Erinnern Sie sich noch daran, als die Ideen zu dem Projekt aufkam? Gab es einen bestimmten Anlass oder ist das Ganze mit der Zeit gereift?
Die Idee ist aus der Begeisterung für Konzerte und Live-Musik entstanden. Ich habe selbst viele Konzerte besucht, auch international, und dabei erlebt, welchen Unterschied die Akustik, die Sicht auf die Bühne und die Atmosphäre einer Veranstaltungsstätte für das Konzerterlebnis machen. Vor allem aber auch, wie viel Musik bei Menschen auslösen kann, wie sie begeistert, verbindet und gemeinsame Erlebnisse schafft. Irgendwann habe ich mich gefragt: Warum gibt es eigentlich nicht auch bei uns eine moderne Arena, die von Anfang an speziell für Konzerte konzipiert wurde? Also eine richtige Konzertarena?
Mir war von Anfang an wichtig, etwas für unsere Heimat und die Menschen, die hier leben, zu schaffen. Ich komme selbst aus Freising und bin hier fest verwurzelt. Bei der Standortwahl durfte aber nicht meine persönliche Verbundenheit zur Region den Ausschlag geben, sondern die objektive Eignung des Standorts. Deshalb haben wir zahlreiche Standorte in der Metropolregion München systematisch untersucht und anhand verschiedener Kriterien bewertet – von der Erreichbarkeit und der bestehenden Infrastruktur über die Auswirkungen auf das Umfeld bis hin zur wirtschaftlichen Machbarkeit.
Am Ende fiel die Wahl tatsächlich auf einen Standort in Freising. Bei unserer umfassenden Bewertung hat er sich objektiv als der am besten geeignete herausgestellt. Dass wir die Konzertarena nun ausgerechnet in meiner Heimatstadt verwirklichen können, freut mich natürlich ganz besonders.
Was hat sich im Vergleich zur Ursprungsidee geändert und was ist gleich geblieben?
Eines ist von Anfang an gleich geblieben: Wir wollten eine Arena bauen, bei der die Musik im Mittelpunkt steht. „Music First“ ist unsere DNA – und das sieht man schon am Grundriss. Die Zuschauer sitzen in einer steilen, hufeisenartigen 270-Grad-Bowl, alle Plätze sind zur Bühne orientiert. Bei der Planung der Sichtlinien achten wir besonders auf die sogenannten C-Werte. Sie sind ein wichtiges Maß für die Sichtqualität und beschreiben, wie gut man von seinem Platz aus über die Köpfe der Zuschauer vor sich hinweg auf die Bühne sehen kann. Unser Ziel ist, dass die Fans von allen Plätzen eine hervorragende Sicht auf ihren Künstler haben.
Genauso wichtig ist die Akustik. Ein Beispiel, in einer Sportarena für Eishockey oder Basketball gehört es dazu, dass die Fans eine möglichst lautstarke Atmosphäre erzeugen. Bei einem Konzert soll dagegen jeder Ton klar und differenziert ankommen – ob eine leise Passage von Adele oder das Geigenspiel von André Rieu. Deshalb stimmen wir Raumform und Materialien gezielt auf Live-Musik ab und vermeiden im Zuschauerraum große, stark reflektierende Glasflächen, die störenden Nachhall verursachen können. Im eigentlichen Veranstaltungsraum verzichten wir außerdem bewusst auf Tageslicht. So können Künstler ihre Licht- und Bühnenshows unabhängig von der Tageszeit genau so inszenieren, wie sie gedacht sind.
Diese Spezialisierung war auch bei der Auswahl der Architekten entscheidend. Wir haben einen internationalen Architekturwettbewerb durchgeführt und dafür gezielt Büros mit Erfahrung in der Planung von Konzertarenen eingeladen. Durchgesetzt hat sich PopulousArchitekten aus London, die unter anderem die Co-Op Live Arena in Manchester und die The O2 Arena in London geplant haben. Diese Expertise kommt unmittelbar der Qualität unserer Arena zugute. Weiterentwickelt haben wir über die Jahre vor allem Technik und Architektur, auch im Austausch mit dem Gestaltungsbeirat – nicht unsere Grundidee.
So ein Projekt ist ein Marathonlauf durch Behörden. Hatten Sie das in diesem Umfang erwartet?
Dass das Verfahren anspruchsvoll wird, war uns klar. Bei einer Arena für rund 20.000 Fans müssen viele Fragen sorgfältig beantwortet werden – vom Verkehr über Lärm, Natur- und Artenschutz bis zu Wasser und Energie. Was ich dabei wirklich schätze, ist das klare und transparente Verfahren mit der mehrfachen Beteiligung der Öffentlichkeit und der Fachbehörden unter Führung der Großen Kreisstadt Freising.
Wir haben die Anregungen sehr ernst genommen, intensiv geprüft und in unsere Planung einfließen lassen. Das war uns wichtig, gerade weil wir selbst aus der Region kommen. Ein schönes Ergebnis dieser Arbeit war, dass bei der letzten öffentlichen Auslegung aus der Bevölkerung keine weiteren Anregungen mehr eingegangen sind. Für mich ist das ein gutes Zeichen, dass sich der intensive Austausch gelohnt hat.
Auch die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung, dem Stadtrat, dem Planungs- und Bauausschuss, dem Gestaltungsbeirat und den beteiligten Behörden habe ich als stets offen und konstruktiv erlebt. Wir bauen schließlich nicht für ein paar Jahre, sondern für mehrere Jahrzehnte. Da ist eine sorgfältige Planung gut investierte Zeit.
Nehmen Sie uns doch einmal mit auf die Reise bis zum Spatenstich. Mit wem wurden Gespräche geführt?
Mit unglaublich vielen Menschen. Wenn ich sie alle aufzählen wollte, wäre das Interview wahrscheinlich schon zu Ende. (lacht) Nach der Standortprüfung ging es zunächst darum, die planungsrechtlichen Voraussetzungen zu schaffen. Es folgten über Jahre intensive Gespräche mit der Stadt Freising, dem Landkreis, dem Flughafen, der Regierung von Oberbayern und zahlreichen Fachbehörden. Ebenso wichtig war der regelmäßige Austausch mit politischen Vertretern aus der Stadt und dem Landkreis Freising sowie mit unseren Nachbargemeinden und Landkreisen, insbesondere Oberding, Hallbergmoos und Erding. Parallel dazu haben wir mit unseren Architekten, Ingenieuren und vielen weiteren Fachleuten an den Details gearbeitet.
Ein weiterer entscheidender Schritt war die strategische Partnerschaft mit Live Nation, einem der weltweit führenden Unternehmen für Konzerte und Live-Entertainment. So fließen Erfahrungen aus internationalen Konzertmärkten und Arenen, etwa in Amsterdam, Kopenhagen oder Dublin, direkt in die Planung und den späteren Betrieb ein.
Wenn ich heute auf diesen Weg zurückblicke, denke ich vor allem daran, wie viele Menschen mit Fachwissen, Geduld und Vertrauen dazu beigetragen haben, dass wir jetzt an diesem Punkt stehen.
Wie viele Gutachten wurden erstellt?
Die genaue Zahl müsste ich anhand unserer Unterlagen prüfen. Ich gehe von einer mittleren zweistelligen Anzahl aus, wobei viele Untersuchungen im Laufe der Jahre mehrfach ergänzt und aktualisiert wurden. Dazu zählen Gutachten zu Verkehr, Schall, Licht, Natur- und Artenschutz, Boden, Grundwasser und Entwässerung.
Allein beim Verkehr wurde detailliert untersucht, wie die Menschen an- und abreisen und wie sich die Besucherströme verteilen. Die Gutachter haben bestätigt, dass die bestehende Infrastruktur grundsätzlich leistungsfähig ist, aber auch Stellen aufgezeigt, an denen wir gezielt nachbessern müssen. Dazu gehören beispielsweise die Optimierung des Knotenpunkts B 301/Freisinger Allee, sichere und komfortable Querungen für Fußgänger und Radfahrer mit Lichtsignalanlagen. Auch eine dynamische Verkehrslenkung und entsprechende Beschilderung sind vorgesehen.
Gerade bei solchen Fragen sollte man nicht aus dem Bauch heraus entscheiden. Wir kennen die Region und wissen, wie wichtig eine funktionierende Verkehrsinfrastruktur für die Menschen vor Ort ist. Als Bauherr haben wir genau das gleiche Interesse. Deshalb war es uns wichtig, gemeinsam gute und langfristig tragfähige Lösungen zu entwickeln.
Wie oft wurde umgeplant?
Ich würde es eher als kontinuierliche Weiterentwicklung und Optimierung bezeichnen. Über mehrere Jahre kommen immer neue Erkenntnisse hinzu – aus dem Genehmigungsverfahren, der Technik oder der architektonischen Planung.
Ein gutes Beispiel ist das Gebäude selbst. Gemeinsam mit unseren Architekten haben wir es kompakter und effizienter gestaltet und so das Gebäudevolumen um rund 20% reduzieren können, ohne die geplante Besucherkapazität zu verringern. Auch bei Verkehr, Energie und Veranstaltungstechnik haben wir vieles weiterentwickelt.
Für mich gehört es zum Unternehmertum, Entscheidungen immer wieder kritisch zu hinterfragen. Nicht weil die ursprüngliche Idee falsch war, sondern weil das Ergebnis dadurch noch besser werden kann.
Gab es in dieser Zeit böse und schöne Überraschungen?
Natürlich beides. Die Corona-Pandemie und die erheblichen Kostensteigerungen in der Bauwirtschaft konnte in diesem Ausmaß niemand vorhersehen. Da gab es schon Momente, in denen man sich fragte, welche Herausforderung wohl als Nächstes kommt. Dann hilft nur, ruhig zu bleiben und Lösungen zu finden.
Auf der anderen Seite hat mich die positive Resonanz aus Freising und der Region immer wieder motiviert. Wenn mich jemand in der Stadt auf die Arena anspricht und erzählt, wie sehr er sich auf die ersten Konzerte freut, ist das eine schöne Bestätigung und Motivation. Solche Begegnungen zeigen mir, wofür wir das alles machen.
Im Freisinger Stadtrat gab und gibt es Kritiker dieses Projekts. Haben Sie das erwartet?
Bei einem Projekt dieser Größenordnung wäre es eher ungewöhnlich, wenn von Beginn an alle derselben Meinung wären. Fragen zum Verkehr, zur Umwelt oder zur Entwicklung der Stadt sind nachvollziehbar und gehören zu einer demokratischen Diskussion.
Mir war wichtig, diese Fragen ernst zu nehmen und sachlich zu beantworten. Auch kritische Rückmeldungen können helfen, noch einmal genauer hinzusehen. Am Ende hat der Stadtrat nach einem umfangreichen Verfahren den Bebauungsplan beschlossen und damit den Weg für die Realisierung des Projekts freigemacht. Dafür bin ich dankbar und sehe es zugleich als unsere Verantwortung, das entgegengebrachte Vertrauen durch gute Arbeit zu rechtfertigen.
Was entgegnen Sie den Skeptikern heute?
Mir ist wichtig, mit allen auf Augenhöhe zu sprechen, gerade auch mit Menschen, die unser Projekt kritisch sehen. Deshalb würde ich zunächst fragen, was sie konkret beschäftigt. Hinter Skepsis stehen oft nachvollziehbare Sorgen, die wir ernst nehmen. Genau deshalb haben wir uns über Jahre hinweg intensiv mit den Themen Verkehr, Umwelt und Standortverträglichkeit auseinandergesetzt.
Am geplanten Standort nutzen wir eine Lage mit bereits vorhandener Verkehrsinfrastruktur. Auch einen großen Teil der benötigten Besucher-Parkplätze können wir über bestehende Anlagen abdecken, statt neue Stellplätze bauen zu müssen. Das spart Fläche und ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich vorhandene Infrastruktur sinnvoll mehrfach nutzen lässt.
Mir ist aber genauso wichtig, die Chancen für Freising und die Region sichtbar zu machen. Ich habe da ein schönes Bild vor Augen: Wenn irgendwann vielleicht Coldplay, Bruce Springsteen oder Helene Fischer bei uns auftreten, sieht man schon am Nachmittag Fans mit ihren Band-T-Shirts in der Freisinger Innenstadt. Sie trinken in den Kneipen ein Bier, essen ein Eis an der offenen Moosach, oder gehen gemeinsam ins Restaurant, bevor sie zum Konzert fahren. Genauso stelle ich mir Freisinger vor, die sich seit Monaten auf einen Auftritt freuen und ihren Konzertabend schon mit Freunden und Familie in der Stadt beginnen.
Davon können Gastronomie, Handel, Hotellerie und familiengeführte Pensionen profitieren. Aber es geht um mehr als Umsatz: Musik bringt Menschen zusammen und schafft gemeinsame Erlebnisse. Die Arena soll ein Kulturverstärker und ein echter Wirtschaftsfaktor für die Region werden. Ich erwarte nicht, dass alle sofort begeistert sind. Aber ich wünsche mir, dass wir auch Skeptiker mit dem überzeugen, was wir tatsächlich umsetzen.
Stand der Bau der Konzertarena zu irgendeiner Zeit auf der Kippe?
Bei einem Projekt dieser Größenordnung gibt es über die Jahre immer wieder Risiken und offene Fragen. Die Corona-Pandemie war dafür ein besonders einschneidendes Beispiel. Damals wusste niemand, wie sich das Leben und der Konzertmarkt verändern würden. Ich war aber immer überzeugt, dass Menschen auch nach einer solchen Krise wieder zusammenkommen und gemeinsam etwas erleben wollen. Wie groß die Begeisterung für Live-Konzerte heute ist, bestätigt uns darin.
Solange zentrale Fragen zu Standort, Planungsrecht und Wirtschaftlichkeit nicht ausreichend geklärt sind, kann niemand die Umsetzung eines solchen Vorhabens garantieren. Alles andere wäre unseriös. Deshalb haben wir uns den Herausforderungen konsequent gestellt, Lösungen erarbeitet und unsere Entscheidungen immer wieder kritisch überprüft. Unser Ziel war stets, das Projekt auf eine solide technische und wirtschaftliche Grundlage zu stellen. Und genau das ist uns gelungen.
Möglich war das nur mit einem starken Team, erfahrenen Partnern und vielen Menschen, die unser Vorhaben konstruktiv begleitet und unterstützt haben. Besonders wertvoll war dabei auch der Rückhalt aus der Bevölkerung und der Politik. Umso schöner ist es, dass wir jetzt an diesem Punkt stehen: aus vielen Jahren intensiver Planung wird nun sichtbare Realität.
Sie investieren hier über 400 Millionen Euro. Da darf nichts schiefgehen.
Ich habe großen Respekt vor dieser Verantwortung. Bei einer Investition in dieser Größenordnung muss man sehr genau wissen, was man tut. Unternehmertum bedeutet aber auch, kalkulierte Risiken einzugehen. Entscheidend ist, sie zu kennen, realistisch zu bewerten und professionell zu steuern. Deshalb haben wir uns über Jahre intensiv mit der Planung, der Wirtschaftlichkeit und den späteren Betriebsabläufen beschäftigt. Eine Arena muss nicht nur gebaut werden können – sie muss anschließend auch über Jahrzehnte erfolgreich funktionieren.
Dass wir dabei auf ein starkes Team, erfahrene Fachleute und verlässliche Partner zählen können, ist für mich entscheidend. Natürlich beschäftigt mich das Projekt auch abends oder am Wochenende. Aber wenn man von etwas überzeugt ist und mit Leidenschaft daran arbeitet, gehört das wohl dazu.
Ein Blick in die nähere Zukunft. Für wann sind welche Bauabschnitte geplant?
Mit dem Spatenstich markieren wir den Übergang von der langen Planungsphase in die bauliche Umsetzung. Zunächst stehen die Baustelleneinrichtung und die Erdarbeiten an. Danach folgen die Pfahlgründungen und die Fundamente.
Anschließend soll der Hochbau mit dem Tragwerk und dem großen freitragenden Dach beginnen. Eine Spannweite von rund 100 Metern ohne Stützen im Innenraum ist echte Ingenieurskunst. Parallel werden die umfangreichen technischen Anlagen vorbereitet und eingebaut – von Energieversorgung und Lüftung über Sicherheits- bis zur Veranstaltungstechnik.
Der Schwerpunkt der Bauarbeiten liegt in den Jahren 2027 bis 2029. Danach folgt die Inbetriebnahme, umfangreiche Tests und die Vorbereitung des Konzertbetriebs.
Bleibt es beim Eröffnungstermin 2029?
Ja, unser Ziel bleibt die Eröffnung 2029. Natürlich liegen noch anspruchsvolle Schritte vor uns. Deshalb überprüfen wir den Zeitplan laufend und mit der nötigen Sorgfalt.
Am Ende muss nicht nur das Gebäude fertig sein. Auch die Technik, die Sicherheit und sämtliche Betriebsabläufe müssen zuverlässig funktionieren. Dafür nehmen wir uns die notwendige Zeit. Wichtiger als ein bestimmtes Datum ist, dass für unsere Besucher alles reibungslos, sicher und komfortabel abläuft. Da werden wir keine Kompromisse machen.
Ich freue mich jedenfalls schon heute auf diesen Moment: Wenn zum ersten Mal die Besucher in die Arena kommen, das Licht ausgeht und die Musik beginnt, wird das für mich sicherlich sehr emotional.
Und zum Schluss: Vervollständigen Sie bitte folgenden Satz: „Die Konzertarena ist für Freising und die ganze Region …“
… eine große Chance, Menschen durch Musik zusammenzubringen, unsere Heimat kulturell und wirtschaftlich zu bereichern und vielleicht sogar die nächste Generation von Musikern zu inspirieren.
Ich würde mir wünschen, dass die Arena vor allem für junge Menschen auch eine Art musikalischer Leuchtturm wird. Im Sport beginnt es oft im Ortsverein, und vielleicht träumt ein Kind davon, eines Tages in der Allianz Arena zu spielen. In der Musik ist es ähnlich: Man lernt ein Instrument, spielt in der Musikschule, später in kleinen Clubs oder auf kleinen Bühnen, veröffentlicht vielleicht erste eigene Songs und findet nach und nach sein Publikum. Daraus kann Schritt für Schritt etwas Größeres werden.
Wie schön wäre es, wenn eines Tages eine junge Musikerin oder ein junger Musiker aus Freising bei uns auf der großen Bühne steht. Das wäre für mich persönlich einer der schönsten Momente überhaupt.

