Hospiz-Gruppe Freising: Begleiter in schwierigen Zeiten

von Sebastian Beck, 02. November 2011

Über schwere Krankheiten und den Tod spricht man nicht gern, schiebt es lieber weit weg, so lange es einen nicht selbst betrifft. Die Mitarbeiter und ehrenamtlichen Helfer der Hospiz-Gruppe Freising e.V. sind damit allerdings täglich konfrontiert. Sie begleiten Menschen in ihrer letzten Lebensphase und auch deren Angehörige. Und doch steht nicht der Tod, sondern das Leben im Mittelpunkt der Arbeit: „Dem Patienten und seinem Umfeld soll es möglichst gut gehen. Trotz der schwierigen Lebensphase“, sagt Edith Bernack, die Einsatzleiterin der Hospizgruppe.
Im ganzen Landkreis sind die Mitarbeiter der Gruppe unterwegs, aber auch in Altenheimen und in der Palliativstation im Freisinger Klinikum, mit der man eng zusammenarbeitet. Die Fälle sind höchst unterschiedlich wie die Menschen und ihre Schicksale. Manchmal geht die Betreuung nur wenige Tage lang, manchmal über Monate. Die medizinisch-pflegerische Seite decken bei der Hospiz-Gruppe die Palliativschwestern Barbara Wengert und Petra Hanrieder ab. Sie kommen bei den Patienten aber nicht vorbei, um diese selbst zu pflegen. Vielmehr geht es zunächst um Beratung. „Wir fahren hin und schauen erst mal, was die Patienten und auch die Angehörigen brauchen“, so Barbara Wengert. Wichtig sind dabei auch die Vernetzung mit anderen Fachstellen oder auch ganz praktische Tipps, die die erfahrenen Palliativschwestern den Angehörigen geben können.
Dazu kommen dann noch die knapp 40 ehrenamtlichen Hospizbegleiter. Sie sind für die „psychosoziale Begleitung“ zuständig. Und die kann höchst unterschiedlich aussehen. Etwa mit dem Patienten spazieren gehen, während die Angehörigen einmal Zeit für sich haben. Oder etwas vorlesen oder auch gemeinsam stricken. „Eine unserer Begleiterinnen hat von einer Patientin gelernt bekommen, wie man Socken richtig strickt“, erinnert sich Bernack. Im Mittelpunkt steht immer die Frage: Wie kann man dem Patienten am besten helfen und etwas mehr Lebensqualität herstellen? Wichtig ist dabei die Kommunikation zwischen allen Beteiligten.
Die Leitung der Hospiz-Gruppe achtet aber auch auf die ehrenamtlichen Mitarbeiter. Es gibt eine umfassende Vorbereitung auf die Hospizbegleitung, jeder betreut immer nur einen Patienten auf einmal, es gibt regelmäßige Supervisionen, bei denen man sich über das Erlebte, im Rahmen der Schweigepflicht, austauscht. „Es kommt schon vor, gerade wenn man jemanden länger begleitet hat, dass sich eine enge Bindung entwickelt“, sagt Bernack auch aus eigener Erfahrung. Sie war selbst jahrelang als ehrenamtliche Hospizbegleiterin aktiv. Wenn der Patient dann stirbt, ist das auch für den Begleiter eine Belastung. „Wir geben den Ehrenamtlichen dann auch eine Auszeit.“ Darüber hinaus kümmert sich die Gruppe auch um Hinterbliebene. So wird einmal im Monat ein offener Trauergesprächskreis angeboten; auch Einzeltrauerbegleitungen sind möglich. Wünschen würden sich die Mitarbeiter der Freisinger Hospiz-Gruppe, dass die Menschen die Scheu verlieren, sich an die Gruppe zu wenden. „Angehörige kommen oft spät“, sagt Petra Hanrieder. Viele wollen keine Hilfe annehmen. „Sie glauben, wenn wir kommen, dann stirbt der Patient bald“, so Hanrieder. Dabei kommt es durchaus auch vor, dass die Hospizbegleitung beendet wird, weil es dem Betroffenen wieder besser geht. „Hospiz, das ja vom Wort her Gastfreundschaft oder Herberge bedeutet, hat zunächst nichts mit Sterben zu tun“, sagt Edith Bernack. Beim Sterben selbst kann man auch niemanden begleiten; aber beim Leben in einer schwierigen Phase.

Die Hospiz-Gruppe Freising
Gegründet wurde die Gruppe im Oktober 1995 auf Initiative von Eva Maria Müller. Die Betreuung durch die Hospiz-Gruppe ist kostenlos und ist nicht an Konfessionen gebunden. „Wir sind für alle da, Gläubige und Nicht-Gläubige, Christen wie Muslime oder Buddhisten“, betont Einsatzleiterin Edith Bernack. Gerne wird auch das Angebot der Hospizgruppe angenommen, die Menschen über Patientenverfügung, Vollmacht und Betreuungsverfügung zu informieren. Finanziert wird die Arbeit der Gruppe durch Zuschüsse und Mitgliedsbeiträge, aber vor allem durch Spenden. Die Hospiz-Gruppe bietet auch ein Bereitschaftstelefon an, das rund um die Uhr unter 08161-87 15 35 erreichbar ist. Mehr über die Hospiz-Gruppe Freising e.V. gibt es auch im Internet unter www.hospizgruppe-freising.de