Timi geht essen: Spielbank Bad Wiessee

von Tim Kugler, 02. April 2013

Bei einem anständigen Junggesellenabschied darf ja ein Casino Besuch nicht fehlen. Sagen die Leute. Sieht man ja auch immer im Fernsehen. Also soll auch bei Andis Abschied solch eine Einrichtung aufgesucht werden. Der Andi is eh so einer… Hat mir gar nicht gesagt, dass er heiratet. Mein Freud der Andi. Eine windige Facebook (!) Einladung hab ich von seinem Trauzeugen erhalten. Unpersönlicher geht’s irgendwie nicht, oder?! Pff! Also ich hab eigentlich schon gar keinen Bock, da hinzugehen. Vielleicht ist es ja auch nur ne Verarsche und ich steh dann allein um 23:45 Uhr am Tegernseer Hauptbahnhof… Haha, verarscht, Timi! Dem Spaßnockerl Andi würde ich das durchaus zutrauen. Zu meinem Glück sind auch andere Freunde eingeladen. Aber auch die haben nicht viel mehr als die Facebook-Einladung in der Hand. Das kann ja spannend werden.

Um halb zwölf mittags soll´s mit Weißwürschten losgehen. Ich und Harry haben noch andere Termine an diesem Tag und kommen mit dem Zug erst Abends nach. Eineinhalb Stunden später sind wir auch schon im tiefsten Tegernsee. Ich kenn hier eigentlich nur das Bier. Aber der Hochzeits-Jubilar, falls er denn wirklich heiratet, hat sich diese Örtlichkeit gewünscht. Der Plan ist folgender: die anderen sind bereits ziemlich angetrunken in der Sauna, während wir vor 25 Minuten abgeholt werden sollten und uns den Hintern abfrieren. Das läuft ja wie geschmiert. Anrufe mit dem Handy scheitern, in der Sauna ist Telefonieren nicht so gern gesehen. Wir warten dann also mal.

Eine lange Taxifahrt und einige Telefonate später sind wir dann alleine zum Casino gefahren. Die anderen kommen nach. Wir gehen an die Bar und holen uns nen Kaffee. Mann, bin ich schlecht gelaunt. Harry tut sein bestes, um mich bei Laune zu halten. Das ist zwar nett gemeint und herzallerliebst, aber zu allem Übel bekomme ich jetzt auch noch übelsten Hunger.

Endlich hab ich den Bogen zum Essen geschafft. Juhu! Doch es soll noch ein wenig Zeit vergehen, bis ich was bekomme. Zuerst einmal kommen die übrigen Herren aus der Sauna angetorkelt. Sie sind irre gut gelaunt, tiefenentspannt und geben mir den grandiosen Rat, zu „chillen“. Äha.

Dennoch freue ich mich, endlich die anderen Spezis zu sehen. Nebenbei hat dann auch der Andi erzählt, dass er wirklich heiratet. Herzlichen Glückwunsch. Aber seine Informationspolitik war auch schon mal besser. Mir egal, jetzt wird erst mal was Ordentliches gegessen. Das Restaurant im Casino soll sehr gut sein – hat uns auch schon die Taxifahrerin erzählt, die uns vom Bahnhof zum Casino gefahren hat. Sie hat uns auch, mit etwas Mitleid in den Augen erzählt, dass ein Bus direkt vom Münchner Hauptbahnhof zum Tegernseer Casino fährt. Hätten wir das mal früher gewusst. Für uns gibt´s auf jeden Fall erst mal eine Casino Führung, einen Begrüßungs-Schaumwein minderer Qualität sowie die schwarze Casino Karte, auf der die Gewinne verbucht werden.

Leider fällt unser Test-Pokerspiel aus und wir müssen sofort in das Restaurant. Hurra!

Das Restaurant selbst bietet laut eigener Aussage leichte italienisch-asiatische Gerichte. Naja… Rumpsteaks, Pizzen und Putensalate. Wir sind, neben einer Gruppe dicken Mädels mit charmantem niederbayerischen Akzent, die ebenfalls Junggesellenabschied feiern, die einzigen Gäste des Restaurants. Schon mal kein gutes Zeichen. Auch dass wir geschlagene 1,5 Stunden auf unser Essen warten müssen trägt nicht zur allgemeinen Heiterkeit bei. Auf Nachfrage beim Kellner werden wir dann belehrt, dass alles für uns frisch gekocht wird, und dies eben seine Zeit dauert. Generell muss man sagen, dass ich kaum jemanden kenne, der gern von einem dahergelaufenen Kellner-Bürscherl eine Lehrstunde erhalten möchte. Mir egal, gibt´s halt noch a Bier. Das Tegernseer ist ja auch wirklich gut.

Dann endlich das Essen: Zeitgleich alle Gerichte. Ich kann nur sagen, scheiß auf das Kellner-Bürscherl, scheiß auf die lange Zugfahrt, scheiß auf die angetrunkenen Freunde, das Essen ist der Wahnsinn! Ich komm morgen gleich wieder! Danke Andi! Was für ein Gaumenschmaus! Wir müssen uns nach den ersten Bissen alle ziemlich angrinsen, als wir merken, dass sich die lange Wartezeit tatsächlich gelohnt hat. Für nicht viel Geld haben wir richtig gute Pizzen, Steaks und Salate vor uns stehen. Oh, kann das Leben schön sein. Das Steak perfekt auf den Punkt und von erlesener Qualität, die Beilagen ein Träumchen. Den Putensalat kann man nirgendwo besser machen. Und auch die Pizzen: richtig anständig! Bratkartoffeln! Die werden ja wirklich in den wenigsten Fällen anständig beherrscht. Aber hier: perfekt! Der Flo hat ein asiatisches Curry mit Rinderstreifen. Medium. Sowas hab ich noch nicht gesehen! Kein Überflüssiges SchiSchi, nur solide Qualität. Selbst das Brot wirkt selbstgemacht. Der Koch bzw. die Köchin kann was.

Nach dem Essen haben wir dann alle noch ziemlich viel Geld verloren. Beim Roulette. Das hat den Teufel gesehen! Anschließend ging es dann noch in eine zwielichtige Bar. Das macht man wohl so. Allerdings sollte man bereits angetrunken sein, wenn man solch ein Etablissement betritt, denn die Getränkepreise sind saftig. Es wurde dann auch noch richtig teuer. Aber was haben wir heute gelernt: Das Essen entschädigt für alles.

Danke Leute für den gelungenen Abend,
Timi