zudem noch einen großen Vorteil: Der Bau ist nicht nur für ein paar Jahre als Flüchtlingsunterkunft konzipiert, sondern kann, sollte sich die Situation entspannen, nach Auszug der Asylbewerber ganz leicht und mit nur wenigen Umbauten beispielsweise als Studentenheim oder als Obdachlosenunterkunft oder auch als Bürogebäude noch für mehrere Jahrzehnte genutzt werden.

Keine Flüchtlingsunterkunft, sondern eine Erstaufnahmeeinrichtung entsteht demnächst bei Attaching. Genauer: Der ehemalige Praktiker-Baumarkt im Gewerbegebiet, der momentan leer steht, wird zur Erstaufnahmeeinrichtung für bis zu 500 Flüchtlinge umgebaut. Anders als bei Unterkünften für Flüchtlinge werden die Asylbewerber hier nur vier bis sechs Wochen leben, bevor sie dann von hier aus in Bayern und Deutschland verteilt werden. Vor allem einen Ort und eine Institution gibt es, die wünschen sich ganz besonders, dass der Praktiker möglichst schnell zur Erstaufnahmeeinrichtung wird: die Gemeinde Eching und die dortige Realschule. Denn in der Turnhalle der Imma-Mack-Realschule in der Südgemeinde ist derzeit die Erstaufnahmeeinrichtung im Landkreis Freising untergebracht. Sportunterricht? Für die Echinger Realschüler seit Längerem ein Fremdwort. Doch das wird und soll sich mit dem Umbau des Praktiker demnächst ändern.