Buchvorstellung: Geschichte Ottenburgs vor dem Vergessen bewahren

von Sebastian Beck, 01. Juli 2011

Für den Heimatforscher Ernst Keller war es viel Arbeit: Elf Jahre lang recherchierte er zur Geschichte Ottenburgs bei Günzenhausen in zahlreichen Archiven. Ende Juli erscheint ein fast 500 Seiten dickes Buch, dass Keller zusammen mit Alfred Ballauf geschrieben hat: „Ottenburg – vom Leben und Sterben auf einem alten Schloss und seiner Hofmark“. Und darin ist auch jede Menge über das Leben und den Alltag der Freisinger in den vergangenen Jahrhunderten zu finden.
Wie Keller dem FINK erzählte, ging es nicht nur darum, eine Chronik des Schlosses und seiner Bewohner zu schreiben, sondern eben auch zu zeigen, wie der Alltag der Menschen aussah – auch im Kontext der Weltgeschichte. Wie etwa den Überfall der Schweden im 17. Jahrhundert. Dazu fand Keller die Aufzeichnungen des Lizentiat und Hofratsstaatssekretär Georg Philipp Finckh, der schildert, wie die Schweden in Freising einfallen. Finckh, der als Geograph und Kartograph bekannt wurde, war bis kurz vor seinem Tod Pfleger auf Ottenburg und starb in Freising. Eine Inschrifttafel in der St. Georgskirche erinnert an ihn.
Es ist nicht die einzige Verbindung zwischen Ottenburg und Freising. So ist Keller auch auf Dokumente gestoßen, die einen Einblick in das Alltagsleben auf dem Freisinger Domberg in vergangenen Zeiten liefern. Demnach arbeitete im 18. Jahrhundert Johann Friedrich Kolb als hochfürstlicher Pfleger auf Ottenburg, einer seiner Söhne war Kanoniker auf dem Domberg. Keller fand Gerichtsdokumente, bei denen es um einen Streit der Wirtschafterin von Kolbs Sohn mit der Köchin eines anderen Kanonikers auf dem Domberg ging. Was da vor dem Kapitelrichter aufgenommen wurde, gibt interessante Einblicke in das damalige Leben als Kanoniker. Weitere Überschneidungen mit der Freisinger Stadtgeschichte finden sich auch in den Pfarreiaufschreibungen. So machte 1770 ein Räuberhauptmann die Gegend unsicher.
Wie der Pfarrer vermerkte, sei der Anführer der Freisinger Paradieswirt Mathias Hörand gewesen. Keller hat aus der rund 1000-jährigen Geschichte Ottenburgs noch viele weitere Geschichten zusammengetragen, so geht er auch der Frage nach dem unterirdischen Geheimgang nach, der von der Ottenburg bis nach Fürholzen ging. Neben den zugänglichen Archiven haben auch die Nachfahren der Schlossbewohner weitergeholfen: mit Informationen aber auch zahlreichen Bildern, die in dem Buch erstmals veröffentlicht werden. Alfred Ballauf hat die Vor- und Frühgeschichte der Ottenburg beigesteuert. Das alles soll dazu beitragen, so die Autoren, Vergangenes vor dem Vergessen zu bewahren.

„Ottenburg – Vom Leben und Sterben auf einem alten Schloss und seiner Hofmark“: Vorstellung am 29. Juli ab 19.30 Uhr beim Baderwirt in Günzenhausen, das Buch ist erhältlich bei Pustet und Kyrios.