Bayern kommt nach Freising

Landesausstellung 2024 auf dem Domberg

von von Andreas Beschorner, 28. Oktober 2020

Dass der heilige Korbinian im Jahr 724 auf seiner Wanderschaft auch nach Freising kam, führt 1300 Jahre später zu einem freudigen und wichtigen Ereignis in der Dom- und Bischofsstadt: Freising wird im Jahr 2024 Schauplatz der Landesausstellung sein, die das Bistumsjubiläum würdigen soll. „Bayern in Freising“, so der Arbeitstitel.

Groß war die Hoffnung in Freising, Schauplatz der Bayerischen Landesausstellung 2016 zu sein. Und groß war die Enttäuschung, als man als Bierstadt nicht den Zuschlag für „Bier in Bayern“ bekam, um so den 500. Geburtstag des Reinheitsgebots feiern zu können. Doch jetzt ist es soweit: 2024 wird Freising Schauplatz der Bayerischen Landesausstellung sein. Titel: „Bayern in Freising“. Das Bistumsjubiläum wird begangen – 1300 Jahre nachdem der Heilige Korbinian nach Freising kam und so die Voraussetzung für das Entstehen des Erzbistums München und Freising schuf. 724 war es, da kam der französische Wanderbischof nach Freising, wie es Karl Meichelbeck in seiner zweibändigen Bistumsgeschichte zu Freising im 18. Jahrhundert schreibt, verschaffte der Stadt damit nicht nur den Korbiniansbären als Wappentier, sondern legte auch den Grundstein für die Verbreitung des christlichen Glaubens im heutigen Bayern. Freising mit seiner Konkathedrale des Erzbistums, dem Mariendom, gilt seitdem als Keimzelle des Glaubens und der Erzdiözese. Jetzt sind wieder wichtige Menschen nach Freising auf den Domberg, den „Mons doctus“, gekommen, um eine wichtige Grundlage zu legen: Der Vertrag zur Bayerischen Landesausstellung „Bayern in Freising“ für 2024 wurde unterzeichnet: Bayerns Wissenschaftsminister Bernd Sibler und Generalvikar Christoph Klingan setzten im edlen und würdevollen Fürstengang ihren Servus unter den Kooperationsvertrag zwischen Staat und Kirche.

Deshalb werden sich in vier Jahren viele Augen auf die Große Kreisstadt Freising richten, wenn das Bistumsjubiläum 1300 Jahre heiliger Korbinian in Freising gefeiert wird. Zu verdanken hat man das aber nicht nur dem heiligen Korbinian, sondern auch einer anderen Begebenheit: Nachdem die Bayerische Landesausstellung 2024 in Landsberg am Lech zum Thema „Räuber in Bayern“ nicht stattfinden wird, weil dort das Stadtmuseum nicht rechtzeitig saniert werden kann, war man auf Freising ausgewichen. Endgültig den Stein ins Rollen gebracht habe ein Anruf von Christoph Kürzeder, dem Direktor des Diözesanmuseums, bei Richard Loibl, dem Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte. Inhalt des Anrufs, wie Loibl berichtete: „Na, geht da noch was für 2024?“ Ja, da gehe noch was, habe er geantwortet. Dass man das Grundkonzept der neuen Landesausstellung und sämtliche Absprachen allerdings innerhalb von nur zwei Monaten bewerkstelligt habe, grenze schon an ein „Wunder“, wie Loibl bei der Vertragsunterzeichnung betonte.

Überhaupt: Zur kleinen Zeremonie der Vertragsunterzeichnung war die Prominenz gut vertreten und voller Vorfreude auf das Jahr 2024: Wissenschaftsminister Bernd Sibler versprach eine „faszinierende Ausstellung“, die zwei Themenschwerpunkte und zwei Standorte in Freising haben werde: Da sei zunächst das Frühmittelalter mit den Agilolfingern, die zu der Zeit, als der französische Wanderbischof Korbinian nach Freising kam, auf dem Domberg über ihr Stammesherzogtum herrschten; und da sei der Blick des Barock auf diese Geschichte, der in der Barockisierung des Freisinger Mariendoms 1724 durch die Brüder Asam seinen Niederschlag gefunden habe. Im Diözesanmuseum, dessen Bau auf dem Freisinger Domberg gerade aufwändig für rund 40 Millionen Euro saniert wird, wird das Frühmittelalter präsentiert, im Dom selbst und in der fürstbischöflichen Residenz auf dem „Mons doctus“ wird es um den Barock gehen.

Generalvikar Christoph Klingan sprach von einem „geschichtlich bedeutsamen Ereignis“, das mit der Landesausstellung 2024 gewürdigt werde. Schließlich werde Korbinian als der Gründungsbischof des Erzbistums München und Freising angesehen, die Landesausstellung ermögliche den gemeinsamen Blick von Kirche und Staat auf 1300 Jahre bayerische Geschichte.

Staatskanzleichef Florian Herrmann, der zu Fü.en des Freisinger Dombergs wohnt, sprach von einem „großartigen Ereignis“, von dem eine starke geistige Befruchtung ausgehen werde. Die Würdigung dieses „geistigen Urknalls“ vor 1300 Jahren werde die Menschen animieren, über die Vergangenheit und darüber, wie es weitergehe, gleichermaßen nachzudenken. „Jetzt können sich alle wunderbar ans Werk machen“, so Herrmann.

Der Freisinger Weihbischof Bernhard Haßlberger, der auf dem Domberg wohnt, würdigte den „Mons doctus“ als einen Ort mit eigener Atmosphäre, auf dem sich Altes und Neues verbinde. Und deshalb machte sich bei ihm besonders große Freude breit: Er habe es erst gar nicht glauben können, „aber jetzt ist es soweit“. Der Domberg sei für die Ausstellung ein „gebührender Ort“, der sich durch sein eigenes Flair auszeichne. Die Gebäude auf dem „Mons doctus“ atmeten bayerische und diözesane Geschichte gleichermaßen.

Freisings Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher sagte zum FINK, er be- grüße die Entscheidung für Freising sehr. Und auch die Stadt wolle und werde – vor allem mit dem bis dahin sanierten und auch wieder geöffneten Asam-Gebäude – ihren Beitrag zu dieser Landesausstellung leisten. Wie der genau aussehen werde, wisse man zum jetzigen Zeitpunkt freilich noch nicht.

Einen kleinen Vorgeschmack darauf, was die Besucher 2024 erwartet, hatte der Direktor des Diözesanmuseums, Christoph Kürzeder, mit zur Vertragsunterzeichnung gebracht: Ein aus der Zeit um 1500 vor Christus stammendes Amulett, das bei den archäologischen Untersuchungen im Rahmen der Museumsrenovierung im Boden gefunden worden war. Das Besondere: Das Amulett ist der Zahn eines Bärs – vielleicht ein Omen für Korbinian und den Bären, der der Legende nach 2200 Jahre später das Gepäck des Wanderbischofs bis nach Rom tragen musste, so Kürzeder schmunzelnd. Zudem versicherte Kürzeder, man werde mit der Generalsanierung des Diözesanmuseums im Jahr 2022 fertig sein, so dass man genügend Vorlauf für die Landesausstellung habe, deren frühmittelalterlicher Teil im Museum präsentiert werde.

Das Jahr „-24“ in jedem Jahrhundert ist schon immer etwas Besonderes für Freising. Man braucht nur an das Jahr 1724 zu denken, als 1000 Jahre Korbinian in Freising mit der Gestaltung des Doms durch die Gebrüder Asam gewürdigt wurde. Und auch 2024 ist bei der Erzdiözese und in der Stadt Freising seit längerem im Fokus: Der groß angelegte Umbau des „Lehrbergs“, wie der Domberg gerne genannt wird, mit dem Neubau des Kardinal-Döpfner-Hauses, mit der Generalsanierung der ehemaligen Dombibliothek, mit der Renovierung der fürstbisch.flichen Residenz und der Sanierung des Diözesanmuseums waren von Anfang an auf das Jahr 2024 ausgerichtet. Ob alle Projekte bis 2024 fertiggestellt sind, ist eher unwahrscheinlich. Aber das Diözesanmuseum wird auf jeden Fall nach seiner Sanierung in neuem Glanz erstrahlen.

Das Grundkonzept:

• Im frisch renovierten und modernisierten Diözesanmuseum wird die Geschichte Bayern um 724 erzählt, als Korbinian Freising erstmals betrat, auf wissenschaftlich neuestem Stand mit vielen noch nie gezeigten Exponaten unter anderem aus den Grabungen am Domberg: die Geschichte des großen bayerischen Stammesherzogtums, das noch ganz Österreich mit umfasste, das die Agilolfinger wie Könige regierten, bis Kaiser Karl der Große Herzog Tassilo in einem fadenscheinigen Verfahren 788 absetzte.

• Im zweiten Teil im Dom und in der Fürstbisch.flichen Residenz geht es darum, wie der Barock diese Geschichte sah. Der Freisinger Bischof Johann Franz Eckher hatte 1724 zum 1000-jährigen Jubiläum die Barockisierung des Doms durch die Gebrüder Asam veranlasst. Hier entstanden herausragende Kunstwerke, zugleich aber auch Quellen für das Geschichtsbild des Mittelalters aus barockem Blickwinkel.

 

Im Jahr 2024 feiert Freising ein Fest, in dessen Mittelpunkt der heilige Korbinian steht. Mit ihm ist die Geschichte der Stadt Freising und des heutigen Erzbistums eng verknüpft: Korbinian gilt als Gründerbischof des Bistums und das Attribut des Heiligen, der bepackte Bär, fand Eingang in das Freisinger Stadtwappen.

Das Leben des heiligen Korbinian

Über das Leben des heiligen Korbinian wissen wir aus einer Quelle, der „Vita Corbiniani“ des Freisinger Bischofs Arbeo, die wenige Jahrzehnte nach Korbinians Tod entstand. Dabei handelt es sich um eine hagiographische Erzählung, die von den Wundertaten des Heiligen berichtet, dazwischen finden sich jedoch glaubhafte Hinweise auf den politischen Kontext des frühmittelalterlichen Bayern. Dieser Lebensbeschreibung folgend wurde Korbinian um 670 im Ort Castrus (heute Arpajon nahe Paris) geboren. Als junger Mann zog er sich mit einigen Gefährten in eine Klause bei der Germanuskirche, gelegen am Rand seines Heimatortes, zurück. Hier setzen die ersten Legenden um seine Wundertaten ein. Die Bekanntheit Korbinians und auch der Zustrom von Menschen zu seiner Klause wuchsen stetig – damit aber auch sein Bedürfnis nach einem Leben in Stille und Einsamkeit. Er beschloss nach Rom zu gehen, um diesem Wunsch gegenüber Papst Gregor II. Ausdruck zu verleihen. Doch der Papst hatte andere Pläne mit Korbinian. Er weihte ihn zum Bischof und schickte ihn wieder zurück ins Frankenreich. Doch Korbinians Unzufriedenheit blieb bestehen, er begab sich erneut auf den Weg nach Rom. Auf bayerischem Gebiet traf er auf den Bayernherzog Theodo und seinen Sohn Grimoald. Dieser bat Korbinian eindringlich, dass er an seinem Residenzort Freising bleiben möge, doch Korbinian lehnte ab. Auf Korbinians Weiterreise riss ein Bär eines seiner Lasttiere. Es gelang ihm, den Bären zu zähmen und ihm das Gepäck aufzuladen. Der Bär wurde später zum Attribut des Heiligen (und fand im 14. Jahrhundert Eingang in das Freisinger Stadtwappen). In Rom angekommen, bat er den Papst wiederholt vergeblich um ein Stück Land und ein einsames Klosterleben. Als Korbinian bei seiner Rückreise durch Bayern zog, wurde er durch Abgesandte Grimoalds an den Hof nach Freising gebracht. Korbinian gründete auf dem Freisinger Domberg bei der bereits bestehenden Marienkirche sowie auf dem Weihenstephaner Berg am Stephanheiligtum klösterliche Gemeinschaften. Während seines Aufenthaltes in Freising schenkte Grimoald ihm das lang ersehnte Grundstück bei Kuens (heutiges Südtirol). Nach einem Streit mit Grimoald verließ Korbinian Freising und ging nach Kuens. Nach Grimoalds Ableben kam er wieder nach Freising zurück, wo er schließlich verstarb. Wie es dem Wunsch Korbinians entsprach, wurde sein Leichnam auf der Zenoburg nahe Meran bestattet. In der Amtszeit von Bischof Arbeo hatte man Korbinians Reliquien vermutlich im Jahr 769 wieder nach Freising zurückgeholt. Dort wird der Gründerbischof bis heute von den Gläubigen verehrt. Sein Namensfest wird am 20. November gefeiert, dazu wird in einer Prozession der Korbiniansschrein im Chorraum aufgestellt (ebenso zur Priesterweihe oder bei Papstbesuchen). Seit 1942 wird das Namensfest auch von der Jugendkorbinianswallfahrt begleitet.

Ein Fest alle hundert Jahre

1724 wurden in Freising das Bistumsmillennium und die Ankunft des heiligen Korbinian, die man damals auf 724 datiert hatte, erstmals gefeiert. Doch wie schloss man damals konkret auf das Jahr 724? Die Ankunft Korbinians konnte und kann man bis heute nicht genau datieren; hingegen bekannt war und ist, dass der Heilige ungefähr zwischen 720 und 730 erstmals auf dem Freisinger Domberg zugegen war. Die Konstruktion des Jubiläumsjahres 1724 ist vor dem Hintergrund der barocken Selbstdarstellung des damals regierenden Fürstbischofs Johann Franz Eckher von Kapfing und Liechenteck zu sehen. 1724 feierte er sein 50jähriges Priesterjubiläum. Ein Zusammentreffen des fürstbischöflichen und des diözesanen Jubiläums brachten ihn in eine erwünschte Nähe zum Gründerbischof Korbinian. Die folgenden Bistumsjubiläen wurden (bzw. werden) jeweils auch wieder im Jahr 24 gefeiert: 1824, 1924 – und 2024. (IHN)