Mit Sicherheit nicht grün hinter den Ohren!

HSWT Weihenstephan

von Katrin Stockheim, 03. Dezember 2013

Mit allem, was im weitesten Sinne mit Natur, Ernährung und Umwelt zu tun hat, befasst sich die Lehre und Forschung an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. Von der naturwissenschaftlichen bis zur künstlerischen Auseinandersetzung, von „HighTech“ bis „LandArt“, vom Molekül über den Baum bis hin zum Landschaftsraum, das Spektrum könnte nicht vielfältiger sein. Ein unmittelbarer Praxisbezug und fundierte wissenschaftliche Grundlagen gelten als Markenzeichen und Erfolgsrezept. Ganz im Sinne des ökologischen Zeitgeistes hat die Hochschule ihr Fächerspektrum in den vergangenen Jahren klar und konsequent auf die so genannten „grünen Fächer“ ausgerichtet. Damit präsentiert sich die HSWT als eine der innovativsten Lehranstalten in Deutschland. Diese Dynamik spiegelt sich auch in einer modernen Unterrichtsgestaltung wider. Das Durchschnittsalter der 137 Professorinnen und Professoren liegt aktuell bei 51 Jahren. Manuel Dehnert, Doktor der Naturwissenschaften, ist mit 36 Jahren der jüngste Professor an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. Zum 01. Oktober 2013 hat er sein Büro im historischen Löwentorgebäude hoch oben auf dem Weihenstephaner Berg bezogen. Seit Semesterbeginn hält er Vorlesungen und gibt Übungen für Studentinnen und Studenten des ersten und dritten Semes-ters der Brau- und Getränketechnologie sowie der Biotechnologie. Sein Fachgebiet erstreckt sich auf die Bereiche Mathematik, Statistik und Informatik. Er gehört nicht zu den Menschen, die bereits im Kindergarten wussten, was sie einmal werden möchten. Im Gegenteil, sein Berufswunsch ist ihm erst spät klar geworden, doch dann in aller Deutlichkeit. Mit dem Ziel vor Augen, einmal in die Lehre zu gehen, verfolgte er seine berufliche Karriere konsequent: Nach dem Studium der Mathematik an der Hochschule Darmstadt folgte die Promotion im Bereich Bioinformatik an der Technischen Universität ebenfalls in Darmstadt. Als Post-Doktorand ging es im Anschluss für zwei Jahre nach Bremen an die private Jacobs University. Am Robert-Koch-Institut in Berlin war er dann weitere fünf Jahre als Statistiker in der Abteilung für Infektionsepidemiologie tätig. In Kursen vermittelte er sein Wissen im Bereich der Statistik an Kolleginnen und Kollegen. Zusätzlich übernahm er einen Lehrauftrag an der Charité. Für Dehnert ist es eine Herausforderung, guten Unterricht zu machen und praktisches Wissen über die Grenzen der Fachrichtungen hinweg zu vermitteln. Als besonders reizvoll empfindet er dabei die Schnittstellen der von ihm gewählten Schwerpunkte zu anderen naturwissenschaftlichen Disziplinen. Es sollte also nicht überraschen, dass er sich als Forscher mit der Modellierung von Infektionskrankheiten beschäftigt und die Analyse von Genomen seine Neugier weckt.

Nicht ganz so abstrakt ist die Lehrtätigkeit von Doktorin Anne Kress, die mit 33 Jahren die jüngste Professorin an der Hochschule ist. Zum 01. September 2013 hat sie eine neu geschaffene Professur für das Lehrgebiet der Windenergie an der Fakultät für Wald und Forstwirtschaft angetreten. Einen festen Rahmen für die Lehrtätigkeit im Fachgebiet Windenergie gibt es aktuell noch nicht. Dieser offene Gestaltungsspielraum macht die Arbeit einerseits für sie reizvoll, fordert aber auch viel Engagement. Wie vielschichtig ihr Lehrbereich ist, verdeutlichen die drei von ihr betreuten Schwerpunkte: Windenergie, physikalisch-technisches Grundlagenwissen sowie angewandtes Projektmanagement. Nach und nach wird Kress in den kommenden Semestern Vorlesungen zu diesen Themen sowohl in zwei Bachelor- wie auch in zwei Masterstudiengängen entwickeln und halten. Dazu gehört auch ein Pflichtmodul über die internationale Klima- und Energiepolitik auf Englisch. Dass der berufliche Weg langfristig in die Lehre führen wird, stand für Kress bereits nach dem Studium der Geoökologie an der Universität Karlsruhe und der darauffolgenden Promotion im Bereich der Klimaforschung an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich fest. Begleitend zur Promotion absolvierte sie daher eine didaktische Ausbildung im Bereich der Umweltingenieurswissenschaften und arbeitet in der Erwachsenenbildung. Doch einfach nur Theorie zu vermitteln, reichte ihr nicht. Sie wollte eigene praktische Erfahrungen weitergeben. Diese sammelte sie in den folgenden Jahren als Projektkoordinatorin beim Schweizer Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie „MeteoSchweiz“ sowie beim Elektrizitätswerk der Stadt Zürich als Projektleiterin „Anlagen Erneuerbare Energien“ mit dem Fokus auf internationale Windkraftprojekte. Aktuell lässt die Einarbeitung in die neu geschaffene Professur eigene praktische Forschungen derzeit noch nicht zu, konkrete Pläne hat die Professorin indessen schon: Zum einen möchte sie in Zusammenarbeit mit ihrem über Jahre hinweg aufgebauten Netzwerk zukunftsfähige Vermarktungsmethoden für Windstrom entwickeln. Zum anderen sieht sie Verbesserungspotenzial in der Ausweisung möglicher Standorte für neue Windkraftanlagen nach ökologischen, ökonomischen und sozialen Kriterien.