Autorenlesung “Der Richter der letzten Dinge” mit Luis Vandiemen

Literatur, 07.12.2018, 19.00 Uhr

Historischer Kriminalroman

Luis Vandiemens Debütroman »Der Richter der letzten Dinge« ist ein sorgfältig recherchierter und spannender Historienkrimi, der Fakten mit Fiktion und einem guten Schuss Kirchenkritik verwebt. Der Roman gibt tiefe Einblicke in das Rechtsgeschehen im 15. Jahrhundert und lässt die Welt rund um den berühmten Freisinger Domberg, dem »Mons doctus«, atmosphärisch auferstehen. Von Anfang an taucht der Leser in die Welt des Mittelalters ein, wenn er Johannes Heller, Richter des Freisinger Fürstbischofs in geistlichen und damit vor allem Eheangelegenheiten, bei den Recherchen im Todesfall des Domkustos‘ folgt. Heller vertritt das kirchliche Rechtssystem mit Inbrunst, doch auch ihm kommen angesichts der dramatischen Ereignisse leise Zweifel. Sein Begleiter Marcus Hörnle, ein junger, humanistisch geprägter Domkanoniker, der im modernen Italien studiert hat, bildet einen Gegenpol zu ihm. Die Aufklärung der mysteriösen Vorgänge und Skandale führt sie an die Grenzen ihres katholischen Weltbilds. Der Roman gibt einen lebendigen Vorgeschmack auf die noch bevorstehende Reformation, deren Schwelbrände bereits spürbar sind. Spannend sind auch die Einblicke in das Leben auf dem Freisinger Domberg. Kontrastiert wird das mönchische Leben dort durch das ausschweifende Hofleben der Herzöge in München.

Luis Vandiemen ist Experte für Humanismus- und Kulturgeschichte des 15. Jahrhunderts und hat die Gerichtsbücher, die im Roman eine wesentliche Rolle spielen, intensiv studiert und wissenschaftlich mit ihnen gearbeitet. Ein rundum gelungener, authentischer Roman, der Geschichte lebendig werden lässt.

Einführung: Marc Aeilko Aris