Weihenstephaner Studenten:

„Manchmal fühlen wir uns schon alleine gelassen“

von Sebastian Beck, 03. Februar 2012

Das Wintersemester 2011/2012 neigt sich dem Ende zu. Es war ein besonderes Halbjahr für die Unis in Bayern. Gleich zwei Abiturjahrgänge drängten an die Hochschulen, so auch in Weihenstephan. Zeit also, gemeinsam mit den Studenten Bilanz zu ziehen. Und die fällt nicht gerade positiv aus. Die Stimmung unter den Studierenden ist nicht die beste, und das liegt nicht nur an der stressigen Prüfungszeit.
Hörsaal 341 im Gebäude C4 der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf: Die Vorsitzende des studentischen Konvents, Franziska Krisch, bespricht sich mit anderen Studentenvertretern. Für die meisten war es ein langer Tag an der Uni, dazu stecken die Studenten mitten im Lernen für die Prüfungen, die unweigerlich am Ende jedes Semesters kommen. Trotzdem nehmen sie sich die Zeit, dem FINK etwas über ihren Alltag und die Situation an der Uni zu erzählen. Die einhellige Meinung der Studentenvertreter: In diesem Semester haben sich bestehende Probleme durch den doppelten Abitur-Jahrgang noch verschärft:
Etwa die Wohnungssituation: „Gerade viele Erstsemester tun sich immer noch schwer“, erzählt die Lebensmitteltechnologie-Studentin Vivien Gröbel. Viele wohnen zur Zwischenmiete, manche sind ins Umland gezogen, pendeln jeden Tag nach Weihenstephan, sind auf das Auto angewiesen. Und das ist laut den Studenten dann schon das nächste Problem: zu wenig Parkplätze. Auch im Studienalltag macht sich bemerkbar, dass in diesem Semester rund 1200 junge Leute ihr Studium auf- genommen haben. Die Hörsäle sind überfüllt, Sitzplätze Mangelware. „Die Treppen waren noch nie so sauber“, erzählt Jürgen Kolb, Forstingenieurstudent und Fakultätsrat Wald und Forstwirtschaft. Eben weil viele auf den Stufen Platz nehmen müssen, wenn sie die Vorlesung hören wollen. „Das beeinträchtigt das Lernen schon extrem“. Aber das gehe nicht nur den Studenten so, auch den Professoren. So mussten deutlich mehr Praktika-Gruppen gebildet werden. „Die Professoren stehen oft von acht Uhr früh bis acht Uhr abends da“, sagt Alina Mistral, Lebensmittelmanagement-Studentin und Fakultätsrätin Gartenbau und Lebensmittelmanagement.
Kolb ergänzt: „Wenn die Professoren ihre Überstunden abreißen würden, wären wir hier alleine.“
Nicht zufrieden sind die Studenten auch mit Freising. „Man hat nicht das Gefühl, dass sich die Stadt um unsere Belange kümmert“, kritisiert Forststudent Kolb. Er hat den Eindruck, der Stadt wäre es lieber, wenn es möglichst wenig Studenten gibt, allein schon wegen des knappen Wohnraums. Angestellte und Familien würden mehr Steuern bringen als Studenten, so Kolb. Kritik üben die Studenten auch an der Anbindung Weihenstephans durch den öffentlichen Nahverkehr. „Es gibt zwar einen Bus, aber wenn meine S-Bahn aus München nur ein bisschen Verspätung hat, ist Laufen angesagt“, sagt Marie Gehring, die in Weihenstephan Lebensmitteltechnologie studiert. Ein weiterer Punkt: für Feste wie das Maifest würden sich die Studenten eine spätere Sperrzeit wünschen. Und: viele Studenten betonen, dass in Freising für ihren Geschmack zu wenig los ist. Weshalb einige erst gar nicht in Freising unterwegs sind, sondern sich am Campus in den Einrichtungen für die Studenten zurückziehen.
Viel Zeit, um abends etwas zu unternehmen, bleibt vielen allerdings sowieso nicht. „Die Umstellung auf Bachelor und Master macht sich schon deutlich bemerkbar“, sagt Alina Mistral. Der Stoff von acht Semestern muss jetzt in sieben Semestern gelernt werden. 12-Stunden-Tage sind da keine Seltenheit: „Man hat oft das Gefühl, dass man in der Uni wohnt“. Besonders vor und während der Prüfungszeit: bei sechs, sieben Prüfungen mit Skripten von je 500 Seiten sind die Studenten gut beschäftigt. „Wer da erst zwei Wochen vorher mit dem Lernen anfängt, der kann gleich wieder nach Hause gehen“, so Mistral. Wie es nach dem Studium auf dem Arbeitsmarkt aussieht, wissen die Studenten nicht. Zwar gibt es Studiengänge, in denen sich die Studenten wenig Sorgen machen: „Bei Landschaftsbau sind die Jobaussichten 100 Prozent.“ Andere blicken da nicht so optimistisch in die Zukunft: „Man weiß nie, was passiert“, so Marie Gehring. „Das Studium alleine reicht nicht aus,“ ergänzt Mistral. Praktika sind notwendig. Oder auch Beziehungen.