Freising verglichen. Perspektiven einst und jetzt

Aus der Fotosammlung des Stadtarchivs Freising

von Florian Notter, 05. Dezember 2012

Hier geht der Blick in die Fabrikstraße (Gabelung Bahnhofstraße, Fabrikstraße, Gartenstraße). Das historische Foto dürfte um 1955 geschossen worden sein, das andere gibt die aktuelle Situation wieder. Die Freisinger Fabrikstraße ist Mitte des 19. Jahrhunderts, also vor gut eineinhalb Jahrhunderten entstanden. Sie wurde in erster Linie angelegt, um neue Quartiere für Gewerbe-, später auch Industriebetriebe zu schaffen. Ihr Verlauf erstreckt sich von der Gabelung der Bahnhof- bzw. Münchner Straße und der Gartenstraße in südliche Richtung, bis in etwa zum Ende der heutigen Max-Lehner-Straße, die bis zur Umbenennung Mitte der 1990er Jahre den oberen Teil der Fabrikstraße bildete. Den damaligen städtebaulichen Idealen gemäß erhielt die neue Straße einen schnurgeraden Verlauf und wurde etwa mittig von der zeitgleich angelegten Kreuzstraße (heute Saarstraße) im 90°-Winkel gekreuzt. Die in diesem Bereich bis heute erhaltenen Straßenzüge, zum geringen Teil auch die begleitende Bebauung, sind ein schönes Beispiel für die ersten Ansätze einer Freisinger Stadtplanung außerhalb der mittelalterlichen Kernstadt (Altstadt). Das historische Foto lässt die strenge Baulinienführung der Bebauung erkennen. Besonders reizvoll scheint die Tatsache, dass die Fabrikstraße als Allee ausgebildet war. Das Schicksal der Bäume war allerdings schon zum Zeitpunkt der Aufnahme besiegelt: Im Vordergrund sind Baumfällarbeiten zu erkennen. Aufnahmen, die kurze Zeit später gemacht wurden, zeigen die Fabrikstraße dann ohne Bäume; diese waren in Zeiten der „autogerechten Stadt“ überflüssig geworden. Links im Vordergrund sticht ein markantes und bis heute erhaltenes Gebäude hervor: die ehemalige Gaststätte „Münchner Hof“. Das denkmalgeschützte Gebäude wurde vor wenigen Jahren umfassend saniert, dabei leider statt des fröhlichen Gelb-Anstrichs ein tristes Grau aufgetragen.