Der Furtnerbräu hat in all den Jahrhunderten seines Bestehens schon viel erlebt und vieles überlebt. Jetzt steht die nächste, vielleicht die größte Veränderung an. In den kommenden Wochen und Monaten entscheidet sich, ob die Historie des Furtner langfristig weitergeschrieben wird oder ob es den Furtnerbräu mitsamt den ehemaligen Brauereigebäuden mittelfristig nicht mehr geben wird. Die Aktion „Wir retten den Furtner“ läuft an. Und die Zeit drängt.
Vor rund 14 Jahren sind Frank Hager, Andreas Adldinger und Reinhard Fiedler an einem leeren Wirtshaus mitten in Freising vorbeigegangen und haben sich gefragt: Wie kann das sein? Wie kann ein Ort wie der Furtner leer stehen – ausgerechnet mitten in der Stadt? Für die drei war klar: Dagegen muss man etwas tun. Also haben sie den Eigentümer gefragt, ob sie das Gebäude bis zu der damals geplanten Sanierung vorübergehend nutzen dürfen – eigentlich nur für etwa ein Jahr. Er war einverstanden. Die Idee war einfach: mit wenig Geld, viel Einsatz und großem Respekt vor dem Ort wieder eine echte Kneipe einbauen. Kein künstliches Konzept, sondern ein Wirtshaus, das sich wieder nach Furtner anfühlt. Mit Franzi und Zottl haben sie im Freundeskreis zwei Wirte gefunden, die genau die richtige Haltung, Wärme und Energie mitgebracht haben. Gemeinsam wurde gearbeitet, improvisiert, eingerichtet und aufgebaut. Und schon in den ersten Tagen haben viele Gäste gesagt: Es fühlt sich an, als hätte sich gar nichts verändert. Genau so hatten sie den alten Furtner in Erinnerung. Die Menschen waren sofort wieder da – und sofort wieder zuhause. Der Rückschlag, als es nach nur einem Jahr im Wirtshaus brannte, zeigte: Aufgeben war keine Option. Alles wurde wieder eingerichtet, neu aufgebaut, und noch einmal von vorne begonnen.
Das Angebot des Inhabers
Und genau diese Einstellung gilt auch jetzt: Nachdem der Pachtvertrag zum Glück immer wieder verlängert wurde, nachdem aus einer ursprünglich nur vorübergehenden Nutzung ein Ort wurde, den man sich aus Freising nicht mehr wegdenken kann, nachdem jetzt aber der Pachtvertrag nicht mehr verlängert und das Areal verkauft werden sollte, gilt wieder die Prämisse: Aufgeben ist keine Option. Man will das Angebot des Inhabers, die Gebäude in Erbpacht für 99 Jahre zu vergeben, wahrnehmen. Damit ergibt sich erstmals die echte Chance, dieses Haus nicht nur vorübergehend zu nutzen, sondern es langfristig für Freising zu sichern. Und zwar für mindestens 99 Jahre. Erreicht werden soll das durch eine Genossenschaft und viele helfende Hände. Jetzt steht alles auf dem Spiel. Wenn nichts geschieht, wäre dieses Wirtshaus im Herbst Vergangenheit. Ein Ort, der über Jahre gewachsen ist und für viele Menschen selbstverständlich geworden ist, könnte von einem Tag auf den anderen verschwinden. Genau das wollen die Pächter nicht hinnehmen. Und sie haben bereits eine Lösung. Doch damit der Furtner bleiben kann, damit er Wohnzimmer für Jung und Alt bleibt, in dem sich Menschen treffen, die sich seit Jahrzehnten kennen, und solche, die sich zum ersten Mal begegnen, braucht es jetzt den Rückhalt und die Unterstützung vieler Menschen.Die Idee zur Rettung
Es geht darum, den Furtner als einfaches, lebendiges Wirtshaus dauerhaft zu erhalten – mit Respekt vor seiner Geschichte und mit einer tragfähigen Struktur für die Zukunft. Damit das gelingen kann, braucht es eine Genossenschaft. Sie soll als Trägerin in Erbpacht auftreten, das Haus schrittweise sanieren und weiterhin verpachten. Die Genossenschaft ist dabei nicht nur eine juristische Konstruktion, sondern ganz bewusst ein demokratisches Modell: Viele Menschen tragen gemeinsam Verantwortung für einen Ort, der für die ganze Stadt wichtig ist. Wer Mitglied wird, unterstützt also nicht nur ein Gebäude, sondern hilft mit, den Furtner langfristig zu sichern und weiterzuentwickeln. Dieses Modell passt zum Furtner, weil es nicht auf kurzfristige Verwertung ausgerichtet ist, sondern auf dauerhaften Erhalt – ohne dem Druck ständiger Gewinnmaximierung zu unterliegen. Gleichzeitig eröffnet es die Möglichkeit, das gesamte Anwesen behutsam weiterzuentwickeln – also nicht nur das Wirtshaus im Erdgeschoss zu sichern, sondern auch die Obergeschosse und die ehemalige Brauerei Schritt für Schritt wieder nutzbar zu machen.
Die Perspektive
Die Genossenschaft wird zur verlässlichen Trägerstruktur des Projekts. Sanieren mit Maß und erhalten, was den Furtner ausmacht – aber erneuern, was nötig ist. Obergeschosse und Brauerei sollen wieder für die Öffentlichkeit nutzbar werden. Freilich: Der Furtner ist ein historisches Haus und ein Einzeldenkmal. Gerade deshalb braucht jede Sanierung einen klaren Grundsatz: so viel Erneuerung wie nötig, so viel Erhalt wie möglich. Ziel ist nicht, das Haus optisch neu zu erfinden, sondern seine Substanz zu erhalten und es technisch so zu ertüchtigen, dass es für die kommenden Jahrzehnte tragfähig bleibt.
Baustein 1: Dauerhafter Erhalt des Gebäudes: Ein erster großer Bereich ist der Erhalt des Gebäudes selbst. Das Dach muss neu eingedeckt, Dachrinnen etc. müssen erneuert und beschädigte Sparren sowie weitere schadhafte Holzteile im Dachbereich ausgetauscht werden. Die Fenster im Erdgeschoss sollen ersetzt und dabei wieder an den historischen Zustand angenähert werden, auch die übrigen Fenster brauchen eine gründliche Überarbeitung. Hinzukommen die grundlegenden technischen Gewerke wie Elektro, Heizung, Wasser- und Abwasserleitungen, die umfassend erneuert werden müssen.
Baustein 2: Genauso wichtig ist der zweite Bereich: Das Wirtshaus im laufenden Betrieb zukunftsfähig zu machen. Denn auch wenn sich der Furtner für die Gäste möglichst nicht verändern soll, muss hinter den Kulissen viel passieren. Die WC müssen neu gebaut werden, Lager und Kühlräume brauchen eine zeitgemäße Lösung, ebenso die Theke. Auch eine eigene kleine Küche gehört zu einem funktionierenden künftigen Betrieb dazu.
Baustein 3: Um die Obergeschosse künftig für Kultur, Ateliers, Büros oder Ausstellungen nutzen zu können, ist auch hier eine behutsame Sanierung nötig. Küche und WC müssen ergänzt, die technische Infrastruktur ertüchtigt werden. Gleichzeitig sollen Raumstruktur, Stuck und historische Details erhalten bleiben. Damit die Nutzung später nicht eingeschränkt ist, braucht es außerdem einen zusätzlichen Fluchtweg. Der Furtner könnte damit nicht nur im Erdgeschoss, sondern als ganzes Haus zu einem lebendigen kulturellen Treffpunkt für Freising werden.
Baustein 4: Die historische Brauerei lässt sich baurechtlich nicht ohne Weiteres neu nutzen. Dennoch soll sie wieder begehbar und erlebbar werden – zunächst vor allem für Führungen. Dafür müssen Holztreppen und Erschließung gesichert sowie Beleuchtung, Sicherheit und Fluchtwege geschaffen werden. So kann ein verborgener Teil des Furtners wieder geöffnet werden. Damit würde ein Teil der Geschichte des Hauses sichtbar, den viele heute kaum kennen. Führungen durch die Brauerei wären ebenso denkbar wie Bierverkostungen, kleine Veranstaltungen oder private Feiern. Im Erdgeschoss der Brauerei – dort, wo früher die Braukessel standen – könnte wieder eine kleine Brauerei einziehen. Die Idee eines eigenen Furtnerbiers knüpft direkt an die Geschichte des Hauses an und würde dem Ort eine zusätzliche, unverwechselbare Identität geben. Der Furtner würde damit weit mehr als ein historisches Wirtshaus bleiben. Er könnte zu einem Haus werden, in dem sich Gastronomie, Kultur, Gemeinschaft und Stadtgeschichte auf seltene Weise verbinden. Genau darin liegt die große Chance: den Furtner nicht nur zu retten, sondern ihn als offenen Kulturort für ganz Freising in die Zukunft zu führen. Entscheidend ist dabei, dass der Furtner optisch Furtner bleibt. Wer hereinkommt, soll nicht das Gefühl haben, dass ein alter Ort glatt modernisiert wurde. Die vertraute Atmosphäre soll erhalten bleiben – mit einer Technik und Infrastruktur, die den Betrieb langfristig möglich macht. Sanierung soll nicht Verwandlung, sondern Sicherung sein – als sorgfältige Weiterentwicklung eines Hauses, das seine Geschichte zeigen darf.
Wie die Rettung gelingen kann
Einfach, direkt und für alle möglich: Das Unterstützer-Bier-Abo ist der unkomplizierteste Weg, den Furtner zu stärken. Es richtet sich an alle, die sagen: Dieser Ort soll bleiben – auch ohne sich sofort mit größeren Summen zu beteiligen. Das Modell ist bewusst niedrigschwellig angelegt: Für nur 10 Euro im Monat kann man Unterstützerin oder Unterstützer werden. Als Dank gibt es dafür jeden Monat einen Furtner-Gutschein im Wert von 5 Euro. Dieser kann jederzeit vor Ort eingelöst werden – für ein Bier, mit oder ohne Alkohol, oder alternativ für zwei Schalen Chips oder Flips. Das Unterstützer-Bier-Abo kann schnell und unkompliziert online auf der Furtner-Seite abgeschlossen werden. Die Gutscheine werden automatisch jeden Monat digital im Mitgliederbereich hinterlegt und zusätzlich per E-Mail verschickt. Dieser Beitrag ist ganz wesentlich für das gesamte Projekt. Denn nur mit vielen regelmäßigen Unterstützerinnen und Unterstützern lassen sich die hohen monatlichen, dauerhaften Belastungen – etwa für Zins, Tilgung, Erbpacht und laufende Kosten – auf Dauer verlässlich tragen. Gerade deshalb ist das Unterstützer-Bier-Abo weit mehr als eine symbolische Hilfe.
Der zentrale Baustein des gesamten Konzepts ist die Genossenschaft. Sie soll als demokratische Trägerstruktur auftreten, den Furtner samt Brauerei in Erbpacht übernehmen, das Haus sanieren und die einzelnen Bereiche verpachten. Damit wird der Furtner nicht nur kurzfristig weitergeführt, sondern strukturell für die kommenden Jahrzehnte gesichert. Mitglied der Genossenschaft zu werden bedeutet, sich an diesem Vorhaben verbindlich zu beteiligen. Die Genossenschaft schafft die Grundlage für Erwerb in Erbpacht, Sanierung und langfristige Verpachtung und sorgt zugleich dafür, dass der Furtner auf viele Schultern verteilt getragen wird. Mitglied werden können Privatpersonen, Unternehmen und andere Organisationen. Dafür werden Genossenschaftsanteile gezeichnet bzw. erworben. Mit der Mitgliedschaft ist nicht nur eine finanzielle Beteiligung verbunden, sondern auch ein Stimmrecht in der Genossenschaft. Die Mitglieder können damit in den Versammlungen über wichtige Fragen mitentscheiden und die Entwicklung des Projekts mittragen. Ein Anteil kostet 500 Euro. Damit möglichst viele mitmachen können, ist der Einstieg bewusst niedrig gewählt. Man darf aber auch mehrere Anteile zeichnen. Auch Firmen können Mitglied in der Genossenschaft werden. (Es gilt immer: 1 Mitglied = 1 Stimme, unabhängig von der Zahl der Anteile.) Besondere Beteiligungen werden auf einer Tafel gewürdigt: Partner: 20 Anteile, Hauptpartner: 30 Anteile, Mäzen: 50 Anteile Bei Kündigung werden die eingezahlten Anteile zurückgezahlt. Die Kündigung ist erst nach drei Jahren möglich mit einer Frist von 24 Monaten.
Dann gibt es noch die Möglichkeit für Nachrangdarlehen: Zusätzliches Kapital hilft, die notwendigen baulichen Maßnahmen umzusetzen. Nachrangdarlehen ergänzen die Genossenschaftsanteile und stärken die Finanzierung der Sanierung. Damit helfen sie, aus der Idee ein dauerhaft tragfähiges Projekt zu machen.
Und schließlich ganz praktisch: Beim Bau helfen und anpacken! Viele Arbeiten lassen sich nicht nur mit Geld, sondern auch mit Zeit, Material und Know-how stemmen – von regionalen Fachfirmen bis zu erfahrenen Hobby Handwerkern. Für viele Bautätigkeiten braucht man dringend die Hilfe von Freisinger Firmen.
Dieser Artikel erschien im FINK-Magazin vom Mai 2026.
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