Timi geht essen

Sommer-Rundumschlag

von Tim Kugler, 02. Juli 2011

Die Sommer-Doppelausgabe des FINK ist da. Das heißt, einen Monat weniger Schreib-Plattform, um meinen Frust beziehungsweise meinen Wohlgenuss aufs Papier bringen zu können. Furchtbar. Ich leide jetzt schon, dass ich nächsten Monat nix zum Schreiben habe! Aber das heißt andererseits auch, dass ich endlich mal einen ausgedehnten Rundumschlag austeilen kann. Man mag ja glauben: So schwer ist es doch gar nicht. Denn, machst du gutes Essen, kümmerst dich um guten Service, kommen Leute, kriegst du Geld, machst du weiterhin gutes Essen, kommen mehr Leute… und so weiter. Harte These, aber sie bestätigt sich doch leider allzu oft. Das ist mein Standpunkt.
Ich weiß, jetzt heißt´s gleich wieder, Timi red ned so viel, mach´s selber besser, das ist ganz schön schwer, du musst dich mit Personal rumärgern, der Herd ist kaputt, die Ziege hat meine Hausaufgaben gegessen und so weiter. Faule Ausreden! Schon klar. Ich versuche an dieser Stelle lediglich meinen Beitrag zu leisten, unsere Gastronomie zu motivieren und zu Höchstleistungen anzuspornen. Tschakka! Das haben wir schließlich verdient!  Auf folgenden Punkt soll sich mein Selbstgespräch zuspitzen: Konstanz. Nicht die Stadt am Bodensee. Der Duden sagt uns: Beständigkeit, Stetigkeit, Permanenz. Genau das meine ich!
Wie oft hatte ich schon das Problem: Ich schreibe was über ein Restaurant und 14 Tage später kommen Leute auf mich zu: „Des war aber gar nicht so wie du des beschrieben hast, Timi! Des war ganz anders!“ oder „Mann Timi! Vorletzten Samstag war ich bei XY mit einem Kumpel beim Essen.  Wie soll ich sagen: Es war fantastisch! Gestern hab ich dann die Freundin dorthin ausgeführt und es war wie ein anderes Restaurant. Keine Ahnung was da los war: Das Steak totgebraten, der Beilagensalat lieblos und die Kellnerin wäre auch besser beraten, ein Deodorant zu benutzen.“
Was soll ich da sagen? Ja, das ist ein großes Problem! Das hab ich tatsächlich bei einigen Gastros, die ich mir im Laufe der Zeit angesehen habe, bemerkt. Es sind sicherlich die unterschiedlichsten Gründe, warum etwas nicht stimmt: Der Chef ist nicht da und die Mäuse (Angestellten) tanzen auf dem Tisch, man ruht sich auf seinen vermeintlichen Lorbeeren aus, man denkt, der Kunde merkt es sowieso nicht, man hat einfach keine Muse oder Geduld mehr und liefert deshalb mittelmäßige Arbeit ab. Kann ich alles verstehen. Darf aber nicht sein. Ende der Durchsage.
Obige Aussagen sind nicht zu verwechseln mit einer weiteren Aussage, die mir oft zugetragen wird: „Mir hat´s aber da echt gut geschmeckt! Ich kann gar nicht verstehen, warum du das da so schlecht findest“. Über Geschmack kann man streiten. Über Sauberkeit nicht! Was fordern wir also alle? Konstanz und Sauberkeit. Richtig. Nochmal alle im Chor: Konstanz und Sauberkeit. Dankeschön für´s Mitmachen! Ich finde eine mittelklasse Spaghetti Carbonara wirklich total in Ordnung, wenn das Personal gut gelaunt und nicht überfordert ist, die Aschenbecher ausgeleert sind und die Sanitäranlagen sauber sind. Das ist nicht zu viel verlangt, denke ich.
Die vorhergegangenen Zeilen betreffen natürlich nur einzelne, aber zumeist recht prominente Vertreter ihrer Art. Es gibt allerdings mehr als eine Handvoll richtig guter Gastronomien, die an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben sollen. Das ist genau das richtige für unseren kleinen Sommer-Doppelausgabe-Rundumschlag.
Ich kann jederzeit ins EtCetera in der Oberen Hauptstraße gehen und erhalte dort das beste Pizzabrot der Welt. Wirklich.
Ich kann immer beim Tasocak am Wörth einen Döner holen und weiß ganz genau, dass er mit unglaublich viel Liebe zubereitet wurde und ich davon richtig satt werde.
Ich kann, wenn ich Lust auf wirklich gute, handgemachte Pommes mit Currywurst habe, nach Vötting in den Klimperkasten fahren. Dort werde ich herzlich bedient und man merkt, dass es hier noch das gewisse „Besondere“ gibt.
Das beste Mittagsmenü der Stadt gibt es noch immer beim Grünen Hof in Lerchenfeld. Wirklich ordentlich schmackhafte Portionen für kleines Geld.
Ob jetzt Schweller oder Muschler das ist Glaubenssache. Aber: Wir haben zwei wirklich fantastische Bäckereien in Freising – darauf kann man wirklich stolz sein. Ich könnte noch einige gute Adressen hier aufzählen. Und das freut mich sehr. Ich denke an das Da Sandro mit einem fantastischen Eis, die Q-Bar, die sich nun endlich wieder mit der E-Bar um den besten Latte Macchiato streiten kann, der Neuwirt in Goldach, der immer noch in einer ganz eigenen Liga spielt, was Speisen und Professionalität angeht, der Freisinger Bayerische Hof, der an Charme kaum zu übertreffen ist, der Alte Wirt in Langenbach, der die vermutlich besten Schnitzel des Universums herstellt und so weiter und so fort.
Das sind doch mal wirklich die besten Voraussetzungen für einen geschmackvollen Sommer. Wir sehen uns beim Essen,
Euer Timi