Und nicht zu vergessen: die Sache mit Silvia Sommerlath…

Hausbesuch bei Veronika und Hartmut Binner

von Birgitt Mooser-Niefanger, 01. September 2018

Mit klarer Stimme, der richtigen Lautstärke und eindeutigen Worten lässt Hartmut Binner nie auch nur den Hauch eines Zweifels an seiner Haltung aufkommen: Am Flughafen München braucht es keine dritte Start- und Landebahn. Ende der Durchsage.

Hartmut Binner, der ehemalige Polizist, ist ein Startbahngegner, der sich stets im Rahmen von Recht und Ordnung bewegt, der aber mit allen notwendigen Mitteln gegen das umstrittene, jedoch wohl noch immer geplante Projekt im Erdinger Moos kämpft. Wegen schwerer gesundheitlicher Probleme musste sich Hartmut Binner ja zumindest ein wenig zurückziehen und mehr auf sich selbst achten, aber jetzt im Wahljahr 2018, da will er nochmal Gas geben. Dass der aktuelle Bayerische Ministerpräsident das Startbahnthema aus dem Wahlkampf heraushalten will, das ärgert Binner und das will er auch nicht durchgehen lassen. Gegen Dinge, die aus seiner Sicht nicht in Ordnung sind, hat er sich sein ganzes Leben aufgelehnt, seine Frau nennt ihn deshalb nicht ohne Stolz einen Gerechtigkeitsfanatiker.

Beim Hausbesuch im Binnerschen Heim im Freisinger Stadtteil Seilerbrückl sitzt Veronika, die Ehefrau, die in der Stadt auch als begabte Kunstmalerin bekannt ist, mit am Tisch und es ist nicht zu übersehen, dass sie Hartmut Binners wichtigste Ratgeberin ist, die in der Diskussion ihre Meinung vertritt und ihrem Mann damit immer wieder Denkanstöße gibt. Das Engagement ihres Mannes sei eine enorme Belastung gewesen für die Familie, manchmal habe sie den Eindruck gehabt, ihr Haus habe sich in ein Büro verwandelt, in dem er oft 16 bis 17 Stunden pro Tag über Akten, Texten, neuen Gedanken und Aktionen brütete und Auskunft gab am Telefon und in persönlichen Gesprächen.

Wahrscheinlich hatte sich niemand gedacht in der Familie, dass zu Hause eines Tages nahezu alles um ein einziges Thema kreisen würde. Als er 1999 in den Ruhestand ging, hatte Hartmut Binner gesagt, er wolle in seinem Leben noch einmal eine Furche ziehen, und das hier war sie wohl. Mit den Nachbarn vom Seilerbrückl hatte er, als 2005 das sogenannte Raumordnungsverfahren eingeleitet wurde, immer wieder beim monatlichen Stammtisch im Karlwirt über das Thema debattiert.

Und Binner, der allgemein Dinge ganz genau wissen will und dafür akribisch recherchiert, hat dann damit begonnen, Information um Information zusammen zu tragen und wurde nicht sehr viel später einer der Sprecher des Aktionsbündnisses „aufgemuckt“. Eine Menge Akten, Bilder, Videos und weiteres Material zeugen im Hause Binner von dieser aufregenden und beanspruchenden Zeit.

Eine Zeit, in der wenig Raum blieb für das, was das Ehepaar so gerne miteinander macht. Da wäre zum Beispiel das Reisen: Viele Jahre ging es immer wieder nach Kroatien, die Liebe zu der Gegend um Split zeigen zum Beispiel die mitgebrachten und sorgsam gepflegten und vermehrten Feigenbäume im weitläufigen Garten, in dem diese mitten unter verschiedensten anderen Pflanzen stehen und in dem ein umfangreicher Gemüsegarten sommers nicht nur die Binners, sondern auch die Nachbarn versorgt. Gurken und Zucchini zum Beispiel liegen dann auf der Zaunsäule und die Nachbarn wissen, dass sie eingeladen sind, sich zu bedienen. Die Beziehung zu Kroatien entstand, weil sich ein Auszubildender, den Hartmut Binner bei der Polizei unter seinen Fittichen hatte, in eine kroatische Lehrerin verliebt hatte. Zur Hochzeit wurde der Vorgesetzte nicht nur eingeladen, sondern auch gebeten, Trauzeuge zu sein. So entwickelte sich eine freundschaftliche Verbundenheit, die bis zum heutigen Tag anhält und ein ganzer Fundus an Geschichten, die die Familie im Süden erlebt hat und die für immer unvergessen bleiben werden.

So amüsiert sich Veronika Binner bis heute, wenn sie erzählt, wie ihr Mann einem Weinbauern geholfen hat und diesem mit seinem Ford Granada Sachen transportiert hat, weil dessen Traktor kaputt war. Augenzwinkernd lässt sie erkennen, dass die Aufgabe ihrem Hartmut nicht ganz unrecht kam, denn Rumliegen am Meer, das war wohl nicht so seine Sache und „ins Wasser geht er ja ned“. Er würde eben immer gerne was unternehmen und interessiere sich sehr für Kultur. Ihr Augenzwinkern geht anschließend in ein Strahlen über, weil sie auf eine andere Reise zu sprechen kommt. Nach einem ärztlichen Kunstfehler war Veronika Binner sehr lange krank gewesen und vom Schmerzensgeld wurde genau das gemacht, was sie sich schon immer gewünscht hatte: eine sehr große Reise, eine Weltreise. Unter anderem nach Neuseeland. Und das sei ein absoluter Traum gewesen. Ihren Geburtstag habe sie, das Winterkind, erstmals im Frühsommer feiern können. Es war offenbar ein Trip mit wirklich allem Drum und Dran. Was auch sonst: Hartmut Binner macht Sachen ganz oder gar nicht. Daher übrigens auch sein Spitzname, den er schon seit den frühen Jahren bei der Polizei hat – der „Waschi“. Genau: Ein Wischiwaschi gibt es bei ihm einfach nicht.

Übrigens auch nicht am Herd: Hartmut Binner ist ein leidenschaftlicher Koch, der gerne für auch mal größere Gesellschaften kocht und es liebt zu grillen. Er hatte vor seinem Wechsel zur Polizei Bäcker und Konditor gelernt. Doch vom Kuchenbacken lässt er heute die Finger, denn für die süßen Sachen ist Veronika Binner zuständig. Begeistert erzählt ihr Mann von ihrer Backkunst und etwas davon, wie sie für die Hochzeiten ihrer Söhne mehrstöckige Kunstwerke gezaubert hat.

Wenn nun Hartmut Binner Ende September seinen 80. Geburtstag feiert, werden sicher viele kommen und ihm für sein Engagement danken und wahrscheinlich wird auch eine Geschichte ein weiteres Mal erzählt werden, die beim Ehepaar Binner so eine Art „running gag“ ist. Da geht es um ein Erlebnis, das Hartmut Binner hatte als Polizist. Damals, 1972. Er war eingesetzt bei der Olympiade und seine schöne Kollegin war … jawohl: Silvia Sommerlath, die Heidelbergerin, die bald darauf Königin Silvia von Schweden wurde. Frisch verliebt waren Veronika und Hartmut Binner damals. Dass die Kollegin Silvia trotzdem eine Rose bekam, das fand seine Freundin Veronika nur mäßig angebracht. Noch dazu in ihrer Anwesenheit! Was damals vielleicht ein kleines Ärgernis war, wurde zu einer schönen Anekdote ihrer Beziehung und letztendlich ein weiteres erinnernswertes gemeinsames Erlebnis.