Die Bierstadt in Feierlaune

500 Jahre Reinheitsgebot in Bayern

von Andreas Beschorner, 09. April 2016

Freising ist vieles: Universitätsstadt, Domstadt, Rosenstadt. Und Freising ist Bierstadt. Dass man als Sitz der ältesten Brauerei der Welt und als berühmte Ausbildungsstätte der meisten Brauer auf diesem Globus die Landesausstellung „Bier in Bayern“ zum 500. Geburtstag des bayerischen Reinheitsgebots am 23. April nicht zugesprochen bekam, das hat die Freisinger Bierseele geschmerzt. Doch man hat den Schmerz überwunden und feiert das Jubiläum. Man feiert es groß. 

Freising ist Braukultur. Wohl nirgendwo in Bayern werden die unterschiedlichen Facetten des heimischen Bierbrauens so gelebt wie hier. Bereits in Quellen aus dem Jahr 825 wurde über das Bierbrauen in Freising berichtet. Später, im 18. Jahrhundert, zählte man in der Stadt 18 Brauereien. Heute gibt es noch zwei traditionsreiche Braubetriebe: das „Gräfliche Hofbrauhaus Freising“ als private und die „Staatsbrauerei Weihenstephan“ als staatlich geführte Brauerei. Vor allem aber etablierte sich Freising seit dem 19. Jahrhundert auch als wissenschaftliches Zentrum der Bierherstellung. Der Weihenstephaner Berg mit seinen universitären Forschungseinrichtungen und Ausbildungsgängen rund um das Thema Bierbrauen ist weltbekannt. Ganz in der Nähe zu der Brauwissenschaft bauen zudem Freisinger Firmen Brauereimaschinen für die ganze Welt. Und in direkter Nachbarschaft zur Stadt wächst die Seele des Biers – der Hopfen – im weltweit größten zusammenhängenden Hopfenanbaugebiet, der Hallertau. Freisinger wissen selbstverständlich um die Bedeutung des Bieres in ihrer Stadt. Dass eine Bierstadt dann auch den 500. Geburtstag des Reinheitsgebotes entsprechend begeht, versteht sich von selbst. Dass – weil schließlich das Fürstbistum Freising nicht zu Bayern gehörte – vielleicht erst ab 1803 das Reinheitsgebot auch in Freising galt, darf und soll einen da nicht stören. Das darf einem die Laune nicht verderben, dazu ist das Angebot im Bierjahr 2016 zu groß und zu abwechslungsreich. Und vor allem haben beide Freisinger Brauereien einen besonderen Jubiläumssud eingebraut.

2016 gibt es das, was es in Freising rund ums Bier in „normalen“ Jahren gibt, selbstverständlich auch: die Bierfeste. Da ist am 23. April auf dem Gelände des Hofbrauhauses an der Mainburger Straße das große Geburtstagsfest für das Reinheitsgebot. Da ist am 28. April der Tag des Bieres, mit dem Freising schon seit vielen Jahren auf dem Marienplatz an den Erlass des Bayeri-schen Reinheitsgebotes erinnert. Da ist am 6. August das Weihenstephaner Bergfest, bei dem es auf dem Nährberg bayerische Biergarten-Schmankerl und Bierspezialitäten aus der ältesten Brauerei der Welt gibt. Da ist am 18. August die öffentliche Bierprobe zum Volksfest, wo man auf dem Marienplatz testen kann, wie das Festbier auf dem Freisinger Volksfest schmecken wird. Da ist selbstverständlich und erst recht vom 2. bis 11. September das Freisinger Volks-fest, bei dem nicht nur rund 50 Fahrgeschäfte und Schmankerlstände, sondern auch das Festzelt und vor allem das Festbier die Luitpoldanlage in eine Festwies’n mit Tradition verwandeln. Da ist am 15. Oktober der Kirchweihmarkt des Hofbrauhauses, ein Bauern- und Handwerkermarkt mit vielfältigem Angebot und jeder Menge Bier.

Aber auch außerhalb von Freising gibt es Bierfeste: Vom 3. bis 5. Juni steigt das 4. Hallertauer Bierfestival, ein großes Bier-Verkostungs-Fest in Attenkirchen mit rund 100 Bieren von 40 Brauereien. Das traditionelle Hallertauer Hopfakranzlfest am 18. September findet heuer zum ersten Mal in Freising statt, zum ersten Mal wird auf dem Marienplatz am Ende der Erntesaison ein großes Fest rund um das „Grüne Gold“ gefeiert.

Doch damit noch lange nicht genug mit der bierseligen Feierei in Freising: In der Ausstellung „Das Bier des Fürstbischofs: Schlaglichter auf die Geschichte des Freisinger Hofbräuhauses während der Frühen Neuzeit“ beleuchtet das Stadtarchiv Freising die Geschichte des (damals fürstbischöflichen) Hofbräuhauses im 17. und 18. Jahrhundert. In dieser Zeit wandelte sich die Brauerei von einem kleinen Versorgungsbetrieb zu einem großen Unternehmen. Im Mittelpunkt stehen die barockzeitliche Bierproduktion und der entsprechende Bierkonsum in und um Freising (Eröffnung: 18. April, 19 Uhr, Dauer: 19. April bis 11. November 2016, Ort: Rathaus, 1. und 2. Obergeschoss). In den Untergrund geht es bei einer Führung durch die historischen „Sporrerkeller“. Die tief in den Veitsberg führenden historischen Ziegelgewölbe wurden einst zum Zweck der Bierkühlung errichtet. Fass um Fass hatte man hier den Gerstensaft des Sporrerbräus, später auch der Staatsbrauerei Weihenstephan aufgereiht und zu bestimmten Zeiten auch vor Ort ausgeschenkt. Zum Tag des offenen Denkmals 2016 werden von der Stadtheimatpflege Freising und dem Stadtarchiv Besichtigungen der Gewölbe angeboten (Termin: 11. September 2016, 11 Uhr und 16 Uhr; Treffpunkt: Ecke Vöttinger Str./Weihenstephaner Straße). Und noch eine Führung. Ihr Titel: Auf den Spuren alter Freisinger Braustätten. Denn neben den beiden Brauereien „Staatsbrauerei Weihenstephan“ und dem „Hofbrauhaus Freising“ zählte man im frühen 19. Jahrhundert viele private Brauereien in Freising – in einer Stadt mit damals 3.000 Einwohnern. Diese bürgerlichen Brauereien wie Hummelbräu, Stieglbräu, Laubenbräu, Hacklbräu oder Furtnerbräu sind heute noch in Gassen- und Häusernamen erhalten. Die Führungen gehen zu diesen alten Braustätten, die im Stadtbild noch deutlich erkennbar sind (Termine: 28. April 2016, 15 Uhr, und 8. September 2016, 15 Uhr). Wer sich auf eigene Faust aufmachen will zu einem Spaziergang durch die Freisinger Braukultur, für den gibt es einen kleinen Faltplan, der zu den wichtigsten Orten der Freisinger Braukultur leitet. Die sichtbaren und versteckten Hinweise auf die Braustätten in Freising erzählen allerhand über das Freisinger Brauwesen von den Anfängen bis heute. Den Faltplan gibt es ab dem 28. April in der Touristinformation Freising oder unter www.tourismus.freising.de.

Doch das war es auch noch nicht mit Angeboten zum Jubeljahr des Reinheitsgebotes: Da ist zum Beispiel noch die Ausstellung „Die Wächter des Reinheitsgebotes“, bei der übergroße Fotos die Wächter des Reinheitsgebots, stolze Brauereibesitzer und Braumeister der heimischen Braubetriebe porträtieren. Der Bayerische Brauerbund möchte in dieser Zusammenschau jene Persönlichkeiten sichtbar machen, die sich täglich um die Einzigartigkeit des bayerischen Bieres bemühen (Eröffnung: 1. Juni, 18 Uhr, Dauer: 1. Juni bis 8. Juni, Ort: Foyer Asamtheater, Marienplatz 7, 1. Stock). Und dann gibt es noch etwas sehr Unterhaltsames und Lehrreiches. Titel: „MundArtler: Biergeflüster“. An diesem Abend wird die Bildungslücke über das Nahrungsmittel Bier geschlossen. Von der Welt der Sagen und Mythen aus grauer Vorzeit bis zum Bayerischen Reinheitsgebot und den modernen Biersorten spannt sich der Bogen und dabei wird zeitgleich ein humorvolles Sittenbild unseres Bieres gezeichnet. Der bayerische Erzähler Muck Stelzle hat Kulturgeschichten über Bier ausgegraben, die auf Historie oder Tradition beruhen. Dabei geht die Geschichte immer in Geschichten über und man weiß nie so genau, wo hört die Geschichte, die Tradition, der wahre Kern auf und wo fängt die G‘schicht an (Termin: 4. Juni 2016, 20 Uhr / Einlass ab 19 Uhr, von 19 bis 19.45 Uhr kleine Bierprobe, Ort: Asamtheater, Marienplatz 7, 1. Stock). Dann wird’s nochmal musikalisch und lustig: Die Dellnhauser Musi-kanten und Klaus Karl-Kraus laden zum „Jubierlator“. Eine bayerische Volksmusikgruppe und ein fränkischer Kabarettist feiern zusammen 500 Jahre Bayerisches Reinheitsgebot und beleuchten gemeinsam die gottgelobte Entstehung der flüssigen Gaumenfreunde. Die Dellnhauser Musikanten wohnen in der Hallertau, und so erzählen sie in ihren Liedern von der „Hopfakirm“ oder dem „Wirt von Stoa“. Der bekannte Kabarettist Klaus Karl-Kraus beschreibt in Anekdoten und grandioser Spontanität die bayerische und fränkische Braukultur (Termin: 11. Juni, 20 Uhr / Einlass ab 19 Uhr, von 19 bis 19.45 Uhr kleine Bierprobe, Ort: Asamtheater, Marienplatz 7, 1. Stock).