Champagnerlaune in Freising
München erteilt 3. Startbahn keine Landeerlaubnis im Moos

Der 17. Juni 2012 kann als historischer Tag in die Geschichte Freisings eingehen: Die Münchner Bürger haben mit klarer Mehrheit dem Bau einer dritten Startbahn eine Absage erteilt. Knapp sieben Jahre sind vergangen, seit die FMG im Juli 2005 mit den Planungen für eine weitere Runway im Moos begann. Doch in die erste Freude und die Erleichterung mischte sich gleich wieder ein Stück Skepsis ein.
Im „Stemmerhof “ in München-Sendling war der Jubel groß, im Epiphanias-Zentrum in Lerchenfeld tanzten die Teilnehmer des „Lichterzeichen“-Schweigemarsches, da und dort wurde ein Pils oder auch ein Stamperl Klarer auf den Sieg gehoben: Am Abend des 17. Juni, als sich gegen 20 Uhr der Triumph der Startbahngegner beim Bürgerentscheid klar abzeichnete, war die Freude riesig. Und alle Beteiligten waren sich einig: Es war eine faustdicke Überraschung, wenn nicht gar eine Sensation.
Der Bürgerentscheid, der die Stadt München als Gesellschafter der FMG zu einem Nein zum Startbahnbau verpflichten sollte, wurde mit 55,4 Prozent der gültigen Stimmen gewonnen. Und damit nicht genug. Das von CSU, SPD und FDP im Münchner Stadtrat initiierte, gegen den von den Grünen angestoßenen Bürgerentscheid gerichtete Ratsbegehren, das den Stadtrat zu einem Ja verpflichten sollte, konnte nur 48,6 Prozent der Stimmen erreichen. Die aufgrund der beiden Ergebnisse im Nachhinein gesehen unwichtige Stichfrage entschieden logischerweise ebenfalls die Startbahngegner mit 54 Prozent für sich. Dabei war die Wahlbeteiligung gemessen an anderen Bürgerentscheiden mit 32,8 Prozent hoch: 181.868 Wähler wollten keinen Flughafenausbau, 152.627 votierten für die Startbahn. Außerdem: In 21 von 25 Münchner Stadtbezirken hatten die Startbahngegner die Nase vorn (teilweise wie in Au-Haidhausen oder Schwanthalerhöhe mit über 60 Prozent). Nur vier Stadtbezirke konnten die Startbahnbefürworter für sich entscheiden (Altstadt-Lehel, Bogenhausen, Trudering-Riem und Thalkirchen/Obersendling/Forstenried/Fürstenried/Solln)

Am Anfang herrschte nicht nur bei den Freisinger Politikern und Aktivisten der Überschwang der Gefühle vor: „Das ist einfach Wahnsinn“, hatte sich OB Tobias Eschenbacher gefreut, sein Vorgänger Dieter Thalhammer hätte kaum geglaubt, dass auch in diesem Fall David gegen Goliath gewinnen könne. Immerhin standen dem Münchner Bündnis gegen die Startbahn nur 80.000 Euro zur Verfügung, die FMG hatte in das Bündnis „Ja zur 3“ eine Million Euro gepumpt. Und weil auch der Freisinger Landrat Michael Schwaiger und alle drei Freisinger Landtagsabgeordneten, die Aktivisten sowieso und die Attachinger ganz besonders in Champagnerlaune waren, versprach der Freisinger OB eine große Party in Freising, zu der auch die Münchner eingeladen seien.

Doch schon am Wahlabend und auch in den Tagen danach wurde deutlich, dass damit das Thema Startbahn noch nicht vom Tisch ist. Zwar hatte Münchens OB Christian Ude versichert, das Votum habe für den Münchner Stadtrat auch über das rechtlich vorgeschriebene eine Jahr hinaus bindende Wirkung, doch FDP-Wirtschaftsminister Martin Zeil und CSU-Finanzminister Markus Söder betonten unisono, man halte am Startbahnbau fest. Eine Möglichkeit, mit der man den Münchner Bürgerentscheid aushebeln könne, wäre es, dass sich die Stadt München von den 23 Prozent Flughafen-Anteilen trennt, bei der Gesellschafter-Versammlung also gar kein Stimm- und Vetorecht mehr habe. Diese und andere Aussagen – beispielsweise von Horst Seehofer, der die Landtagswahl 2013 zur Abstimmung über die Startbahn machen will – ließen aufhorchen. Und so versprach das Aktionsbündnis Aufgemuckt „hellhörig“ zu bleiben, versicherten Freisings Politiker, sich gegen jegliche Art von „Tricksereien“ zur Wehr zu setzen. Nächstes Ziel wäre es also, dass die FMG den Bauantrag und damit den Planfeststellungsbeschluss zurückzieht, was auch die rund 20 Klagen gegen die Startbahn vor dem Verwaltungsgerichtshof hinfällig machen würde. Doch FMG-Chef Michael Kerkloh hatte sogleich versichert, das werde nicht geschehen: Er wolle Rechtssicherheit für den Bauantrag.

So oder so: Das Thema dritte Startbahn wird die Stadt Freising schon noch eine ganze Weile beschäftigen – auch weit über das angekündigte große Fest mit den Münchner Freunden hinaus. (Foto: Nestor Esper)

Dieser Artikel erschien im FINK-Magazin vom Juli/August 2012.
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