Aufstieg und Fall

Die Extreme in der Gastro-Szene liegen nah beieinander

von Alex Fischer, 02. Juni 2013

Die Freisinger Gastro-Szene befindet sich gerade wieder einmal im Umbruch. Kultkneipen wie das Abseits in Neustift oder die E-Bar an der Sonnenstraße machten dicht. Für immer oder doch wieder nicht. Auf der anderen Seite sind viel versprechende neue Projekte, wie die Orangerie beim Staudengarten in Weihenstephan in aller Munde. Lokale, die wie Phönix aus der Asche aufsteigen, gibt es auch. Siehe nur das Towers, eine Kombination aus Club und Shisha-Bar in den Schlüterhallen.

neu: Towers

Hier hat der neue Pächter Ali Alwan komplett aufgeräumt mit allem, was noch an die Vorgängermodelle Lumen und Duplex erinnern könnte.
„Wir haben alles neu gemacht, den Boden, die Bar, von vorne bis hinten“, sagt Alwan und im Brustton der Überzeugung schickt er hinterher: „Wir haben einen Top-Laden, es gibt momentan nichts Besseres“. Unter der Woche Lounge, am Wochenende Club. So ist der Plan. Als Musikrichtung schwebt dem neuen Betreiber „gemischt und Black“ vor. An Wochentagen soll es eher „relaxed“ zugehen im Schatten der Schlüter-Türme. Am Wochenende wird richtig Party gemacht. Essen gibt es auch: Pizza, Hamburger und türkische Spezialitäten. Und man kann den Laden für Geburtstage und Hochzeiten mieten. Es gibt eine Bühne und eine Empore, die man über eine Treppe bequem erreichen kann. Im Grunde genommen waren Messebauer am Werk, die der Fabrikhalle die Wucht genommen haben. Der Raum ist jetzt klar strukturiert und abteilbar. Die Lounge ist geräumig, aber auch eine richtig kuschelige Ecke. „Man kann praktisch drei Clubs draus machen, und in jedem eine eigene Musik reinspielen“, sagt Ali Alwan. Für Privatfeiern optimal.

neu: Orangerie

Eine Augenweide stellt die neu eröffnete Orangerie am Staudengarten dar. Die Brauerei Weihenstephan hat dort ein ideales Ambiente für ein Café-Bistro der gehobenen Art geschaffen. Der lichtdurchflutete Raum verbreitet eine angenehme Atmosphäre. Stress und Hektik lassen sich  vor diesem Hintergrund leicht vergessen. Die beiden Wirte Buno Baccoli und Pierguiliano Cabras warten mit sardischen Spezialitäten auf. Die Küche in der Orangerie zeichnet sich durch mediterrane Köstlichkeiten aus. Es locken frische Tramezzini, Piadine, Pizza und Salate. Italienische Kaffeespezialitäten sowie liebevoll gebackene Kuchen und leckeres Eis verstehen sich von selbst. Cabras und sein Schwager Baccoli bieten eine wechselnde Wochenkarte mit traditionellen italienischen Gerichten. In einem Shop kann man neben Produkten der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf und der Brauerei Weihenstephan, auch Wein, Kaffee und Spezialitäten der sardischen Küche kaufen. Das Bistro fasst 50 Gäste. Weitere 40 Gäste finden draußen im Freien Platz. Ein Geheimtipp, auch und gerade wenn die Sonne scheint.

geschlossen: Abseits

Viel Stoff für die Gerüchteküche gab es in jüngster Zeit. Vor allem die Abseits-Gemeinde dürfte hin- und hergerissen gewesen sein ob der wechselnden Neuigkeiten. Erst  streicht Urgestein Michael Brommont überraschend die Segel und dann scheint lange nicht klar, ob es überhaupt noch eine Zukunft gibt für die Ur-Kneipe am Herrenweg. Zwischenzeitlich drohte sogar die Abrissbirne. Die Eigentümer haben sich ernsthaft überlegt, ob sich eine Wiederinbetriebnahme überhaupt noch lohnt, denn es stehen einige Renovierungsarbeiten an, um die aktuellen Auflagen zu erfüllen. Inzwischen hat die Brauerei aber offenbar grünes Licht für eine Verpachtung des Lokals erhalten. Wie aus dem Hofbrauhaus zu erfahren war, soll es ab Juli definitiv wieder weitergehen. Mit einem neuen Betreiber. Wer das ist, stand bis Redaktionsschluss allerdings noch nicht wirklich fest. Brauereidirektor Max Amberger ließ durchblicken, dass man sich mit einem Bewerber so gut wie einig sei. Demnach ist der Vertrag aufgesetzt, aber noch nicht unterzeichnet. Wie auch immer, recht viel länger als zwei Jahre Gnadenfrist gibt es nicht im Abseits. Das hat die Hausverwaltung bereits verlauten lassen.

geschlossen: E-Bar

Eine Ära ging jüngst auch in der E-Bar an der Sonnenstraße zu Ende. Generalpächter Klaus Pilz hat sich aus  persönlichen Gründen zurückgezogen. Während des Uferlos-Festivals hat das Lokal mehr oder weniger sang- und klanglos seine Pforten geschlossen. Für Endzeit-Besucher gab es noch einen Kaffee und das war‘s dann für ein Lokal, das einst mit zu den angesagtesten weit und breit gehörte. In Verbindung mit dem Doppelzimmer, das Clubcharakter hatte, zählte die Kombination aus Espresso-Bar und Club zu den beliebten Anlaufstellen für Nachtschwärmer. Wechselnde Djs machten den Gästen in der Cocktailbar Beine. Zeiten, an die schwer anzuknüpfen sein dürfte. Ein neuer Pächter ist offenbar noch nicht in Sicht. Das Lokal ist bis auf weiteres geschlossen. Schade eigentlich.