Freising verglichen. Perspektiven einst und jetzt

von Florian Notter, 03. Juli 2011

Die beiden Fotografien geben den Blick frei auf den Bereich hinter der Alten Hochschule („Asamgebäude“), jeweils aufgenommen durch ein vergittertes Fenster im 2. Obergeschoss des Alten Gefängnisses. Das historische Foto dürfte aus der Zeit um 1940 stammen. Ein Vergleich beider Ansichten macht deutlich, wie sehr sich dieser Platz zwischenzeitlich verändert hat. Auf der historischen Ansicht erhebt sich dort noch das massige Hochscheinbaderhaus, das besonders durch sein hohes Krüppelwalmdach auffällt. Es wurde 1962 abgebrochen. Dieser Vorgang ist zum einen zu bedauern, weil damit ein für die (Bau-)Geschichte Freisings sehr prägendes Zeugnis verloren gegangen, zum anderen aber auch, weil dadurch ein großer (aber durchaus reparabler) städtebaulicher Schaden entstanden ist. Bis zu seinem Abriss markierte das Haus den östlichen Abschluss eines Bauquartiers und gab den Gassen, die dieses Quartier umfingen (Brennergasse, Obere Domberggasse), Verlauf und Grenze vor. Der Bereich zwischen dem Hochscheinbaderhaus und dem Alten Gefängnis war zu einem kleinen Platz aufgeweitet, für den die historische Bezeichnung „Im Winkl“ überliefert ist. Durch den Verlust des Anwesens sind die einzelnen Gassen- und Platzbereiche zu einem öden Einheitsbrei verkommen. Das, was eine historische europäische Stadtanlage kennzeichnet, nämlich das dichte Nebeneinander von Bausubstanz, (Urbanität) ist an dieser Stelle nicht mehr nachvollziehbar. Bedauerlicherweise wurde östlich des Alten Gefängnisses zu Beginn der 1980er Jahre in ähnlicher Weise verfahren: ein ersatzloser Abriss des Zellentraktes aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Damit wurde das Alte Gefängnis – ursprünglich in ein dichtes Baugefüge eingebettet – isoliert. (Fotos: Freisinger Digitale Fotosammlung)