Was für ein Groove, was für ein Timing

Roman Seehon spielt „handgemachten“ Jazz ein

von Alex Fischer, 30. Januar 2015

„Ich hab’ hier eine neue Scheibe, kannst ja ‘mal reinhörn“, sagt der Schlagzeuger und Percussionist Roman Seehon und drückt einem die CD „Handmade“, eingespielt von einer Band namens „Roman’s line up“ in die Hand. Eher beiläufig, ohne weiteren Kommentar, bei einem Auftritt im Furtner mit „Klangfarben“. Einem Duo, das er zusammen mit der jungen Marzlinger Sängerin Carolin Gläser aus der Taufe gehoben hat. Bezeichnend für einen, der mit allen Wassern der heimischen, aber auch der überregionalen und internationalen Musik-Szene gewaschen ist. Blues, Rock, Jazz, Weltmusik, Samba, Bossa Nova – Seehon der Schlagwerker und und Percussionist, dieser Trommler vor dem Herrn, hat schon so ziemlich alles gespielt was Orient und Okzident zu bieten haben.

Von so einem lässt man sich das natürlich nicht zweimal sagen. Also rein damit, gleich im Auto und tüchtig aufgedreht. Da ist er auch schon, der treibende Trommelwirbel, der über Felle und Becken hinweg fegt, locker aus dem Handgelenk geschlagen, dabei geradlinig, streng, „right in time“ halt. Dann  der Einsatz, ein Beat, ein Piano klinkt sich ein. Der Beginn eines Streifzugs durch den Modern Jazz, wie ihn vielleicht ein Pat Metheny, ein George Duke oder aber auch ein Nils Landgren verstanden haben will. Seehon und seine illustre Combo zu der neben Bettina Maier am Altosax, Sopransax und an der Klarinette auch Bassist Markus Milian Müller, Gitarrist Uli Graner und Pianist Lukas Voith zählen, haben ein Album von Format eingespielt. Eines, das sich hören lassen kann, im Konzert der großen, um nicht zu sagen der ganz großen Namen.

Stücke wie „Holy Moly“ atmen die ganz dünne Luft des Genres. Ein Blues, einer vom Schlage „New Orleans“ und einer bei dem es ordentlich vor sich hinblubbert. Groovy, jazzy, funky… alles Attribute, die zutreffen, wenn man sich einmal richtig eingelassen und eingehört hat, auf die bisweilen lyrischen und lautmalerischen, ja gar folkloristischen Kapriolen, die hier genüsslich geschlagen werden. Bei allem Respekt für die Intstrumentalisten, bei aller Freude über die Arrangements, „Handmade“ ist vor allem eines, ein Album, dass die Handschrift eines Drummers und Percussionisten trägt. Eines Perfektionisten noch dazu, der am liebsten noch die Melodie dazu trommeln würde. Da darf eine Nachhilfestunde in Sachen „Timing“ wie „Right Right Left“ natürlich nicht fehlen. Wie auch immer: Dem Komponisten Roman Seehon und selbstredend seinen Musikern sei an dieser Stelle gesagt: Angehört und für gut befunden. (AF)

 

Die CD „Handmade“ von „Roman’s line up“ aufgenommen im Oktober 2014  (Fluxx Studios Munich by Lori Lorenzen) ist unter www.romanseehon.de oder  bei Bücher Pustet erhältlich.