Hubert Hierl
Nachruf auf einen feinen Menschen

Die traurige Nachricht kam unerwartet und sie berührte viele: Hubert Hierl, langjähriger Stadtrat und durch seine berufliche Laufbahn so etwas wie der Botschafter Bayerns in Brüssel und Berlin, ist im Alter von 77 Jahren gestorben. Freising und die CSU haben einen vornehmen, feinsinnigen Grand Seigneur verloren, dessen ausgleichende Art Freunde und Wegbegleiter ebenso schätzten wie seine Kochkünste.

An Mariä Geburt des Jahres 1944 kam Hubert Hierl im oberpfälzischen Oberweiling auf die Welt. Der Sohn eines Landwirts absolviert nach der klassischen Dorfvolksschule, nach der Berufsschule und nach seiner landwirtschaftlichen Ausbildung seine Hochschulreife auf dem zweiten Bildungsweg. Danach zieht es Hierl dorthin, von wo er Zeit seines Lebens nicht mehr loskommt, wo er Wurzeln schlägt und wofür sein Herz schlägt: Freising. 1968 tritt er das Studium der Landwirtschaft in Freising-Weihenstephan an, sechs Jahre später – Hierl hat inzwischen promoviert – beginnt der berufliche Aufstieg Hierls: Bis 1980 ist er am Amt für Landwirtschaft in Moosburg und dann im Landwirtschaftsministerium tätig, wird in der Folge für die kommenden acht Jahre zum Landwirtschaftsreferenten und Landesbeauftragten der Bayerischen Staatskanzlei berufen. 1988 wird Hubert Hierl mit einer wichtigen Aufgabe betraut: Er soll das neue Brüsseler Informationsbüro des Freistaats Bayern, die jetzige Bayerische Vertretung bei der Europäischen Union, aufzubauen. Bis 1994 wirkt Hierl in Brüssel. Man weiß in Bayern, was man an ihm hat. Denn 1994 beruft man ihn zum Leiter der Abteilung Bundesrat in der Bayerischen Vertretung in Bonn und später in Berlin im prachtvollen Palais an der Behrenstraße. 2009 ist das Jahr, in dem Hierl als Ministerialdirigent in den Ruhestand. 

Doch Nichtstun ist nicht die Sache des Hubert Hierl. Schließlich schlägt sein Herz ja auch für die CSU, der er – auch in schwierigen Zeiten bis zu seinem Tod – die Treue gehalten hat. 1968 tritt Hierl in die Junge Union ein, war auch deren Vorsitzender in Freising. Von 1978 bis 1988 – also bis zu seinem Umzug nach Brüssel – sitzt Hierl für die CSU im Kreistag. 1996, als die CSU in Freising eine schwere Zeit erlebt, übernimmt Hierl den Ortsvorsitz, geleitet den Ortsverband zurück in ruhige Gewässer. 

2002 wird Hubert Hierl wieder kommunalpolitisch aktiv, tritt als Stadtrat an – und wird gewählt. 2008 zieht er abermals in den Stadtrat ein, wird dann Referent für Kultur und Tourismus, 2014 wird er neuerlich gewählt, übernimmt bis 2020 das Amt des Kulturreferenten. 2020 wählen ihn die Freisinger zum vierten – und leider letzten Mal – Mal in das Stadtparlament. Hierls Verdienste um die Kultur in Freising sind zahlreich: Sie reichen von der Begleitung und Unterstützung des Musicalsommers bis zur Förderung und Fürsprache für alle Kulturveranstaltungen und Kulturvereine. Hierl gehört auch zu den treibenden Kräften, die das historische Renaissance-Geläut im Mariendom wieder herstellen lassen. Und auch privat ist Hierl ist den schönen Dingen des Lebens zugeneigt, er ist leidenschaftlicher und guter Koch, ein ebenso leidenschaftlicher Schafkopfspieler.

Hierl hinterlässt ohne Zweifel eine große Lücke. Als feinen Menschen beschreiben ihn seine Wegbegleiter. Und auch wenn Hubert Hierl Bayer durch und durch war, so hat er sich doch immer als Europäer, als Weltbürger verstanden. Hierl hat außerdem eine ganze Generation von Freisinger CSU-Politikern geprägt, die jetzt in hohen Ämtern sind und Verantwortung tragen, sich selbst als „Zöglinge“ Hierls sehen – und stolz darauf sind: Staatskanzlei-Chef Florian Herrmann ist einer, den Hierl ebenso gefördert hat wie den Bundestagsabgeordneten Erich Irlstorfer und auch Freisings Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher.  (AB)

Dieser Artikel erschien im FINK-Magazin vom November 2021.
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