Timi geht essen:

Il Gatto Bianco Italienische Bistro Erdinger Straße 30 85356 Freising www.ilgattobianco.de

von Tim Kugler, 01. Januar 2012

Ich staune nicht schlecht, als ich den Pino die Erdinger Straße entlang wanken sehe. Der Pino ist eine lebende Legende. Zumindest für mich. Gekonnt zieht er einen Schlüsselbund aus seiner Tasche und manövriert diesen selbstsicher in das Schloss der Türe eines kleinen Restaurants. „Il Gatto Bianco“ steht dort in großen Lettern geschrieben. Italienische Bistro – Cafeteria – Snack und Pizza, heißt der Untertitel. Also quasi alles, was der gemeine Italiener so zu bieten hat. Kann es sein, dass der Pino etwa eine neue Wirkungsstätte gefunden hat? Das wäre ja geradezu fantastisch!
Um meine Freude kurz zu erklären, der Pino, von dem ich hier die ganze Zeit sinniere, war vor langer, langer Zeit Kellner und „Gute-Seele-des-Hauses“ im berühmten Calafati in der Freisinger Fischergasse. Dort habe ich als sechzehnjähriger Hallodri so ziemlich jede freie Minute verbracht und um die Gunst der Mädels gebuhlt. Zumeist mit mäßigem Erfolg. Unvergessen sind Momente, in denen uns Pino grantig vor die Tür setzen musste. Wir waren circa zwanzig Pubertierende, keiner hatte Geld und wir belagerten bereits seit einigen Stunden so ziemlich alle Sitzplätze des Calafati. Kein zahlender Gast hätte mehr hineingepasst. Man kann sich eben seine Kundschaft nicht aussuchen. Armer Pino.
Und tatsächlich erzählt mir der Bene nur einige Tage später, dass er letzte Woche beim Pino essen war. Es soll ziemlich gut gewesen sein. Das lass ich mir nicht zweimal sagen…
Öffnet man die Türe des „Il Gatto Bianco“, kommt es uneingeschränkt mediterran daher. An den Wänden abgetönte und rustikale Farbe, die Espressomaschine brummt vor sich hin und der Pino flucht auf Italienisch irgendein wirres Zeug. Ich werde auch unverzüglich von ihm begrüßt: „Ey, Ragazzo! Was machste du? Haste due Hunger?“ Er dreht sich zu seinem Kompagnon, meint „Quel ragazzo e un diavolo scatenato“ und begrüßt mich herzlich. Muss ich bei Zeiten mal in einen Übersetzer eingeben…
Freilich hab ich Hunger. Rigatoni al Forno hätt ich gern. Die waren früher immer ziemlich fantastisch. Pino: „Der Rieger Toni, alles klar! Wie immer. Al forno halt.“
Ich denke, dass Pinos Bruder in der Küche steht und die Speisen zubereitet. Der Koch sieht Pino zumindest ziemlich ähnlich. Ganz sicher bin ich mir da aber nicht.
Ich warte anständige zwanzig Minuten, weil das Gericht frisch zubereitet wird. Sehr schön. Nix ist schlimmer, als wenn die Nudeln nach fünf Minuten auf dem Tisch stehen. Auch der Spezi schmeckt wie früher… hach wie schön!
So, Nudeln sind da. Pino, ich hoffe für dich, dass sie gut sind. Ich würde ungern schlecht über dich schreiben. Nach bereits einem vorsichtigen Bissen ist klar: Die Nudeln sind genial! Perfekt auf den Punkt. Serviert in einer kleinen Auflaufform, die nur so dampft. Leichte Tomaten-Sahne-Sauce mit gutem Schinken und Erbsen, die trotz der Hitze nicht an Struktur verloren haben. Apropos Hitze: Die Nudeln müssen erst mal fünf Minuten abkühlen, so unglaublich heiß sind die. Aber wirklich sehr gut. Ich könnte sie nicht mal annähernd nachkochen. Etwas Salz fehlt, aber das steht am Tisch. Ich bin überwältigt. Simpel und gut… ganz italienisch eben.
Während ich so esse, füllt sich der Laden immer mehr. Es ist halb eins, Mittagspause. Nun ist quasi jeder Platz besetzt. Das freut mich, dass auch andere den Pino und die Speisen des „Il Gatto Bianco“ zu schätzen wissen. Besonders zu schätzen weiß ich guten Espresso. Und den hatte der Pino damals leider nicht. Doch auch der stellt sich hier als richtig gut da. Auch wenn das kleine Glas Wasser dazu fehlt. Das kriegt er sicher auch noch hin.
Ich werde bei Zeiten abends testen, ob man dort auch immer noch so gemütlich Bier trinken kann wie früher. Bis dahin sei euch das „Il Gatto Bianco“ und der herzlichste Kellner der Welt, Pino, wärmstens ans Herz gelegt.

Bis dann, Timi