Freising verglichen. Perspektiven einst und jetzt

von Florian Notter, 02. September 2011

Auf den beiden Fotografien geht der Blick vom Weihenstephaner Berg (Höhe Lindenkeller) in Richtung Osten zum Domberg. Die historische Aufnahme stammt von Franz Ress, einem der ersten professionellen Fotografen in Freising; sie ist um die Jahre kurz vor 1900 zu datieren. Im Vordergrund ist die Bebauung des historischen Lindenkellers angeschnitten, daneben zieht sich der Fußweg den Berg hinauf. Gegenüber dann der Domberg mit dem erzbischöflichen Knabenseminar, dahinter die Residenz, darüber das Turmpaar der Domkirche. Zwischen den Bergen liegt der historische Stadtteil Wörth, rechts ist der Turm der Altöttinger Kapelle an der Bahnhofstraße zu erkennen.
Der Vergleich der beiden Bilder zeigt deutlich, wie wenig der Hang des Weihenstephaner Berges südlich des Lindenkellers noch vor gut einem Jahrhundert bewachsen war. Schon auf verschiedenen Stadtansichten aus dem 16. und 17. Jahrhundert ist hier kaum ein Bewuchs dargestellt. Es ist anzunehmen, dass dieser sicherlich nicht ursprüngliche Zustand auf mittelalterliche Rodungstätigkeiten zurückzuführen ist, möglicherweise im Zusammenhang mit der Errichtung mehrerer Sakralgebäude (dem nachmaligen Kollegiatstift St. Veit) im Bereich des heutigen Lindenkellers.
Dass dieser Zustand noch weit bis ins 20. Jahrhundert hinein gegeben war, beweisen nicht nur diverse weitere Fotografien, sondern auch eine etwas oberhalb des Lindenkellers gelegene Aussichtsterrasse, von der man einst den gegenüber liegenden Domberg und die südlichen Teile der Stadt in den Blick nehmen konnte. Im Lauf des 20. Jahrhunderts wurde der Hang in diesem Bereich schließlich mehr und mehr der Vegetation überlassen. Die nach vielen Jahrhunderten nunmehr wieder dichte Hangbewaldung leistet heute einen entscheidenden Beitrag zur Qualität des innerstädtischen Kleinklimas und trägt nebenbei wesentlich zur Attraktivität des Weihenstephaner Berges als Naherholungsort bei. Eine geringfügige Reduzierung des Bewuchses im Bereich der historischen Aussichtsterrasse wäre dennoch wünschenswert; eine spaltbreite Öffnung, die den Blick zum Domberg frei gibt, würde eine gewisse ästhetische Spannung mit sich bringen und kurzzeitig in Erinnerung rufen, dass man sich in einem urbanen Raum befindet.
(Fotos: Freisinger Digitale Fotosammlung)