Ein Backhaus für Freising

Selber backen - echtes Brot schmecken

26. Juni 2015

Für die meisten Freisinger ist es selbstverständlich sich täglich frisches Brot kaufen zu können. Die handwerklich arbeitenden Bäcker in Freising und Umgebung bieten eine breite Palette an Brotsorten an, teilweise sogar am Sonntag. Und trotzdem ist das Bäckerhandwerk ein aussterbendes Handwerk. Ende der 50er Jahre gab es in Deutschland etwa 50.000 Bäckereien. Im Jahre 2013 waren es laut Zentralverband des deutschen Bäckerhandwerks noch etwa 13.000.
Denn nicht nur in unseren Bäckereien wird Brot angeboten. Alle Discounter oder auch Tankstellen und Bahnhofsimbisse haben Brot in allen möglichen Ausprägungen in ihrem Sortiment. So ist es in vielen Familien an der Tagesordnung, dass ihr Brot nicht vom Bäcker sondern vom Supermarkt stammt. Der Grund dafür ist einfach. Wieso extra zum Bäcker fahren, wenn ich mir beim Discounter oder auf dem Heimweg an der Tankstelle oder am Bahnhof ein Brot nebenbei mitnehmen kann. Oft wird sogar kurz vor Ladenschluss auch noch „frisch gebackenes“ Brot angeboten. Woher dieses Brot stammt und wie es hergestellt wird, wissen die meisten nicht. Dass es sich dabei um „Halbfabrikate“ handelt, die in Brotfabriken in der Tschechei oder in anderen osteuropäischen Ländern vorgebacken und anschließend tiefgefroren werden, schon gar nicht. Wenn es am selben Abend verzehrt wird, ist es für die Mehrheit genießbar, am nächsten Tag wird ein neues Brot gekauft, es kostet ja auch sehr wenig.
Wer für sich persönlich die Entscheidung trifft Fabrikbrot zu kaufen, kann dies natürlich tun. Vielen schmeckt dieses Brot auch. Schwierig wird es aber, wenn dieses Brot für die ganze Familie gekauft wird und dadurch unsere Kleinsten nie erfahren werden, wie ein richtiges Brot schmeckt. Natürlich werden diese Kinder einmal selbständig werden und einen eigenen Haushalt führen. Aber dann ist es zu spät, denn wir wissen ja, der Mensch ist ein Gewohnheitstier und Gewohnheiten lassen sich nur ganz mühsam ändern, besonders die schlechten.
Dieser Entwicklung entgegenzutreten und dafür zu sorgen, dass alle Freisinger Kinder die Erfahrung machen können, echtes handwerkliches Brot zu schmecken, ist neben vielen anderen Aspekten eines der Hauptanliegen des „Freisinger Backhaus e.V.“.
Der Freisinger Backhaus Verein wurde im Dezember 2014 gegründet mit dem Ziel, ein Backhaus in Freising zu errichten und dadurch das Selber-Brotbacken für alle Interessierten zu ermöglichen. Dabei soll das Backhaus mit der Hilfe von Freisinger Bürgerinnen und Bürgern, Spenden und der Mithilfe am Bau von Freisinger Firmen realisiert werden. Die Idee wurde als Projekt für das vom 4. bis 11. Juli in diesem Jahr in Freising stattfindenden Oberbairischen Kulturfestivals „ZAMMA“ eingereicht und als „förderungswürdig“ eingestuft. Das heißt, das Freisinger Backhaus soll am 4. Juli seinen regulären Betrieb aufnehmen. Ein ambitioniertes Vorhaben.
Als Standort für das Freisinger Backhaus hat die Stadt Freising dem Verein die kostenlose Nutzung eines Grundstücks auf dem Gelände der Freisinger vhs an der Kammergasse 12 für zehn Jahre angeboten. Dieser Standort ist ideal, da er mit dem Auto, mit dem Bus und auch zu Fuß aus der Innenstadt gut zu erreichen ist.
Der Verein konnte bei seiner Gründung 15 Mitglieder vorweisen. Im Februar waren es nach der ersten Mitgliederversammlung dann schon 32 Mitglieder, mittlerweile sind es knapp 50. Und es sollen noch mehr werden. Viele Freisingerinnen und Freisinger, die vom Backhaus-Projekt erfahren haben, sind begeistert davon. Die etwas Älteren wissen nämlich noch, dass es früher in manchem Dorf oder aber auch auf vielen Bauernhöfen im Freisinger Landkreis solche Backöfen gegeben hat. Früher war es einfach zu teuer, wenn eine Familie für den eigenen Brotbedarf einen Ofen auf die nötige Betriebstemperatur aufgeheizt hätte. So hat man eben gemeinsam gebacken. Meistens gab es zwei feste Brotbacktage im Monat. Die Aufgabe des Feuermeisters ist reihum verteilt worden, so dass nicht immer dieselbe Familie die Verantwortung des Anheizens hatte. Jeder der backen wollte, musste Holz für das Feuer mitbringen und hat dadurch die Energiekosten mitgetragen. Der Brotteig wurde zuhause vorbereitet und wurde am Backtag zum Backhaus mitgebracht.
Genau so soll es am Freisinger Backhaus auch ablaufen. Es werden Backtage bekanntgegeben und alle Interessierten können gegen einen entsprechenden Unkostenbeitrag ihren Teig mitbringen und backen lassen. Was an welchem Tag gebacken werden soll, wird dann auf der Internetseite des Freisinger Backhaus e.V. (www.freisinger-backhaus.de) bekanntgegeben. Neben den klassischen Backtagen soll es auch möglich sein, am Backhaus zu feiern und z.B. Pizza zu backen.
Schulen und Kindergärten können sich das Backhaus für pädagogische Zwecke reservieren. Dabei stehen Bäckermeister aus den Reihen des Freisinger Backhaus Vereins zur Verfügung, um den Kindern die Entstehung unseres wohl wichtigsten Grundnahrungsmittels zu vermitteln.
Dabei macht sich der Standort an der vhs natürlich sehr positiv bemerkbar. Die vhs stellt für solche Veranstaltungen die wenige Meter vom Backhaus entfernte Schulküche zur Verfügung.
Bis dahin ist allerdings noch einiges zu tun. Auf der Baustelle geht es schon hoch her. Nachdem die Grube für das Fundament ausgehoben und die Anschlussleitungen für Wasser, Abwasser und Strom verlegt wurden, konnte das Fundament eingeschalt und ausbetoniert werden. Mittlerweile konnte mit dem Aufmauern begonnen werden. Der Verein rechnet damit, dass bis Ende Mai der Rohbau stehen wird und zu einem Hebweih eingeladen werden kann.