Timi geht essen: Phantasialand

Phantasialand Erlebnispark Berggeiststraße 31 50321 Brühl

von Tim Kugler, 02. Juli 2012

Ich stehe im Nirgendwo und schieße mit Schokoladensauce auf kleine flinke Mäuse, die meine Spitzenkonditorei plündern wollen. Hinter dir, pass auf… verdammte Mäuse! Euch krieg ich! Oh neiiiiiiiiiin! Jetzt habe ich versehentlich auf meine eigenen Kuchen geschossen – Punktabzug! Ich werde mit der Gondel nach draußen gefahren, nehme meine 3D Brille ab und habe, sage und schreibe, 170.230 Punkte erreicht. Fast ein neuer Rekord. Jetzt habe ich mir erst mal ein eklig-süßes, gefrorenes Zuckergetränk verdient; Waldmeister-Cola-Kirsch-Geschmack. Pfuideifi!
Ich war dann also in einem Freizeitpark. Jahrelang habe ich mich geweigert, doch es half nix. Am Ende hab ich mich geschlagen gegeben und es der Dame des Herzens zum Geburtstag geschenkt. Meine Bedingung bei dem Geschenk: Ich will mindestens ein vier-Sterne-Hotel mit Sauna, Pool und fantastischem Essen. Wenn mir dann eine Attraktion schlecht bekommt, ziehe ich mich in die Sauna zurück. Daher fiel meine Wahl auf das Phantasialand in Brühl. Hotelbewertungen sind fantastisch und das Restaurant im Hotel hat soeben einen Spitzenpreis für seine Gastronomie erhalten. Das hört sich doch gar nicht schlecht an – da kann man auch mit mir, dem es schon in einem Riesenrad schlecht wird, in einen Vergnügungspark fahren. Gefühlte acht und reale viereinhalb Stunden später schmeiße ich dann meinen kleinen Koffer und den gigantischen Riesenkoffer der Freundin auf das etwas harte Bett im Hotel Ling Bao, direkt im Phantasialand. Ich bin total genervt von der Fahrt im Pfingstverkehr und will erst mal meine Ruhe. Sauna wäre jetzt super. Aber nix da… die Dame schleift mich euphorisch und ohne Rücksicht auf  Verluste direkt in den Park. Ich bin überfordert und möchte heim.
Wir verschaffen uns einen kleinen Überblick im Park: Wirklich gigantisch! Und gar nicht so viel los, wie ich befürchtet hatte. Cool. Der „verliebtes Pärchen“ vs. „Ehepaar mit Kind“-Index liegt bei 50 Prozent. Das ist gut. Ich geh die Sache langsam an und bestelle mir ein recht furchtbares Gyros in „Afrika“, die Freundin darf derweilen alleine Black- Mamba fahren. Kreidebleich kommt sie aus dem „Inverted Coaster mit Looping, Überschlägen und Schrauben“, grinst und möchte nochmal fahren. Später vielleicht.
Der Tag vergeht rasend schnell und ich kann kaum glauben, dass ich Gefallen an einem Vergnügungspark finde. Der Leser vermutet es: All die Fahrerei und Herumlauferei hat uns hungrig gemacht. Abends entscheiden wir uns für das Restaurant „Bamboo“ direkt im Hotel. Wir schlendern dann also in das liebevoll auf japanisch gestylte Restaurant. Schön ist‘s hier. Derselbe Innenarchitekt, der auch unsere Zimmer im asiatischen Flair designt hat, war hier am Werk. An der riesigen Balkendecke hängen unzählige, warm beleuchtete Pagoden, die sanft im Wind schaukeln. Die Servicekräfte sind dem asiatischen Interieur angepasst, tragen eine Art Service-Kimono, und schaukeln auch ein wenig im Wind. Sehr stimmig, wir fühlen uns wohl.
Noch besser geht ́s uns, als wir erfahren, dass unser Abendessen für den heutigen Tag bereits im Hotelpreis eingerechnet ist. Allerdings handelt es sich um ein, nicht zu unrecht oft verschmähtes, Dinner-Buffet.
Aber ich kann Entwarnung geben: Das Essen am Buffet ist schlichtweg der Wahnsinn. Zuerst hatte ich ja mächtig Angst vor einem „Familien-Buffet“ mit dem ewig gleichen Nudelbuffet, dem dick panierten Schweineschnitzel, dem Kartoffelbrei, der unkreativen Salatauswahl…aber nix da! Alles wunderbar auf durchwegs hohem Niveau!
Bei der Getränkebestellung am Anfang muss ich feststellen, dass die Bierauswahl allerdings stark zu wünschen übrig lässt. Es gibt ein einziges, unaussprechbares Pils (Kryzstopherhusczh oder so ähnlich) und… Kölsch. Im Nachhinein gar nicht schlecht! Hätte ich ja nicht gedacht. Man muss sich zwar immer gleich drei bestellen, weil das Bier in unsag- bar kleinen Gläsern serviert wird, aber dafür ist es immer schön kalt! Gibt‘s im Schneiders eigentlich Kölsch? Wenn nein: Das würd ich mir wünschen! …im Klimperkasten könnte es das vielleicht geben, oder? Da muss ich auch dringend mal wieder vorbeischauen; die scharfe Currywurst muss ja sensationell sein! Ich schweife ab…
Auf jeden Fall ist im Phantasialand, kulinarisch gesehen, alles AAA, also „Triibl Äi“. Diese Wertungsmethode ist ja momentan recht angesagt. Neben Sushi von Meisterhand, Hühnchen Saté Spießchen, Thai Nudeln, panierten Meeresfrüchten, diversen Roastbeef Platten, unendlich vielen Salaten und Vorspeisen- Schälchen, sieht es fast so aus, als würden die anwesenden Kinder leer ausgehen. Zumindest sehe ich hier kein Kind am Lachs-Carpaccio oder an der würzigen Käseplatte mit Feigensenf.
Der Nachwuchs hat anscheinend sein eigenes Buffet in einem Nebenraum. Und da verschlägt es mir zuerst ganz schön die Sprache: Quasi nur süßer Scheißdreck, Spaghetti, Würstl, Pommes und noch mehr Süßigkeiten! Das einzige halbwegs Gesunde ist der Apfelstrudel, der in Vanillesauce schwimmt… da ist zumindest Obst drin. Aber den Kindern schmeckt‘s hier wie nirgendwo anders. Man kann sich vorstellen, dass hier die abenteuerlichsten Essenskombinationen auf den Tellern der Kinder landen. Der Wahnsinn! Aber das ist halt eben Phantasialand, das gibt‘s (zum Glück) nicht alle Tage. Jeder ist rundum glücklich.
Nach einigen Cocktails werden wir gegen 22 Uhr von den Mücken am Aussenpool verjagt und ziehen uns ins Hotelzimmer zurück. Herrlich ruhig ist es hier, obwohl es sich um ein Familienhotel handelt. Aber Kinder und Eltern sind vom Parkbesuch tagsüber dermaßen fix und fertig, dass um spätestens 20 Uhr fast alle Hotelgäste in Tiefschlaf verfallen. Mir soll‘s recht sein. Die Bar im obersten Stockwerk hätte zwar noch lange offen, da sitzen aber vermutlich nur die üblichen Verdächtigen – schlecht gelaunte, gestresste Väter beim fünften Weißbier. Äh nein, Weißbier gibt‘s in diesem Bundesland nicht. Schade für den gestressten Vater.
Die Nacht war recht erholsam und beim Frühstück zeigt sich das Hotel nochmals von seiner besten Seite. Wahrscheinlich das Beste, was man in einem Hotel an Frühstück erwarten kann. Es gibt einfach alles. Für die Kinder mal wieder einen Haufen ungesundes Zeug, aber was soll ́s: is ́ ja Urlaub! Zuhause gibt‘s halt dann wieder Knäckebrot und Quark statt Pfannkuchen mit Gummibärchen-Zimtzucker-Nutella-Vanilleeis Füllung.
Das Phantasialand in Brühl ist auf jeden Fall die lange Anreise wert! Ich kann es euch wärmstens ans Herz legen, auch wenn sich der Freisinger Bierliebhaber dort mit Kölsch zufrieden geben muss. Aber das ist gar nicht so schlimm, wie man denkt.

Bis nächsten Monat, Timi