Freising verglichen. Perspektiven einst und jetzt

Aus der Fotosammlung des Stadtarchivs Freising

von Florian Notter, 01. November 2012

Städtebaulich hat sich hier bis heute nur wenig verändert. Allerdings lassen sich kleinere Veränderungen an der Architektur des Stauberhauses (Mitte) erkennen. Das barockzeitliche Haus besitzt zum Zeitpunkt der Aufnahme des historischen Fotos noch seine bauzeitlichen Fenster mit Bleiverglasung, teilweise sind auch Läden angebracht. Der zum Rathaus (rechts) hin gelegene und bis heute erhaltene dreigeschossige Vorbau geht in dieser Form auf die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück. Deutlich zu sehen ist auf der historischen Aufnahme zudem die mittige Tordurchfahrt des Stauberhauses, die einen unmittelbaren Zugang vom Marienplatz zum südlichen Kirchhof ermöglichte. Tatsächlich war bis zum späten 19. Jahrhundert dies die schnellste Verbindung zum Kirchhof, da nördlich des Stauberhauses, bis zum Bereich des heutigen Kriegerdenkmals an der Außenwand der Kirche, das Gebäude der alten Hauptwache stand und dahinter lediglich ein schmaler Zugang in den Hof vorhanden war. 1937 wurde das Haus dann von den Nationalsozialisten umgebaut, dabei die Durchfahrt aufgelassen und an der Nordseite eine Arkade eingefügt. Bei der Renovierung 2004/05 hat man letztere wieder vermauert. Der Gedanke an eine Öffnung der alten Tordurchfahrt wurde nach anfänglicher Befürwortung – bedauerlicherweise – fallengelassen. Vor allem für die Schaufassade des Stauberhauses zum Marienplatz wäre die Öffnung der Durchfahrt wichtig gewesen, da sie zusammen mit dem (rekonstruierten) St.-Georgs-Gemälde die Mittelachse noch weiter betont hätte.
Das Rathaus hat sich, wie der Vergleich zeigt, nicht verändert, nur der Anstrich wurde von grau in weiß verändert. Der Sakristei-Anbau bei St. Georg (links) ist auf der historischen Aufnahme noch einen Stock höher, später wurde der Bau wiederum auf das Erdgeschoss reduziert. Der 1906 aufgestellte St.-Georgs-Brunnen markiert damals wie heute den städtebaulichen Mittelpunkt des südlichen Kirchhofes.