Timi geht essen: Burger House

Rablstr. 37, Haidhausen, 81667 München, www.theburgerhouse.com

19. Dezember 2012

Erst einmal ein herzliches Dankeschön an euch für die netten Leserbriefe, die ich jeden Monat erhalte! Vielen Dank für die wunderbaren Anregungen, wo ich als nächstes Mal vorbeischauen sollte. Ich habe alle Anregungen in einem Dokument namens dringend_hingehen.doc zusammengeschrieben und werde sie so gut ich kann abarbeiten. Versprochen. Was ich auch gut finde ist, dass mir in fünfundneunzig Prozent aller Briefe eine Gastronomie ans Herz gelegt wird, welche nicht weiter als zehn Kilometer von Freising entfernt ist. Oftmals wird mir sogar fast drohend nahe gelegt, mich mit meinen Artikeln nicht zu weit von unserer geliebten Stadt zu entfernen. Schon gar nicht nach München. „Da kommen wir nur selten hin. Schreib lieber was über Freising, Timi!“ Mach ich. Beim nächsten Mal wieder.

Denn, was ich da in meinem Postfach von zwei Unikollegen entdeckt habe, hat mich aber dann doch stark dazu angespornt, diesen Laden in München mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Hier die Email von Simon und Carl: Liebe Freunde der leichten Abendunterhaltung, man schrieb das Jahr 2012. Es war Winter, als im beschaulichen Münchner Stadtteil Haidhausen ein kleiner aber feiner Burgerladen das Licht der Welt erblickte. Innerhalb weniger Wochen sollte er zum beliebtesten Lokal der Stadt heranwachsen, die Leute kamen von Nah und Fern und die Schlange der Wartenden reichte an manchen Tagen bis ins Westend. Die Burger waren so unglaublich zart und gschmackig, dass die Leute vor Freude in Tränen ausbrachen, einander umarmten und frohlockten. Ungläubig darüber, dass eine solch amerikanische Erfindung im tiefsten Bayern in solcher Perfektion zubereitet wurde, machte ich mich auf die Suche nach einem besseren Burger. Dabei verschlug es mich sogar bis über den großen Teich nach New York – ohne Erfolg. Und so erlangte ich, zurück in der Heimat, die Erkenntnis: Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute ist so nah!

Aus diesem Grund lasst uns alle zusammen in die Rablstraße pilgern, um die frohe Botschaft am eigenen Leib zu erfahren.
Grüße, Simon (und Carl)

Das ist eine Ansage! Also geht‘s mit ein paar Leuten aus der Uni eben zum Burger House. Ich bin gespannt.
Der Laden kommt im klassischen Münchner Großstadt-Charme daher. Großzügige Schaufensterscheiben erlauben den Blick nach drin- nen, die Hamburger werden in einer offenen Küche direkt vor den Gästen gebrutzelt, eine Menge Hipster mit dunklen Hornbrillen und Turnbeuteln im Publikum – und das Fleisch und die Brötchen sind, was zum Glück ja heutzutage fast schon zum Guten Ton gehört, regional und nachhaltig. Die Servicekräfte passen zum Konzept: Jung, hip, hop und so weiter. Hauptsächlich sind sie aber nett. Sehr zuvorkommend, gute Kenntnis der Speisen. Eigentlich kann jetzt nicht mehr viel schief gehen. Das Helle kostet hier zwar 3,20 Euro, das ist hier aber überall so. Da sich fünfzehn Personen heute zu uns gesellen wollen, werden für uns ein paar Tische zusammengeschoben. Ganz schön eng hier. Aber mehr als 30 Leute passen sowieso nicht in den Laden. Nicht wenige Gäste essen ihre Burger im Stehen am Tresen oder nehmen sich einen mit nach Hause. Ich schreibe ständig vom „Burger“. Aber das ist wahrlich untertrieben. Denn was hier auf der Karte geboten wird, ist für solch ein Mini- Restaurant wirklich gut und liest sich mächtig kreativ auf der Karte. Da gibt es zum Beispiel den Chorizo Burger mit spanischer Salami, Gouda und Basilikum Sauce, den Vato Loco Burger mit Guacamole, Speck und Jalapenós oder das Philly Cheese Steak aus Lendensteak mit Gruyere und Pilzen. Ich find ́s super!

Ich bestell mir trotzdem den Classic House Burger für 6,49 Euro. Ganz simpel, nur Käse, Tomate, Zwiebeln. Der sei der beste für An- fänger, meint Carl. Dazu gibt es eine Portion Pommes für 1,49 Euro, die Onion Rings für 3,10 Euro und den Saucen-Mix als Empfeh- lung des Hauses für 3,10 Euro. Dieser beinhaltet sechs verschiedene Saucen, die laut Bedie- nung „unglaublich“ sind. Ketchup, Mayo und Senf stehen zur freien Verfügung in riesigen Behältnissen auf den Tischen. Dann kann ́s endlich losgehen, das Essen kommt keine acht Minuten nach unserer Bestellung und alle Personen am Tisch bekommen nahezu zeitgleich ihr Essen. Toll! Ich probiere zuerst die Pommes: Ziemlich kross, sehr heiß. Aber vermutlich einfache TK-Ware. So ein bisschen wie die Pommes von McDonalds eben. Aber nicht schlecht. Dann sind die Zwiebelringe, oder wie der internationale Bayer heutzutage sagt Onion [Ohniäehn] Rings, an der Reihe. Und ich bin platt. Wahnsinn, wie frisch die sein können. Super saftig, ganz fein paniert in einer Art Filo Teig. Die Zwiebeln selbst sind herb süßlich, fast karamellartig. Mit dem Saucen-Mix entwickeln die Zwiebelringe ihren wahren Zweck: Sie sind das perfekte Werkzeug zum Dippen. Der junge Kellner hat nicht gelogen, die Saucen sind wahrlich ein Traum. Unendlich cremig und exzellent im Geschmack. Alle hausgemacht, alle sehr unterschiedlich, jede einzelne hat seine Berechtigung. Da versteht jemand sein Handwerk! Doch die Burger stellen alles in den Schatten und lassen, zurecht, die Beilagen als solche erscheinen. Es ist schon verwunderlich, wie ein einfaches Hackfleisch-Pflanzl in einer Semmel ein Loch in das Raum-Zeit-Gefüge reißen kann. Einfach so. Der erste Biss genügt und ich bin mir sicher: Carl hat nicht gelogen, das ist tatsächlich der beste Burger der Welt!

Wir alle starren uns ungläubig an und müssen schmunzeln. Wir dachten, Carl und Simon hätten in ihrer Email ein wenig übertrieben. Doch das war nicht der Fall. Ein Burgerbrötchen kann nicht besser in der Konsistenz sein, ein Käse nicht würziger, zart schmelzender, und ein Burger Patty kann nicht fantastischer sein. Außen unfassbar knusprig, fast wie ein Kartoffelchip und innen medium gebraten und unfassbar saftig. Und er schmeckt… wow! Leute, ich beende nun meinen Artikel, mir fehlen die Worte. Bitte schaut selbst vorbei und überzeugt euch von der superben Qualität dieser Buger. Ihr werdet so schnell keinen besseren bekommen!

Wir sehen uns im Burgerhouse, Timi