Mein letzter Monat: Miriam Hacker

Oktober 2012

von Sigrid Jositz, 01. November 2012

Mein Monat war anstrengend und lang. Ich hab auf der Wiesn bedient. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie lange 16 Tage sein können. Das sind gefühlte vier bis sechs Wochen. Nach ein paar Tagen hängt man so in diesem ganzen Wiesn-Ding drin, dass man das Gefühl hat, es existiert gar keine andere Welt mehr außerhalb der Wiesn. Man fragt sich früher oder später: Gibt‘s eigentlich noch irgendwo auf diesem Planeten normale Menschen? Oder sind alle ständig betrunken, „tanzen“ torkelnd auf den Bänken, während sie geistreiche Texte, wie „Warum seid ihr denn alle so blau?“ mit „weil wir saufen wie die Sau“ lautstark grölend beantworten. Ich werde natürlich immer wieder gefragt, warum ich mir das antue. Erstens natürlich wegen dem Geld und zweitens beweist man sich selbst, dass man so einer krassen körperlichen und vor allem psychischen Herausforderung gewachsen ist: Körperlich ist es sowieso anstrengend. Das Ganze wird noch dadurch erschwert, dass man in den zwei Wochen kaum zum Schlafen und Essen kommt. Psychisch: Jeden Tag aufs Neue die Menschenmassen, lauter Besoffene, Schlägereien, Beziehungsdramen, Verletzte, sich jeden Tag wiederholende Musik, schlechte Luft, trübes Licht im Zelt und dann noch die immer gleichen Fragen: Wo geht‘s zur Toilette, wo ist der Biergarten, wo ist diese und jene Box, kennst du die Bedienung x, was machst du, wenn du nicht gerade bedienst, wie viel verdient man denn jetzt eigentlich, ich hab gehört, bla bla bla … Und wenn dir dann noch eine direkt in die Käsespätzle-Pfanne vor sich kotzt, da fragt man sich dann schon: Geht‘s eigentlich noch?
Gegen Ende der Wiesn-Zeit wird‘s echt verdammt schwer, freundlich zu bleiben. Mein persönliches Ziel dieses Jahr war, 12 Massen zu stemmen. Am letzten Wiesn-Tag hab ich sie gepackt, jawohl!
Ich hab‘s auf alle Fälle mal wieder überstanden. Jetzt erst mal Urlaub. Bis nächstes Jahr auf der Wies‘n. Prost!