Timi geht essen: Möbelhäuser

Folge 53

von Tim Kugler, 01. Februar 2012

Heute begebe ich mich bewusst auf sehr dünnes Eis. Diese mal dreht sich alles um Möbelhäuser. Der Zwang, eine neue Küche zu kaufen, treibt mich dort hin. Nichts teures. Deshalb meide ich heute Segmüller und Emslander und besuche Ikea und Co.
Im nahegelegenen Eching bekomme ich dann endlich eine wunderbare Hungerattacke und habe eine Ausrede, meine fleißigen Mitstreiter warten zu lassen, um mir ein paar Hotdogs einzuverleiben. Wer es nicht weiß: Bei der/ die/das Ikea gibt es gar märchenhaft billige Wienerwürstl in Weißbrot zum „selber dekorieren“. Zur Auswahl stehen diverse Soßen, Röstzwiebeln und Gurken. Die Hotdogs sind für das Geld ziemlich OK, aber mein eigentliches Interesse hier gilt dem Gast an sich. Ich habe es schon oft angedroht und bald werde ich es auch wahr machen: Ich stelle flächendeckende empirische Forschungen an und werde dann ein Buch darüber veröffentlichen. Der Titel: Der Ikea-Besucher und sein Hotdog. Wahnsinn, wie unterschiedlich Menschen sein können! Da mag man meinen, es wären aus den wenigen Zutaten nicht viele Kombinationen möglich – weit gefehlt. Da tun sich gar scheußliche Abgründe auf. Etwa die lieblose Mutter, die sich nicht einmal die Mühe macht, die Hotdogs einzeln anzufassen. Sie stellt einfach das Tablett unter den Ketchup-Spender und verteilt die Soße gleichmäßig auf Tablett und Würsteln. Mahlzeit, Bambinis!
Auch gut ist der „Gourmet- Dog“: Zuerst alle Soßen in liebevoller Kleinarbeit auf das Ausgangsprodukt, bis sich eine Schlange hinter der Selbstbedienung gebildet hat. Dann genüsslich eine kleine Lage Rostzwiebeln. Nun Schritt eins und zwei jeweils zweimal wiederholen. Bevor der Hotdog vor schierer Größe implodiert noch ein paar Gurkerl drauf und erneut die Schritte eins und zwei wiederholen. Nach Bedarf Gurkerl. Auch sehr beachtenswert ist der so genannte „MacGuyver“. Hierbei wird das Würstl mit einem Taschenmesser horizontal in zwei Hälften geteilt und dann mit Röstzwiebeln gefüllt. Zugeklappt wird er dann mit etwas Mayonnaise vom Testobjekt gierig verschlungen. Oft serviert mit einer Tasse Kaffee. Weitere architektonische Meisterleistungen entnehmt ihr dann bitte meinem bald folgenden Bildband zum Thema.
Bei der/die/das Ikea gibt es nix passendes für die Küche, also geht ́s weiter zum nebenan neu erbauten MöMax. Nicht zu verwechseln mit MöbelMax, der ist gelb. Wir wollen zum Grünen.
Den folgenden Absatz schreibe ich nun schon zum dritten Mal. Der erste Entwurf war voll mit Schimpfwörtern und üblen Beleidigungen. Für den zweiten Entwurf könnte ich wegen übler Nachrede böse verklagt werden. Nun hier also der dritte Versuch:
Wie gesagt, will ich eine neue Küche. Also ein schönes und günstiges Modell ausgesucht und ab damit zum Verkäufer mit seiner Plan- Software und seinem Schlaubi-Computer. Die Küche ist relativ klein, deshalb brauche ich nicht alle Möbel, die bei der ausgestellten Variante dabei sind. Ich vermute, die Küche wird darum etwas günstiger. Der gescheite Verkäufer gibt die Maße meiner Küche in den Computer ein – Extrawünsche habe ich man-gels fehlendem Geld keine. Der gescheite Verkäufer unterbreitet mir dann auch den Preis meiner neuen Mini-Küche: Das Dreifache vom Preis der ausgestellten Küche. Auf Rück- fragen erhalte ich nur die Aussagen, dass das eben Ausstellungsküchen sind. Wenn man nur ein einziges Kästchen wegnimmt, wird ́s teurer. Das ist doch Verarsche! Alles Gangster! Drei Stunden Lebenszeit verschwendet und keine neue Küche. Jetzt hab ich Hunger…
Zum Glück hat auch der MöMax gleich ein großzügiges Bistro mit eingerichtet. Gleich neben dem Eingang links. Ich lasse mir die Laune also nur kurz vermiesen (ca. 45 Minuten) und begebe mich unverzüglich dort hin.
Da der MöMax erst vor ein paar Wochen eröffnet hat, gibt es noch superbilligallesmussraus Spar-Angebote. Das nutze ich und es gibt die Fleisch-Platte für zwei. Ganz schön hart, das Ding. Kostet im Angebot 7,90 Euro und sieht auch aus wie 7,90 Euro. Zwei kleine Cordon Bleu, zwei Schweineschnitzel in Natur mit Kräuterbutter, zwei Hühnchenbrust-(„Filets“) und zwei gegrillte Wienerl mit aufgedröselten Enden. Fein garniert auf einer Ladung – wie soll es anders sein – Pommes. Nach dem Ketchup muss ich extra fragen, ein winziges Tütchen wird mir dann aber bereits nach 6 Minuten relativ neutral auf den Tisch geschmissen. Danke.
Allerdings muss ich sagen: Das schmeckt gar nicht so schlecht. Nichts, was mein Verdauungstrakt jede Woche verkraften würde, aber durchaus geschmackvoll. Ich bin froh, dass sich unter der Panade kein sehniges Fleisch versteckt. Die Hühnchenbrust ist ziemlich saftig und die Pommes sind wirklich ordentlich. Auch die Portion ist ordentlich – da werden wirklich zwei Leute satt und es bleibt noch was übrig für den Hund.
Mein Frust aus der Küchenabteilung ist verflogen und ich habe gerade überraschenderweise ziemlich gut gegessen. Das habe ich nicht erwartet. Und billig war das ganze auch noch. Das freut mich und deshalb komme ich sicher bald wieder. Die Küchen sind mir zwar zu teuer, aber ein kleines Nudelsieb, könnte ich mir vorstellen, würde ich hier erwerben. Wenn ich eine Küche hätte.
Bis demnächst, Timi