Timi geht essen: Bangkok

Folge 50

von Tim Kugler, 01. November 2011

Ich war dann mal im Urlaub. In folgendem Hotel, das zu den besten der Stadt zählt und uneingeschränkt empfohlen werden kann, durfte ich gastieren: Banyan Tree, 21/100 South Sathon Road, Sathon, Bangkok 10120. Der gebildete Leser weiß, das liegt in Thailand.
Dort gibt es allerlei lustige Dinge. Das Wort „lustig“ ist ziemlich treffend, denn man muss einiges mit Humor nehmen. Angefangen beim sogenannten „Pussy-Pingpong“, welches man sich in Live Shows bei einem kühlen Bier ansieht bis hin zu frittierten Küken am Spieß. Und da wären wir auch schon beim Thema Essen angekommen. Wenn ich ehrlich bin, interessiert mich das auch – mit weitem Abstand – am meisten. Die Tempel sind nett, die Bootsfahrten spaßig, die Leute außergewöhnlich. Doch für das Essen brennt mein Herz. Das gibt es hier reichlich, unfassbar billig und an wirklich jeder Straßenecke. Was nun folgt, ist eine unvollständige Auflistung meiner Speisen in Bangkok. Auf die Stadt selbst, deren wunderbare Menschen und das restliche Brimborium werde ich nicht eingehen. Schaut ́s euch lieber selber an! Dennoch drei Tipps: Erstens: Nehmt euch ein Tuktuk, wenn ihr lebensmüde seid. Zweitens: Geht auf den Chatu Chak Weekend Market. Der Wahnsinn! 6000 Stände, die wirklich alles anbieten. Und damit meine ich Alles! Und groß geschrieben hab ich das Wort auch noch. Anschauen! Drittens: Alles essen, was ihr findet! Ihr werdet überrascht sein…
Beginnen wir am Anfang: Alles ist neu, ich bin quasi erst aus dem Flugzeug ausgestiegen und noch ziemlich wacklig auf den Beinen. Der alte Mann auf dem Gehweg mit seinem fahrbaren, selbstgebastelten Holzkohlegrill kommt mir wie gerufen. Ich hab keine Ahnung, was da auf dem Grill vor sich hin brutzelt. Auf meine Fragen nickt er recht eifrig. Er versteht kein Wort von dem, was ich von ihm will, da bin ich mir sicher. Hauptsache nicken. Doch beim Wort „Chicken“ wird er hellhörig und fängt an zu grinsen. Bingo! Er hat also Hühnchen. Mit nur zwei Zähnen im Mund grinst mich sein verschrumpeltes Gesicht an und nickt aufgeregt: „Chicken Ass!“ sagt er, nickt abermals und freut sich. Gut, dann gibt ́s heute Hühnchen-Arsch, pardon: Hintern. Als Beilage gibt ́s – nichts. Kein Gemüse, kein Reis, keine Soße. Zuerst etwas erstaunt, muss ich nun zugeben: Beilagen würden das Gericht vernichten. Die Hintern sind nur zwei Zentimeter groß und unfassbar mariniert. Etwas zu fettig, aber wunderbar kross gegrillt. Ein gar köstlicher Schmaus.
Abends ging ́s dann in ein kleines Einkaufszentrum. Dort war Food-Market im Erdgeschoss. Das kann man nicht wirklich mit bekannten Essensmärkten in Kaufhäusern vergleichen. Hier werden neben dem S.Oliver Outlet Schweinehälften geschnitten, offen gegrillt, mit verklebten Fingern die neuen Levis Jeans anprobiert. Hier geht ́s ab! Für mich gibt ́s seltsame weiße Bällchen, die irritierenderweise an Weißwurscht erinnern. Die werden in ein Plastiksäckchen gepackt, Chili- Soße kommt drüber und Salat wird dazu geschmissen – fertig! Keine Kohlenhydrate – super! Schmeckt sehr gut, ich muss aber immer an Weißwürste denken. Nebenbei bemerkt, begegnen mir diese kleinen Plastikbeutel tatsächlich überall. Wenn man sich Bratwurst oder Currywurst kauft, wird diese geschnitten, kommt in besagtes Säcklein und wird mit Ketchup überschüttet. Als Beilage gibt ́s  nen Zahnstocher. Ohne eine Semmel oder Pommes ist hier eine Currywurst mangels Kohlehydrate also fast schon gesund…
Weiter geht ́s am nächsten Tag nach Chinatown. Ich erspare mir Einzelheiten. Es ist grandios! Zu essen gibt es hier, wie überall, im Überfluss. Die kleinen Garküchen drängen sich dicht aneinander. Unzählbar. Das Gericht der Wahl: Krebse, Shrimps, Tintenfisch – paniert. Generell ist hier kaum etwas zu finden, das nicht paniert ist. Besonders begeistert bin ich von den frittierten Krebsen. Bekannt aus Italienurlauben. Eine halbe Handfläche groß, leicht paniert und am Stück frittiert. Mit Haut und Haar, beziehungsweise mit Schere und Augen. Was soll ich sagen: Ein Traum! Die Krebse werden bei ganz niedriger Temperatur für eine halbe Ewigkeit im Erdnussöl gebrutzelt. Durch die lange Garzeit werden sie tatsächlich weich und knusprig gleichzeitig. Ich find ́s super hier!
Einen kleinen Snack für Zwischendurch soll es auch noch geben. Ich sehe einen Händler mit – wie soll ich sagen – flachen, harten, dunkelbraunen, unglaublich festen Dingsbumsen. Die sehen so lustig aus, die muss ich haben. Später stellt sich dann heraus, dass es speziell zubereitete Entenhaut war. Mag ich.
Abends dann gab es ein echtes Highlight: Suppe. Bislang fand ich Suppe generell nicht so spannend. Aber was der Thai draus gemacht hat, ist wirklich ein Erlebnis. Das ganze sieht aus wie ein Running Sushi: Du sitzt vor einem Fließband und allerlei „Suppeneinlagen“ fahren an dir vorbei. Vor dir deine persönliche Suppe auf einer Heizplatte. Wenn man die anderen Gäste beobachtet hat man recht schnell den Dreh raus. Erst mal sauber Grünzeug vom Band nehmen (Thai Zwiebeln, Lauch, Karotten…) und ab damit in die Suppe. Und dann kann ́s losgehen: Muscheln, Lachs, komisches Tofu-Gewürm, hauchdünnes Rinderfilet, ziemlich dicke Nudeln, reichlich frittiertes Zeug, rohe Eier… alles landet nach und nach in der Suppe. Ein paar Gewürz-Sößchen drauf, so vergehen schnell mal vier oder fünf Stunden. Auch eine super Alternative zum ewigen Sylvester-Fondue bei uns Zuhause. Ba da bam da dam… ich liebe es!
Ich muss abermals betonen, dass ich mich in diesem Artikel, so schwer es mir fällt, nur dem Essen in Bangkok widmen kann. Nicht, dass ich hier als verfressener Kulturbanause da stehe! Zwischendurch habe ich durchaus auch mal den ein oder anderen Tempel besichtigt. Danach hatte ich aber ziemlich Hunger. Zum Glück stand da die freundliche Dame mit ihrem Ehemann am Straßenrand und hat mir irgendwas mit Fisch verkauft. Sehr interessant ist auch, dass man eigentlich nie genau weiß, was man bekommt: An besagtem Stand liegen einfach unterschiedlichste Fische auf dem Grill und die Dame des Hauses schneidet Gemüse. Man wird auch nicht wie auf einem türkischen Bazar angesprochen, wenn man nicht durch ein lautes „Sawadi Kap“ auf sich aufmerksam macht. Das kann man übrigens in jeder Situation sagen, es bedeutet soviel wie „Hallo“, „Grüß Gott“, „Wie geht ́s dir“, „Äha!“, „Servus“, „Tschüss“ oder auch schlicht „Habe die Ehre, Spezi!“. Hat man dann erfolgreich auf sich aufmerksam gemacht, wird man mit einem freundlichen Lächeln begrüßt und mit großen Augen angesehen. Ich habe dann einfach auf die gewünschte Speise gezeigt. In 100% aller Fälle hatte ich fantastisches Essen. Beim Fisch-Stand gab es übrigens eine Art getrocknete, gegrillte Scholle mit teuflisch scharfem Papaya-Salat, den die Verkäuferin in mühsamer Kleinarbeit vor meinen Augen geschnitten und gemörsert hat. Ich hatte vergessen, „mai pet“ zu sagen. Nicht scharf. Geschmeckt hat ́s trotzdem.

So könnte ich noch ewig weiter erzählen. Leider neigt sich der Platz dem Ende zu. Von den Maden, Heuschrecken und Würmern, die ich probiert habe, und den frittierten Küken erzähle ich euch, wenn wir uns mal zufällig auf ein Bier in der Q-Bar treffen.

Bis dahin, Timi